20 Jahre Scout24: Verrückte Ideen setzen sich durch

Weil sein Arbeitgeber nichts davon wissen wollte, hat Daniel Grossen den Job quittiert und das Start-up AutoScout24 gegründet. Heute, 20 Jahre später, ist das Onlineportal die Drehscheibe für den Handel mit Neuwagen und Occasionen. 

Am Anfang hielten ihn alle für verrückt. Das war Mitte der 1990er-Jahre, als Daniel Grossen (52) den karriereträchtigen Job in einem globalen IT-Unternehmen aufgab, um seine Vision umzusetzen: Autokäufer und -verkäufer auf einem Onlinemarktplatz zusammenzubringen. Grossen schrieb in seiner Wohnung an Computerprogrammen und Businessplänen, klapperte Garage um Garage ab, leistete Überzeugungsarbeit für das noch wenig bekannte Medium Internet. 

Harte Startphase

Ursprünglich wollte Grossen die Sache gar nicht selbst als Start-up durchziehen. «Ich hatte meinem Arbeitgeber von der Idee erzählt», sagt er. Doch der wollte nichts davon wissen. Ein Szenario, das sich auch bei potenziellen Investoren wiederholte. «Auf mich hat niemand gewartet, es war eine harte Zeit», sagt der Berner. Dennoch lancierte er das Onlineportal AutoScout24. Für ihn war klar, dass der Kleinanzeigenmarkt eines Tages aus den Zeitungen verschwinden und online geführt würde. 

Dieser Tag ist längst gekommen, der Anzeigenmarkt wurde auf den Kopf gestellt. Heute wird ein Grossteil der Neuwagen und Occasionen online über AutoScout24 verkauft, 45 000 monatlich. Und Daniel Grossen ist einer der erfolgreichsten Internetpioniere der Schweiz. 

«Weil ich hartnäckig war», sagt er. Viele Start-ups würden zu früh aufgeben. «Wenn eine Idee gut ist, macht es einfach ein anderer.» Kurz nach AutoScout24 folgte ImmoScout24, um Vermieter und Mieter, Immobilienverkäufer und -käufer zusammenzubringen. Danach kamen MotoScout24 und der Kleinanzeigenmarktplatz anibis.ch. So ist aus dem Start-up ein ganzes Netzwerk von Onlinemarktplätzen geworden, über das vom Campingstuhl bis zum Mehrfamilienhaus alles ver- oder gekauft werden kann. 

2007 hat Daniel Grossen Scout24 verkauft. Und seit 2016 gehört das Unternehmen mit Sitz im freiburgischen Flamatt je zur Hälfte Ringier Digital und der Mobiliar. Der Gründer ist heute Verwaltungsrat und berät das Unternehmen weiterhin strategisch. 

Mit Wettkampfmentalität

«Daniel Grossen bleibt ein Visionär, er hilft uns zu fokussieren», sagt der jetzige CEO Olivier Rihs (48). Auf den Lorbeeren ausruhen will und kann sich Scout24 nicht. «The winner takes it all», sagt Rihs. Es sei wichtig, die Nummer eins zu bleiben. Sein Konzept dazu? Die richtige Einstellung! Es brauche neugierige Mitarbeitende mit Wettkampfmentalität. «Ideen müssen schnell auf den Markt, auch wenn sie noch nicht perfekt sind.» Ein Ansatz, der bei den rund 230 Mitarbeitenden an-kommt: 2016 wurde Scout24 mit dem Label «Great Place to Work» ausgezeichnet und landete in den Top 3 der besten (mittelgrossen) Arbeitgeber der Schweiz.

«Das Potenzial von Scout24 ist noch lange nicht ausgeschöpft», sagt Olivier Rihs. Er und Daniel Grossen haben noch viele verrückte Ideen. 

Autorin: Patricia Blättler
Fotograf: Olivier Messerli

Scout24 und die Mobiliar

50 Prozent der Scout24 Schweiz AG gehören seit 2016 der Mobiliar. Diese Beteiligung ist eine Investition in ein profitables, rasch wachsendes Geschäft. Dazu kann die Mobiliar viel von diesem digitalisierten Unternehmen für die Zukunft lernen. «Im Gegenzug lernen wir von der in der Schweiz stark verankerten Mobiliar», sagt Scout24-CEO Olivier Rihs.