«Mir gefällt der Stil der 50er-Jahre»

Er ist Versicherungsberater auf der GA Chur und hat eine grosse Leidenschaft: Vespas. Jörg Schlegel (36) über seine Liebe zum italienischen Kult-Roller, Detektivarbeit und das Schwelgen in der Vergangenheit.

Woher kommt Ihre Leidenschaft für die Vespa?

Die geht zurück auf eine Kindheitserinnerung. Ich war 5-jährig. Vor unserem Haus in Chur stand immer eine alte Vespa. Auf der bin ich oft rumgeklettert. Die schönen runden Formen und die vielen Fächer, in denen man Sachen verstecken konnte, haben mich fasziniert.

Wann haben Sie Ihre erste Vespa gekauft?

Ich war 15 und hatte noch nicht mal den Führerausweis. Es war eine Vespa PK 50. Ich habe sie für 600 Franken von einem Bekannten gekauft. Das Geld habe ich mir mit einem Ferienjob verdient. Ich habe sie noch immer.

Wie viele Roller haben Sie heute?

Im Moment sind es etwa 30. Sie stehen in meiner Werktstatt. Das ist für mich eine Oase der Ruhe. Dort restauriere ich meine Vespas, suche auf der ganzen Welt nach Ersatzteilen und reise in eine Zeit, in der Alltagsstress noch nicht so präsent war.

Sie haben ein Faible für die Vergangenheit.

Ja. Wäre ich nicht Versicherungsberater geworden, dann vielleicht Historiker. Mich faszinieren vor allem die 40- bis 60er-Jahre. Und zwar nicht nur die Vespas. Auch Mode, Architektur und Autos aus dieser Zeit. Man schenkte den Dingen damals viel Aufmerksamkeit. Alles hatte mehr Stil als heute. Das gefällt mir.

Was treibt Sie an?

Ich will die Geschichte der Vespas erhalten und sie wieder auf die Strasse bringen. Ich belasse sie wenn möglich im Originalzustand und restauriere sie nicht von Grund auf. Das würde ihnen den ganzen Charme nehmen. Ein kleiner Kratzer im Lack oder ein Aufkleber auf dem Schutzblech zeigen, dass dieses Fahrzeug eine Geschichte hat. Für die Ersatzteile ist manchmal richtige Detektivarbeit gefragt. Vieles finde ich in Italien; aber ich habe auch schon Ersatzteile in den USA, Uruguay oder England aufgespürt.

Haben Sie eine Lieblingsvespa?

Ja, eine Vespa 98 aus dem Jahr 1947. Eine der allerersten Vespas überhaupt. Gemeindearbeiter haben sie bei Aufräumarbeiten im Wald gefunden. Sie war in einem desolaten Zustand, ohne Motor. Über Umwege ist sie zu mir gelangt. Jeder Spengler, den ich kontaktierte, winkte ab. Da sei wirklich nichts mehr zu machen. Die Vespa stand dann zehn Jahre in meiner Werkstatt. Irgendwann habe ich dann doch mit der Restaurierung begonnen. In Italien habe ich einen Motor gefunden, Teile nachfertigen lassen und alles in Stand gesetzt. Von der Rahmennummer her ist es wahrscheinlich die älteste Vespa mit Schweizer Papieren.

Fahren Sie die Vespas eigentlich auch?

Klar! Kürzlich habe ich mit einer Vespa von 1952 eine 4-Pässe-Tour gemacht. Und Beat Schlatter fährt im Film «Mein Name ist Eugen» eine 3-Rad-Vespa (APE) von mir.