SMS-Blaster

Achtung, SMS-Blaster!

Wie Betrüger:innen über Fake-Mobilfunkantennen massenhaft Phishing-SMS versenden

Seit Sommer 2025 setzen Betrüger:innen in der Schweiz sogenannte «SMS-Blaster» ein. Damit können sie pro Minute mehrere hundert Phishing-SMS an Smartphones in der Umgebung senden. Erfahren Sie, wie diese Technik funktioniert und wie Sie sich schützen können.

  • Lesezeit: 8 Minuten
  • Letztes Update: Juli 2026
  • Neuer Beitrag

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein SMS-Blaster ist eine tragbare Fake-Mobilfunkantenne, die pro Minute mehrere hundert SMS an die Smartphones in der Umgebung senden kann. Betrüger:innen nutzen die illegalen Geräte, um massenhaft Phishing-SMS zu versenden.
  • Die Phishing-SMS scheinen von Behörden, Banken, der Post oder Paketdiensten zu stammen und setzen Sie unter (Zeit-)Druck. Über Links zu gefälschten Zahlungs- oder Login-Seiten versuchen Betrüger:innen, an Ihre Zugangs- und Kreditkartendaten zu gelangen.
  • Geben Sie keine sensiblen Daten auf einer Website ein, die Sie über einen Link in einer SMS geöffnet haben. Fragen Sie im Zweifelsfall zuerst über eine offizielle Telefonnummer bei der Organisation nach, bevor Sie auf eine SMS-Forderung eingehen.
  • Aktivieren Sie den Spamschutz in den Einstellungen Ihrer SMS-App und deaktivieren Sie 2G in den Netzwerkeinstellungen Ihres Smartphones. Letzteres ist jedoch nicht bei allen Geräten möglich.
Auf dieser Seite

Was ist ein SMS-Blaster?

Ein SMS-Blaster ist ein illegales elektronisches Gerät, das eine echte Mobilfunkantenne simuliert und innerhalb von kurzer Zeit eine grosse Anzahl Phishing-SMS an die Smartphones im Umkreis von mehreren hundert Metern verschickt. Sind Sie in der Umgebung, verbindet sich der Blaster automatisch mit Ihrem Handy, ohne dass die Betrüger:innen Ihre Telefonnummer kennen müssen.

Im Zusammenhang mit SMS-Blastern ist oft auch von «IMSI-Catchern» oder «False Base Stations» die Rede (Fake-Mobilfunkantennen). Die Begriffe «IMSI-Catcher» und «False Base Station» können synonym für eine Fake-Mobilfunkantenne verwendet werden. Zum Verständnis: Nicht jede Fake-Antenne ist automatisch ein SMS-Blaster, aber jeder SMS-Blaster beinhaltet einen IMSI-Catcher bzw. eine Fake-Antenne.

Wie funktioniert ein SMS-Blaster technisch?

Ein SMS-Blaster zwingt Smartphones kurzzeitig ins veraltete 2G-Netz. Dort wird eine bekannte Schwachstelle, die sogenannte «Null-Cipher», ausgenutzt, um Nachrichten ungeprüft zuzustellen. Diese Masche funktioniert, obwohl das 2G-Netz in der Schweiz abgeschaltet ist: Die Täter:innen betreiben sozusagen ihre eigene Antenne und umgehen damit die Schutzfilter der Mobilfunkanbieterinnen.

Wie funktionieren die Betrugsmaschen mit SMS-Blastern?

SMS-Blaster werden fast immer folgendermassen eingesetzt: Die Betrüger:innen transportieren den SMS-Blaster im Kofferraum eines Autos, mit dem öffentlichen Verkehr (Bus, U-Bahn, Zug), auf einem Velo oder zu Fuss durch ein Gebiet mit vielen Menschen, wie zum Beispiel eine Innenstadt oder ein belebtes Quartier. Alternativ positionieren sie den SMS-Blaster an stark frequentierten Orten wie Einkaufsmeilen, Einkaufszentren, Bahnhöfen, Flughäfen oder bei Grossveranstaltungen, wie etwa dem Eurovision Song Contest 2026 in Wien.

Der SMS-Blaster verschickt massenhaft gefälschte SMS, die aussehen, als kämen sie von der Post, einer Bank oder einer Behörde. Über einen Link werden die Opfer auf eine täuschend echt aussehende Phishing-Website gelockt. Wer dort seine Kreditkarten- oder E-Banking-Logindaten eingibt, übermittelt sie direkt an die Betrüger:innen. Diese tätigen anschliessend oft bereits innerhalb von Minuten Zahlungen oder Überweisungen.

Neben Genf und dem Kanton Waadt haben auch die Kantone Zürich, Luzern, Zug, Tessin sowie beide Basel Vorfälle mit SMS-Blastern bestätigt.

Kanton Genf, Sommer 2025 (erster dokumentierter SMS-Blaster-Fall in der Schweiz): Betrüger:innen fuhren mit einem SMS-Blaster im Auto durch die Stadt Genf und versendeten im Namen von Behörden Phishing-SMS zu einer angeblichen Parkbusse, die einen Link auf eine gefälschte Zahlungs-Website enthielten. Laut der Genfer Staatsanwaltschaft verloren insgesamt 154 Geschädigte rund 1,9 Millionen Franken. Das entspricht durchschnittlich 12 000 Franken pro geschädigter Person.

Das SMS enthielt eine kurze Zahlungsfrist sowie die Androhung von Mehrkosten, falls die Busse nicht bezahlt wird. Über die gefälschte Zahlungswebsite griffen die Betrüger:innen die E-Banking-Zugangsdaten der Opfer ab. Anschliessend meldeten sie sich telefonisch bei den Opfern und gaben sich als Bankmitarbeitende aus. Sie informierten die Opfer vermeintlich über verdächtige Abbuchungen auf ihrem Konto und verleiteten sie so zur Freigabe weiterer Überweisungen. Hier geht es zur Reportage von Kassensturz über SMS-Blaster.

Kanton Waadt, Sommer und Herbst 2025: Betrüger:innen wendeten dieselbe Masche wie in Genf an. Sie versendeten Phishing-SMS, die Zahlungsaufforderungen von Behörden für angeblich offene Parkbussen imitierten. Dadurch verloren etwa 40 Personen insgesamt rund 260 000 Franken.

Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft, Oktober 2025: Am 14. Oktober 2025 erhielten rund 100 000 Mobiltelefone im Raum Muttenz BL Phishing-SMS, die angeblich von der Post, der UBS, der Migros oder einer Behörde stammten. Der Täter konnte noch am selben Tag mit dem SMS-Blaster im Kofferraum festgenommen werden. Die Staatsanwaltschaft machte keine Angaben zur Anzahl der Geschädigten und zur Schadenssumme.

Kantone Tessin und Zürich, Oktober 2025: Am 23. Oktober 2025 wurde ein SMS-Blaster zunächst in Agno (TI) und anschliessend in Zürich eingesetzt. Die Phishing-SMS gaben vor, vom Paketdienst DPD oder der Schweizerischen Post zu stammen. Der Täter konnte in Zürich verhaftet und inzwischen verurteilt werden.

Mit der Cyberversicherung der Mobiliar sind Sie auf der sicheren Seite

Die Cyberversicherung der Mobiliar ist für Sie da, wenn Sie Opfer von Phishing werden. Erfahren Sie mehr zur Cyberversicherung oder berechnen Sie direkt und unverbindlich Ihre Versicherungsprämie. Entscheiden Sie danach in aller Ruhe.

Wie erkenne ich betrügerische SMS von SMS-Blastern?

Phishing-SMS können den gleichen Absender wie legitime SMS dieser Organisation haben (siehe auch SMS-Spoofing). Deshalb können sie auf Ihrem Handy sogar im offiziellen SMS-Verlauf mit dieser Organisation erscheinen. Seien Sie deshalb generell vorsichtig, wenn Sie unerwartet SMS mit einem Link erhalten.

Fragen Sie die Menschen in Ihrer Umgebung, ob auch sie ein verdächtiges SMS erhalten haben. Wenn ja, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen SMS-Blaster-Angriff. Prüfen Sie, ob die Empfangszeitpunkte der SMS ungefähr übereinstimmen.

Wenn nicht, erkennen Sie Phishing-SMS inhaltlich an den folgenden Merkmalen:

  • Das SMS ist angeblich von einer vertrauenswürdigen Organisation.
  • Die Nachricht macht Druck und weist auf einen dringenden Handlungsbedarf hin.
  • Sie sollen über einen Link eine Zahlung tätigen oder Daten eingeben.
  • Typische Vorwände: Parkbusse, Paketzustellung, Bankmeldung, Kontosperrung 

Mehr zu SMS-Phishing

Wie kann ich mich vor Betrug mit SMS-Blastern schützen?

Aktivieren Sie auf Ihrem Smartphone den Spamschutz für SMS und deaktivieren Sie den 2G-Standard:

Android-Geräte: Den Spamschutz sollten Sie in den Einstellungen Ihrer Nachrichten-App aktivieren können. Ab Android 12 können Sie bei Android-Geräten ausserdem in den Einstellungen unter Netzwerk & Internet > SIMs den 2G-Standard pro SIM-Karte deaktivieren, damit sich Ihr Smartphone gar nicht erst mit einem SMS-Blaster verbinden kann. Die genaue Bezeichnung kann je nach Herstellerin abweichen. Bei Samsung Modellen sollten Sie unter Verbindungen > Mobile Netzwerke > Netzwerkmodus einen Modus ohne 2G auswählen können.

iPhones: Bei iPhones finden Sie den Spamschutz unter Einstellungen > Nachrichten > Unbekannt & Spam > Unbekannte Absender filtern. Den 2G-Standard können Sie bei iPhones jedoch nicht deaktivieren, ohne dass es zu Funktionseinschränkungen kommt. Die Aktivierung des sogenannten «Lockdown Mode» oder «Blockierungsmodus» würde Sie im Alltag zu sehr einschränken und ist daher zum Schutz vor SMS-Blastern nicht empfehlenswert.

Klicken Sie generell nicht auf Links in SMS, die Sie zu einer Zahlung oder einer Dateneingabe auffordern, selbst wenn die Nachricht in Ihrem SMS-Verlauf mit Ihrer Bank, der Post oder einer Behörde erscheint. Fragen Sie im Zweifelsfall über einen offiziellen Kanal, wie zum Beispiel der Nummer des Kundenservice zuerst bei der betreffenden Organisation nach, bevor Sie einer solchen SMS-Aufforderung nachkommen.

Seien Sie misstrauisch, wenn Sie einen Anruf erhalten, in dem Sie angeblich Ihre Bank oder die Polizei beispielsweise auf Unregelmässigkeiten auf Ihrem Konto oder einen Cyberangriff hinweisen möchte. Die angezeigte Nummer könnte gefälscht sein. Hängen Sie einfach auf und rufen Sie die Organisation auf der offiziellen Nummer zurück. Geben Sie am Telefon keine sensiblen Daten preis. Mehr zu Phishing am Telefon

Fragen & Antworten

E-Banking-Zugangsdaten: Wenn Sie Ihre E-Banking-Zugangsdaten auf einer Phishing-Website eingegeben haben, kontaktieren Sie umgehend den Support Ihres Finanzinstituts über die offizielle Telefonnummer und lassen Sie Ihr Konto sperren. Sollte Ihr Finanzinstitut nicht erreichbar sein, versuchen Sie, eine Kontosperrung zu erreichen, indem Sie mehrmals eine falsche PIN eingeben.

Kreditkartendaten: Falls Sie Ihre Kreditkartendaten herausgegeben haben, können Sie diese über die Notfallnummer auf der Karte sperren lassen.

App oder Fernwartungssoftware: Wenn Sie eine App oder Fernwartungssoftware installiert haben, trennen Sie das Gerät sofort vom Internet, indem Sie den Flugmodus einschalten. So blockieren Sie den Zugriff der Betrüger:innen.

Lassen Sie anschliessend umgehend alle gefährdeten Bankkonten und Kreditkarten über ein anderes Telefon sperren. Wenden Sie sich dann am besten an eine spezialisierte IT-Dienstleisterin, um die Schadsoftware ohne Datenverlust von Ihrem Gerät entfernen zu lassen.

Wenn ein finanzieller Schaden entstanden ist, erstatten Sie Anzeige bei der Polizei. Melden Sie den Vorfall ausserdem dem Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) und reichen Sie möglichst viele Beweise ein.

Das kommt auf den Einzelfall an: Wenn Sie eine missbräuchliche Zahlung zum Beispiel in einer App freigegeben haben, erhalten Sie Ihr Geld normalerweise nicht zurück.

Missbräuchliche Kreditkartenzahlungen, die Sie nicht in einer App oder auf eine andere Weise freigegeben haben, können Sie innerhalb von 30 Tagen beanstanden. In diesem Fall erhalten Sie Ihr Geld meistens zurück.

Da die Betrüger:innen sozusagen ihre eigene 2G-Mobilfunkantenne betreiben, können sie die SMS-Firewall des Mobilfunknetzes vollständig umgehen.

Ergänzend zum Spamschutz des Mobilfunknetzes verfügt Ihr Handy in der Regel über einen lokalen Spamschutz, der entweder im Betriebssystem oder in der SMS-App integriert ist. Dieser erkennt Spam-Muster im Text und in der Absendernummer einer SMS und blockiert verdächtige Nachrichten.

Google führt seit Juni 2026 auf Android-Geräten mit moderner Hardware eine «False Base Station Detection» ein. Dieser Schutz analysiert das Verhalten der Funkmasten und unterbricht verdächtige Verbindungen, bevor darüber SMS verschickt werden können.

Ja, das sind aktuelle Fälle zu SMS-Blastern aus dem nahen Ausland:

Auffällig ist, dass es in Deutschland bislang noch keine von offizieller Seite bestätigten Fälle mit SMS-Blastern gibt (Stand 05/2026).

Ja, mindestens in den Kantonen Genf, Basel-Landschaft und Zürich wurden Personen festgenommen.

Die Ermittlungen deuten jeweils auf ein internationales Netzwerk hin. Doch selbst wenn die Schweizer Polizei die Täter:innen mit Hardware auf frischer Tat ertappt, verliert sich die Spur im digitalen Raum meist schnell.

Hat Ihnen dieser Ratgeber geholfen?