Guido Macconi: Der Imker im Malcantone

Vom Ingenieur über den Mathematiklehrer zum Imker: Guido Macconis Berufsleben ist geprägt von Neuanfängen.

«Der beste Honig entsteht, wenn wir so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig intervenieren», ist Bio-Imker Guido Macconi überzeugt.

Viele Kurven führen von Lugano in die bewaldeten Hügel des Alto Malcantone nach Vezio (TI), wo Guido Macconi (38) lebt und arbeitet. Im Sommer ist er Herr über rund drei Millionen Bienen – im Winter sind’s ein Drittel weniger. Dazu gehören auch drei Bienenkästen der Mobiliar, die er für die Generalagentur Lugano betreut (s. Kasten). Der Imker produziert Kastanien­, Linden­, Akazien­ und Wildblumenhonig, zertifiziert von Bio Suisse. Etwa zwei Tonnen im Jahr. 

«Dass ich einmal Imker werde, war nicht geplant. Bei mir hat sich eins zum anderen ergeben», sagt Guido Macconi. Nach dem Studium zum Ingenieur an der ETH Lausanne arbeitet er zuerst auf dem Beruf. Den Zivildienst leistet er dann als Lehrer von Behinderten. Die Tätigkeit gefällt ihm so gut, dass er sie weiter ausübt.

Macconi muss sich entscheiden

Mit Bienen befasst er sich erstmals 2006: Ein befreundeter Tessiner Imker mit grossem Bestand benötigt Hilfe; Guido Macconi springt für eine Saison ein. Im Jahr darauf legt er sich selber zwanzig Bienenfamilien zu. Inzwischen arbeitet er in einem 50­Prozent­Pensum als Mathematiklehrer in einer Sekundarschule nahe Vezio. Nach und nach schafft er mehr Völker an und kommt bald auch als Imker auf eine Jahresarbeitszeit von 50 Prozent. Im Sommer deutlich mehr, Ferien oder freie Wochenenden liegen nicht mehr drin. Lange geht das gut. 2011 folgt jedoch ein weiterer Neuanfang: Guido Macconi wird Vater eines Sohnes. Als seine Frau schwanger mit dem zweiten Kind – einer Tochter – wird, zeichnet sich ab, dass Macconi nicht mehr alles unter einen Hut bringt. Er wird zu Hause mehr benötigt, denn auch seine Frau unterrichtet in einem Teilpensum – als Sportlehrerin. Er muss sich entscheiden: Lehrer oder Imker. Und entscheidet sich für Imker.

Abhängig von den Launen der Natur

«Der Entscheid brauchte Mut: Als Imker habe ich kein geregeltes Einkommen und bin abhängig von den Launen der Natur.» Das erfährt der Tessiner im dritten Jahr als Selbstständigerwerbender. «Der kalte Sommer im 2014 war für Imker desaströs!» Dennoch habe er seinen Entscheid nie bereut, sagt Macconi. Reich werde man zwar nicht als Imker, aber: «Es geht uns gut. Ich kann viel Zeit mit meiner Familie verbringen – und wenn die Kinder mal gross sind, kann ich immer noch Geld verdienen.»