Schnee zerstört Kirschbäume: Ein Jahr danach

Mittwoch, 9. Mai 2018

Im Frühling 2017 musste Werner Gsell hilflos zusehen, wie ein Wintereinbruch seine Kirschbaumplantage zerstörte. Wie es ihm heute geht, zeigt ein Augenschein vor Ort.

Werner Gsell zeigt Fredy Niedermann, Schadeninspektor der Mobiliar, die jungen Kirschen. Sie weisen bereits eine stattliche Grösse auf. Im ersten Moment könnte man meinen, dass auf dem Bauernhof in Egnach TG alles rund läuft und die Ernte kurz bevor steht.

Doch der erste Eindruck täuscht. Ende April 2017 richteten die Schneemassen bei Landwirt Werner Gsell schwere Schäden an (s. dazu News vom Mai 2017). Vier Hektaren Land mit Kirschbäumen waren betroffen. Die gesamte Hagelnetzanlage und das Foliensystem wurden eingedrückt und begruben die Bäume unter sich. Etwa 80 Prozent der Ernte fiel daraufhin aus. Seither investierte Werner Gsell rund 1 800 Arbeitsstunden in Aufräum- und deren 6 000 in Wiederaufbauarbeiten. Eine komplett neue Folienüberdachung wurde installiert, viele Kirschbäume wieder aufgerichtet und zahlreiche neue gepflanzt.

Bis die rund 2 500 neu gepflanzten Bäume wieder Ertrag geben, rechnet Werner Gsell drei bis vier Jahre. «Zudem brauchen die Bäume, die überlebt haben, viel mehr Pflege als sonst», erzählt er.

Finanzen als Knackpunkt

Für ein Wetterereignis dieser Art ist Werner Gsell heute besser gerüstet: «Die Folien des neuen Schutzsystems werden mit Reisverschluss geschlossen», erklärt der Landwirt. «Dadurch können im Notfall innert fünf Sekunden hundert Meter geöffnet werden. Der Schnee fällt dann auf den Boden zwischen den Bäumen.»

Die Folienüberdachung ist bei der Mobiliar versichert. Doch die Kirschbäume sowie der Ertragsausfall sind nicht versicherbar. «Hinzu kommen sämtliche Arbeitsstunden für den Wiederaufbau, die wir selber tragen. Darum ist die finanzielle Situation sehr angespannt», berichtet Werner Gsell. Zurzeit kann der Betrieb nur dank einer Hypothek der Bank aufrechterhalten werden.

Kirschen als Lieblingskultur

Trotz allem war für Werner Gsell und seine Frau klar, dass sie weiterhin Kirschen anbauen. Einerseits hätten sie sich unterdessen ein grosses Know-how aufgebaut. Andererseits seien die Kirschbäume ihre Lieblingskultur. «Bei den Kirschen läuft zwar nicht immer alles wie geplant, aber das passt zu uns – wir lieben die Herausforderung», verrät Gsell mit einem Schmunzeln.