Gastronomin Sandra Sanglard: Richtungswechsel aus Leidenschaft

Im Gastgewerbe zu arbeiten, ist kein Zuckerschlecken. Davon liess sich Sandra Sanglard jedoch nicht abschrecken, als sie sich beruflich neu orientierte. Weshalb dieser Richtungswechsel? Ganz einfach: aus Leidenschaft.

Sandra Sanglard kann auf ihren Freund und ausgezeichneten Koch – Stefano Fazio – zählen.

Das Restaurant von Sandra Sanglard befindet sich im dritten Stock eines Gebäudes in einer Gewerbezone von Marin bei Neuchâtel. TerzoPiano heisst denn auch ihr Betrieb. Das Restaurant entführt den Gast in eine andere Welt. Eine erste Terrasse bietet Ausblick auf die Rebberge und den Chasseral, von einer zweiten aus sieht man auf den Neuenburgersee. Es herrscht eine warme, mediterrane Atmosphäre.

«Da steckt alles drin, was ich habe»

«Willkommen in meinem Reich! Da steckt alles drin, was ich habe», sagt Sandra Sanglard voller Elan. Nicht nur hat sie ihre zweite Säule in die Realisierung ihres Traums investiert, sondern auch ihre Energie, Leidenschaft und Liebe für gute Produkte sowie viel Zeit. Wer im Gastgewerbe bestehen will, achtet nicht auf die Zeit.

Lebendige Jugenderinnerungen

Dass sich Sandra Sanglard mit 44 beruflich radikal neu ausgerichtet hat, kommt nicht von ungefähr. Ein Restaurant zu führen, weckt starke Erinnerungen an ihre Jugend. Während ihrer Ausbildung zur Kosmetikerin arbeitete sie bereits im Gastgewerbe. Und blickt sie noch weiter zurück, kommen bei der Gastronomin mit portugiesischen Wurzeln nostalgische Gefühle hoch – schöne Erinnerungen an die Sommer im Westen der iberischen Halbinsel. Ihr Onkel führte dort ein Restaurant mit Bar, und die kleine Sandra verbrachte viel Zeit bei ihm.

Unternehmerin durch und durch

Sandras Sanglards beruflicher Weg führt sie jedoch zunächst in die Kosmetikbranche, die ihr am Herzen liegt. Nach Abschluss ihrer Ausbildung arbeitet sie zuerst in einem Salon, im Jahr 2004 eröffnet sie ihr eigenes Institut. Durch und durch Unternehmerin, beschäftigt sie eine Angestellte und eine Lernende. Sie sieht sich jedoch nicht für immer in dieser Branche. Mit den Jahren macht sich Erschöpfung breit, und auch die Beine und der Rücken melden sich. Das veranlasst Sandra Sanglard zu einer Weiterbildung. Berufsbegleitend erlangt sie ein Diplom als HR-Assistentin.

Der Wink des Schicksals

Aber nun gibt das Schicksal Sandra Sanglard – die schon lange davon träumt, ein Restaurant zu eröffnen – einen Wink. Der Mieter einer Gewerbefläche, die ihrem Freund Stefano Fazio gehört, löst seinen Vertrag früher auf als erwartet. Dieses Zeichen des Himmels bringt sie zum Handeln. Ein Hindernislauf beginnt. Das Restaurant muss in ehemaligen Büroräumen eingerichtet werden. Sandra Sanglard zieht einen Architekten und einen Designer bei – das Resultat gibt ihr recht. Weiter braucht es eine Marktanalyse, ein Budget, eine Betriebsbewilligung, Kurse bei GastroSuisse und ein Hygienekonzept. Es geht Schlag auf Schlag bis zur Eröffnung am 15. August 2016.

Eine schwierige Entscheidung

Sandra Sanglard bricht es fast das Herz, ihren Kosmetiksalon verkaufen zu müssen, hatte sie doch ursprünglich gehofft, beide Berufe gleichzeitig ausüben zu können. Es gilt jedoch nun, sechs Angestellte zu führen. Unterstützt von einer Anwältin und einer Treuhänderin, kann sie sich ganz ihrer Kundschaft widmen, die schon bald den authentischen Charakter des Lokals zu schätzen weiss. Aber Sandra Sanglard wäre nicht sie selbst, wenn sie sich nun zufriedengeben würde. Sie fasst bereits Neuerungen ins Auge, mit denen sie zusätzliche Kundschaft gewinnen und verwöhnen kann.