ESAF 2025: Der Mann hinter den Schwingern

Titelbild Simon Jampen von der Mobiliar

Das Eidgenössische Schwingfest im Glarnerland begeistert letztes Wochenende die Massen. Einen besonderen Einsatz erlebt Simon Jampen von der Mobiliar in Belp: Der ehemalige Schwinger betreut das Berner Team ein letztes Mal.

Hunderttausende Schwingfans verfolgen in Mollis GL das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF). Die besten 270 Schwinger sind auf den Ringen an der Arbeit und kämpfen um die begehrten Kränze. Neben den Fans leiden am Sägemehlrand auch die Betreuer mit den Schwingern mit. Einen von ihnen, Simon Jampen aus Uttigen, tut das für die Berner Mannschaft. Ihn haben wir am Wochenende begleitet.

Beim Festakt in der Glarnerland-Arena am ESAF werden die Schwingerwerte gefeiert.

Der Motivator

Samstagmorgen, gleich werden die Schwinger in die grösste temporäre Arena der Welt mit über 56 000 Plätzen einlaufen. Noch befinden sie sich in den Garderoben. Aus einem grossen, nackten Zelt hat das Betreuerteam des Bernisch Kantonalen Schwingerverbandes (BKSV) in den Tagen vor dem ESAF eine heimelig wirkende Stube für die 63-köpfige Mannschaft zusammengebaut. Es fehlt an nichts: Hier eine Ecke mit Fitness-Equipment, dort ein Medizinbereich mit Massageliegen, eine Verpflegungsstation, ein grosser Gemeinschaftsraum oder ein Kältebad hinter dem Zelt für die Regeneration. Und, ganz wichtig, die Berner Fahne. Alles ist angerichtet, um den Titel des Schwingerkönigs in den Kanton Bern zurückzuholen.

In der Garderobe des BKSV schwört Simon Jampen die Berner Schwinger auf den Wettkampf ein.

Aus den Musikboxen läuft der epische Filmsong Heart of Courage. Ein Herz voller Mut ist es, was die Berner Spitzenschwinger in den kommenden zwei Tagen brauchen. Sie stehen Schulter an Schulter im Kreis. Simon Jampen tigert mit erhobener Stimme in der Kreismitte herum. «Zusammen sind wir stark. Der Sieg jedes Einzelnen ist ein Sieg für uns alle. Kämpft für euch, für das Team und für den ganzen Kanton», fordert er von den Athleten. Das ist Jampens Hauptaufgabe an diesem Wochenende: einheizen, motivieren und die richtigen Worte finden. Die Ansprache wirkt, das Feuer in den Augen der Berner ist entfacht. Man kann die geladene Energie im Raum förmlich greifen. Die Schwinger wollen jetzt raus ins Sägemehl, jeden aus dem Weg räumen, der sich ihnen entgegenstellt. Das klappt nur bedingt – aber dazu später.

Der Quereinsteiger mit Leidenschaft

Schwingen ist seit seinem 9. Lebensjahr die Leidenschaft von Simon Jampen. Leiden könnte man unterstreichen. Ein halbes Dutzend Mal verletzt sich der 16-fache Kranzschwinger am Knie und zieht mit nur 25 einen Strich unter seine sportliche Karriere. Sein grösster Erfolg ist die Schlussgangteilnahme am prestigeträchtigen Schwarzsee-Schwinget 2013. Er kehrt dem Sport aber nicht den Rücken. Bald darauf zieht es ihn in den Betreuerstab des kantonalen Schwingerverbandes. Seine Aufgaben sind aufwändig: Etwa die Planung und Durchführung regelmässiger Trainings mit den Berner Spitzenschwingern oder die Betreuung an den Wettkampf-Wochenenden.

Umorientiert hat Simon Jampen sich auch beruflich. Den ausgebildeten Schreiner zieht es nach der Lehre ins Büro. Er lässt sich weiterbilden und findet schliesslich seinen Weg zur Mobiliar in Belp, wo er nun seit zehn Jahren tätig ist und den Vertrieb leitet. «Der Bezug zum Schwingen hilft mir bei der täglichen Arbeit. Vor allem in der ländlichen Gegend ist das ein Pluspunkt», sagt der gebürtige Mühledorfer. «Zudem ist es umso schöner, wenn man eine Leidenschaft hat und die Arbeitgeberin diese dermassen unterstützt. Das passt perfekt.» Die Mobiliar ist bereits zum fünften Mal Königspartnerin des «Eidgenössischen» und unterstützt regional diverse Schwingfeste und Athleten.

Der versöhnliche Abschluss

Zurück zum ESAF in Mollis. Nach einem durchzogenen Samstag für seine Berner, folgt am Sonntag die Aufholjagd. Jampen scheint in der Garderobe die richtigen Worte gefunden zu haben. Topfavorit Fabian Staudenmann könnte sich im 7. Gang noch für den Schlussgang qualifizieren. Doch er erhält die gewünschte Note 10 nicht. 

Simon Jampen am ESAF 2025

Mitleiden und Mitfreuen: Das sind die zwei Gefühlswelten von Simon Jampen am ESAF 2025. 

«Wir haben uns aufgeopfert und alles gegeben. Auch wenn wir den Königstitel verpasst haben, ist eines unserer Ziele erreicht: Wir gehen mit 12 eidgenössischen Kränzen als bestes Team nach Hause. Das ist ein versöhnlicher Abschluss für uns, aber auch für mich persönlich», sagt Simon mit heiserer Stimme. Auch Wehmut schwingt mit. Denn, mit dem ESAF im Glarnerland geht sein sechsjähriges Engagement als Betreuer zu Ende. Erneut kommt es zu Veränderungen in seinem Leben. Darauf freut sich der 35-Jährige: «Ich habe nun noch mehr Zeit für meinen kleinen Sohn und übernehme ab 2026 die Agenturleitung der Mobiliar in Münsingen.» Der Leidenschaft fürs Schwingen bleibt Simon treu, sowohl im Vorstand des Schwingklubs Münsingen als auch als Kommentator für Radio Neo1.