Wiederaufbau der Brunner Bäckerei in Dierikon LU

Donnerstag, 20. August 2015

Am 7. Juni 2015 hat das Hochwasser in Dierikon LU die Brunner Bäckerei Conditorei zur Mühle fast vollständig zerstört. Wie es Inhaber Joseph Brunner heute geht und ob in seiner Backstube schon wieder frische Brötchen im Ofen liegen, erfahren Sie in unserem Video.

Text: Seraina Heierli; Video: Sascha Moetsch

Schutt und Schlamm sind weggeräumt. Rund zwei Monate nach dem Hochwasser ist in Dierikon LU vom verheerenden Unwetter nicht mehr viel zu sehen. Die Strassen sind neu geteert, einzig die Bauabschrankungen und die Fahrzeuge der Handwerker vor den Häusern erinnern noch an das Unglück. Doch an einen geordneten Betrieb ist in der Brunner Bäckerei Conditorei zur Mühle noch nicht zu denken. Die Arbeiten zum Wiederaufbau werden voraussichtlich weitere zwei Monate dauern.

Joseph Brunner kann wieder backen

Trotzdem: In der Backstube duftet es bereits wieder nach frisch gebackenem Brot. Die Produktion ist wieder angelaufen, wenn auch nur in stark reduzierten Mengen. «Am wichtigsten ist für mich, dass der Backofen wieder funktioniert», sagt Joseph Brunner. «So können wir wenigstens einen kleinen Teil der Backwaren für unsere vier Filialen wieder selber produzieren.» Zur Überbrückung haben ihm zwischenzeitlich Bäckerskollegen aus der Region ausgeholfen. Die Konditorei, in welcher die Mitarbeitenden zum Beispiel belegte Brötchen produzieren, hat Joseph Brunner kurzerhand in eines der beiden Cafés verlegt, das zurzeit Sommerpause hat. «So können unsere Kunden im anderen Kaffee trotzdem feine Sandwiches geniessen», sagt Joseph Brunner.

Die Nacht, als der Bach kam

Den Anblick am Tag nach dem verheerenden Unwetter hat Joseph Brunner noch nicht ganz verdaut: «Es war ein Schock», sagt er. Innerhalb von Minuten verwandelte sich der nahe Götzentalbach in einen reissenden Fluss. Die Wasserwalze suchte sich unerbittlich ihren Weg: Durch Keller, über Strassen, durch Gärten und Wohnungen. Alles was nicht niet- und nagelfest war, riss der Fluss mit sich und hinterliess ein Bild der Verwüstung.

Weggeschwemmt wie Spielzeugautos

Die Brunner Bäckerei, versichert bei der Mobiliar, hat das Unwetter besonders hart getroffen. Wir haben im Juni darüber berichtet. In den Räumen der Bäckerei und im angrenzenden Wohnhaus der Familie Brunner richtete die Gewitternacht riesigen Schaden an. «Die Wasser- und Schlammmassen haben Kühlschränke und Fahrzeuge weggespült wie Spielzeugautos», erzählt Joseph Brunner.

Kein einziges Sandkorn mehr

Als Joseph Brunner einen Blick in die komplett zerstörte Backstube wagte, blinkte ihm die Digitalanzeige des Backofens entgegen. Der Bäcker schöpfte Hoffnung. So war er beim ersten Besuch der Mobiliar-Schadensspezialisten auch noch zuversichtlich, dass er die Produktion bereits in einigen Tagen wieder würde aufnehmen können. Die Fachspezialisten des Backmaschinen-Herstellers belehrten ihn eines besseren: «Viele Gerätschaften mussten einer grundlegenden Revision unterzogen werden. So darf sich in der Elektronik unseres Backofens kein einziges Sandkorn befinden. Dies würde die Temperaturanzeige beeinflussen und die gebackene Ware wahrscheinlich ungeniessbar machen», erklärt Joseph Brunner.

Schäden gehen in die Millionen

Die Kosten für die Revision und den Ersatz der zerstörten Geräte trägt grösstenteils die Mobiliar. Schäden am Gebäude werden von der Gebäudeversicherung des Kantons Luzern übernommen. «Bei der Bäckerei Brunner sprechen wir von einem Schaden in Millionenhöhe», sagt Mobiliar-Schadeninspektor Erwin Koller. «Das Unternehmen Brunner ist bei der Mobiliar mit der Betriebs- und Gebäudeversicherung versichert.

Gründung der «IG Dörfli»

Die Schäden haben auch die Luzerner Regierung auf den Plan gerufen. Dass für den Durchlauf des Götzentalbachs durch Dierikon eine Lösung gefunden werden muss, ist seit langem bekannt. Jedoch wurde das Projekt aus finanziellen Gründen um ein Jahr sistiert. Nach den Ereignissen vom Juni wird die Sanierung vorgezogen und soll im Herbst 2016 erfolgen. Dafür setzt sich insbesondere die neue «IG Dörfli» ein, welche von Kollegen aus dem Dorf nach dem Unwetter gegründet wurde. «Wir wollen der betroffenen Bevölkerung eine gewichtigere Stimme geben, damit nun endlich etwas passiert», so Joseph Brunner, der ebenfalls im Vorstand mitwirkt.

Ein Familienunternehmen seit fünf Generationen

Die Brunner Bäckerei Conditorei zur Mühle ist ein Familienunternehmen. Joseph Brunner führt den Betrieb schon in fünfter Generation. Und die nächste Generation steht bereits in den Startlöchern: Einer der beiden Söhne der Brunners schliesst im kommenden Frühjahr seine Weiterbildung zum Bäckermeister ab und eine der Töchter führt bereits jetzt die Buchhaltung. Der Zusammenhalt in der Familie ist gross. Eine seiner ersten Fragen an die Kinder nach dem Unglück sei gewesen, ob sie weitermachen wollen, erzählt Joseph Brunner. Für die beiden Junioren keine Frage. «Für unsere Kinder ist klar, dass sie das Familienunternehmen weiterführen wollen», sagt Brunner stolz. «Das gibt uns die nötige Energie um weiterzumachen und auch unseren Verkaufsladen bald wieder in neuem Glanz eröffnen zu können.»