Das Dorf im Dorf

Im Ökoquartier Eikenott in Gland wird Energieeffizienz gross geschrieben

Die Siedlung Eikenott im waadtländischen Gland steht für nachhaltiges Wohnen. Wie lebt es sich in einem Ökoquartier? Begegnung mit Dieter Gisiger – Geburtshelfer des Quartiers und heutiger Mieter.

Dieter Gisiger schätzt die hohe Lebensqualität im Ökoquartier Eikenott.

Mobiliar Kunde Dieter Gisiger (59) ist nicht irgendein Mieter in Eikenott. Und Eikenott ist nicht irgendein Quartier. Eingebettet zwischen Genfersee und steilen Weinbergen, entstand in der Gemeinde Gland vor sechs Jahren das erste Ökoquartier der Romandie. Gisiger war zu Beginn der 2000er-Jahre als Gemeinderat für die Raumplanung zuständig und somit von Anfang an in die Quartierentwicklung einbezogen. Da lag es auf der Hand, dass er im Mai 2013 eine der ersten Wohnungen bezog, die auf den Markt gekommen sind.

Die damals grösste Baustelle im Kanton Waadt bescherte Gland auf einen Schlag hochwillkommene 500 neue Wohnungen. Zwischen 1990 und 2005 stieg die Einwohnerzahl fast um die Hälfte. Heute wohnen rund 13 000 Menschen in der Ortschaft zwischen Genf und Lausanne, 1200 davon in der Siedlung Eikenott. Die Mobiliar war Mitinvestorin und ist heute Besitzerin von 3 der 21 Gebäude.

Hohe Lebensqualität

Was bedeutet es, in einem Quartier zu leben, das sich dem nachhaltigen Wohnen verschrieben hat? «Eikenott ist etwas für Menschen, für die Gemeinschaftsdenken und Ökologie keine Fremdwörter sind», erklärt Gisiger. Das fängt damit an, dass das Quartier autofrei ist, dafür über 800 gedeckte Veloabstellplätze verfügt. Seine Einkäufe erledigt man hier nach Möglichkeit zu Fuss. Beim Einzug gibt’s für alle neuen Mieter einen Einkaufswagen – der Detailhändler ist gleich um die Ecke und in die Siedlung integriert. Ebenso wie eine Kinderkrippe, eine Arztpraxis, mehrere Recyclingstellen, zwei Bushaltestellen  und viel Grünfläche – Familiengärten inklusive. «Die Lebensqualität ist hoch», betont Gisiger.

Wer trotzdem nicht gänzlich aufs Auto verzichten will, dem steht ein Parkhaus am Quartierrand zur Verfügung. Das oberirdische Parking dient auch umweltfreundlichen Zwecken: Es ist mit einer Fotovoltaikanlage und Solarpanels ausgestattet, die zur Warmwasseraufbereitung genutzt werden.

Gut für Umwelt und Portemonnaie

Energieeffizienz ist ein zentraler Bestandteil der «Eikenott-Philosophie». Alle Gebäude wurden nach Minergie-ECO Standard gebaut. «Der Wärmebedarf ist entsprechend tief, was sich in einer niedrigen Nebenkostenabrechnung niederschlägt», sagt der studierte Elektroingenieur. Er weiss, wovon er spricht: Der gebürtige Baselbieter ist Geschäftsführer des regionalen Energieverteilers SEIC, der Eikenott mit Energie versorgt. 85 Prozent stammen aus erneuerbaren Quellen: Fernwärme mit Holzschnitzel aus der Region und Solarstrom. «Kommt das Geothermie-Projekt im nahe gelegenen Vinzel zum Fliegen, könnten es ab 2020 gar 100 Prozent sein.» Das würde wohl auch den WWF International – mit Sitz in Gland – freuen.

Eine nachhaltige Bauweise ist das eine, der sparsame Umgang mit Energie das andere. Zur Sensibilisierung ihrer Bewohner ist jede Wohnung mit einem kleinen Bildschirm ausgestattet, der den aktuellen Wasser- und Stromverbrauch anzeigt. «Auf diesem Screen kann ausserdem die Raumtemperatur geregelt werden.» Den gleichen Service gibt’s auch auf einer Smartphone-App.

Energieeffizienz war Gisiger schon immer ein grosses Anliegen. «Man sollte generell mehr von passiven Energiequellen profitieren. Zum Beispiel bei Einfamilienhäusern die Südseite für grosse Fensterfronten nutzen und so die Sonnenwärme aufnehmen. Diese Energie ist gratis und hilft, Heizkosten zu sparen.»

Autor: Jürg Thalmann
Fotografin: Iris Stutz