Cyberschutz: reale Gefahren einer virtuellen Welt

Missbrauch von Kreditkarten und Onlinekonten, Datenverlust und Verletzung der Persönlichkeitsrechte: Cyberrisiken haben viele Namen. Sicherheit im digitalen Zeitalter ist das A und O. 

Die vernetzte Welt erleichtert den Alltag: Auf dem smarten Fernsehgerät befinden sich die schönen Ferienfotos oder die süssen Taufvideos der Kinder. Mit der Kreditkarte kauft man bequem vom Sofa aus den neuen intelligenten Kühlschrank. Und der weiss auch, wann die Milch knapp wird – dank Chipsteuerung. Praktisch! Aber alles was am Netz ist, kann gehackt werden. In diesem Fall: Fotos weg, Videos weg, fremde Abbuchungen auf der Kreditkarte, und der clevere Kühlschrank verschickt plötzlich unerwünschte Nachrichten – Spam-Mails. 

Bewusstsein in der Bevölkerung steigt – das Risiko auch

Mit seinen Enthüllungen über die globalen Überwachungs- und Spionagepraktiken von Geheimdiensten brachte der US-amerikanische Whistleblower Edward Snowden 2013 das Thema Internetsicherheit ins Bewusstsein der breiten Bevölkerung. Seitdem berichten Medien fast täglich über verschiedene Formen von Diebstahl und Verlust von Daten. Die Internetkriminalität wächst. Das bestätigen die vielen Meldungen von Privatpersonen bei Schweizer Bundesstellen wie der Melde- und Analysestelle Informationssicherung Melani oder der Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität Kobik. Allein bei Kobik gingen bereits 2014 über 10 000 Verdachtsmeldungen ein. Nur ein Jahr später gab es 11 575 Meldungen von verdächtigten Internetinhalten. 
Tendenz steigend.

Es ist schwieriger geworden, Cyberangriffe zu entdecken: Geräte können teils monate- oder jahrelang infiziert sein, ohne dass es der Anwender merkt. «In den 80er- und 90er-Jahren machten sich Virenangriffe noch optisch bemerkbar.  Da wanderten dann plötzlich schwarze Männchen über den Desktop», sagt Michael von Dach, Geschäftsführer von SEC Consult Zürich. Die international tätige Firma stellt das europaweit grösste Team an White-Hat-Hackern. Diese sogenannten «guten» Hacker (Weiss-Hüte) greifen im Auftrag Firmen an, um deren Schwachstellen aufzuspüren. Ganz im Gegensatz von Black-Hats (Schwarz-Hüte), die mit krimineller Absicht handeln. Vermehrt führt SEC Consult auch Sensibilisierungskurse für Firmen zum privaten sicheren Umgang mit dem Internet durch. Das Bedürfnis danach wächst. 

Gängiger Schutz

Im Internet tummelt sich der Einbrecher der Moderne. Die Diebe müssen dabei nicht einmal physisch vor Ort sein. 3,4 Milliarden Menschen haben die Möglichkeit, auf Schweizer Computer zuzugreifen. Auch ungewünscht. Deshalb dürfen Privatanwender neben den vielen Chancen auch die Gefahren des Internet nicht vergessen. Es gibt keine absolute Sicherheit, denn das Feld der Angreifer wird immer grösser, ihre Vorgehensweise kreativer. Aber es gibt Möglichkeiten, Datendieben das kriminelle Handwerk zu erschweren. Der Privatanwender kann auf die gängigen Schutzmassnahmen setzen: Antiviren-Programme, Firewalls, Windows- und Software-Updates sowie eine kluge Passwortwahl. «Wörter wie Ananas, Banane oder das Geburtstagsdatum sind zu leicht zu knacken. Ein gutes Passwort besteht aus Gross- und Kleinschreibung, Sonderzeichen. Und es muss mindestens 10 bis 12 Zeichen haben, je länger, desto besser», rät der Spezialist Michael von Dach. 

Augen auf, heisst es auch bei Gratisprogrammen im Netz. Dort lauern oft versteckte Schadprogramme. Diese Trojaner breiten sich dann auf PCs oder Handys aus. Oder auf anderen intelligenten Gegenständen: Im Jahr 2014 gehörte mindestens ein Kühlschrank zu einem Netzwerk, das über Wochen lang rund 750 000 Spam-Mails an Internetnutzer verschickt hatte. Und Mitte 2016 hackten Angreifer schätzungsweise 100 000 Haushaltsgeräte.

Jeder kann Opfer werden

Michael von Dach und seine Kollegin Katja Nikolic reden Klartext: «Jeder kann jederzeit und auf jedem internetfähigen Gerät Opfer einer Cyberattacke werden. Doch das Bewusstsein darum kommt meist erst, wenn es zu spät ist.» Grosse Aufmerksamkeit müssen Privatanwender auch ihren Social-Media-Aktivitäten auf Facebook und Co. widmen. Identitätsdiebstahl und unerlaubtes Verwenden von Fotos und Videos sind hier an der Tagesordnung – still und heimlich. Das kann schlimmstenfalls sogar den Ruf ruinieren. 

Soziale Netzwerke, das Smartphone oder eben auch der intelligente Kühlschrank digitalisieren das Leben. Die zunehmende Vernetzung von Geräten macht Privathaushalte aber auch verletzlich. «Vorbeugen ist alles! Denn der finanzielle Schaden kann enorm sein, wenn es einen trifft. Ein ausreichender Versicherungsschutz kann aber wenigstens diesen Schaden etwas dämpfen», ist Katja Nikolic überzeugt.

Autorin: Leilah Ruppen
Fotograf: Andreas Schwaiger