Kunst & Nachhaltigkeit Vol. 8

digital, real – Wie die Kunst zwischen Welten surft

Welche neuen Chancen und Perspektiven ergeben sich also aus der Digitalisierung?
Die Mobiliar zeigt Werke von vierzehn Künstlerinnen und Künstlern, die sich auf unterschiedliche und überraschende Weise mit digitalen und virtuellen Wirklichkeiten beschäftigen.

Die Digitalisierung und totale Vernetzung als vierte industrielle Revolution wird unseren Alltag markant verändern. Telefonnummern können wir uns schon lange nicht mehr merken, Apps gibt es bald für alles, aufwendige Recherchearbeiten erledigen intelligente Suchmaschinen und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis unser Auto seine Reifen selber wechselt. Roboter sind überall auf dem Vormarsch. Digitalisierung, kognitive Systeme, künstliche Intelligenz: Das sind brennende Themen unserer Zeit.

Können Computer wirklich alles besser als wir? Werden uns die Roboter in Zukunft gar die Jobs wegnehmen? Oder können wir im digitalen Zeitalter unsere Individualität und den persönlichen Umgang miteinander sogar noch ausbauen, stärken, verbessern?

Vielleicht ist es so, wie es die Physikerin, Psychologin und Innovationsexpertin Karin Vey in unserem «WAS-WENN-Film»  zum Thema «Künstliche Intelligenz und Robotik» formulierte: «Was wir tun müssen, ist wirklich zu entscheiden, in welcher Welt wir leben wollen. Und dazu brauchen wir sehr viel kreative Intelligenz, und zwar von einer grossen Anzahl Menschen …».

Kunst & Nachhaltigkeit Vol.8

Die Künstlerinnen und Künstler
 

Timo Baier & Benjamin Marland (DE)

Die Installation von Baier & Marland ermöglicht eine virtuelle Reise durch die Ausstellung. Je weiter die Besucherinnen und Besucher in die Räume vordringen, desto mehr verwandelt sich der Ausstellungsraum in eine dystopische Umgebung und löst sich auf; nur die Kunstwerke bleiben.
Zur virtuellen Ausstellung

Giulia Bowinkel & Friedemann Banz (DE)

Die bewegten Bilder und virtuellen Snapshots des Düsseldorfer Künstlerduos Giulia Bowinkel & Friedemann Banz spielen mit einem Mix aus Raum, Körper, Masse, Farbe und Substanz – sowohl im realen als auch virtuellen Raum. Sie vermitteln die Interaktion zwischen den Welten mittels Mobiltelefon und «Augmented reality (AR)»

Jake Elwes (UK)

Die von Elwes entwickelte KI (künstliche Intelligenz) baut ein neuronales
Netz aus den Informationen von 14,2 Millionen Fotografien und zeigt uns die abstrakte digitale Wahrnehmung, das Unterbewusstsein oder die Kunst der Maschine.

Glaser/Kunz (CH)

Die lebensgrossen «Kinematografischen Skulpturen» von Glaser/Kunz bewegen sich an der Schnittstelle von Realität und Virtualität. Die Lichtfiguren regen uns in einer digitalen Langzeit-Performance dazu an, unsere Wahrnehmung zu reflektieren: Was ist Wirklichkeit, was ist Schein?

Dominic Harris (UK)

Die interaktiven Installationen von Harris thematisieren die Digitalisierung unseres Alltags auf eine ästhetisch reizvolle und spielerische Weise. Es sind künstlerische Interpretationen von Naturphänomenen an der Grenze von Kunst und Interaction Design.

Lauren Huret (CH)

In der Arbeit «Face Swap» macht die junge Genfer Künstlerin die Auslagerung unserer kognitiven Fähigkeiten an die Maschinen sichtbar. Gleichzeitig kommentiert sie unsere Vorstellung vom menschlichen Körper als einem sezier- und optimierbaren Objekt.

Permi Jhooti (UK/CH)

Die in Basel lebende Künstlerin ehemalige Profifussballerin und IT-Spezialistin experimentiert in ihren Arbeiten mit komplexen bildgebenden Verfahren (MRI). Als Grundlage dafür dienen ihr unter anderem menschliche Bewegungsabläufe beim Tanz.

Tatsuo Miyajima (JP)

Für das multimediale Werk «Life (Rhizome) No. 3» hat Miyajima eine neue Generation von intelligenten LED-Platinen entwickelt. Ihr Zählmuster von 1 bis 99 folgt keiner festgelegten Struktur, sondern verändert sich völlig unberechenbar wie ein lebender Organismus.

Bertold Stallmach (CH)

Stallmach ist der Gewinner des «Prix Mobilière 2017». In seinem Kurzfilm «Das Mosaik» untersucht er die möglichen Folgen der Digitalisierung für den Men­schen, mit Fokus auf die Selbstwahr­nehmung und die sich verändernden sozialen Beziehungen.

Ernst Thoma (CH)

Der Schweizer Künstler gewann 2016 mit seinem Video «red line to Howard, Codec 1-2» den «Ernte-Kunstpreis» der Mobiliar: Mithilfe von Programmcodes verfremdet er eine Zugfahrt derart, dass ein digital abstrakter Film aus sich ständig wandelnden, kaum fassbaren Abbildungen von Häusern, Landschaften und Bewegung entsteht.

Victoria Young (UK)

Die in London lebende Künstlerin Young beschäftigt sich mit dem Thema Interface. Ihre Computerinstallation öffnet ein neues Fenster auf dem Screen, in dem die Künstlerin die Aktionen des Computers selber inszeniert bzw. nachspielt. Sie untersucht den unsichtbaren Raum hinter dem Interface als potenziellen Kunstraum.