Warum Gold immer noch glänzt (2/2025)

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Gold bleibt eine bedeutende Anlageklasse in unsicheren Zeiten. Doch warum ist das so? Und warum steigt der Goldpreis nach wie vor weiter? Das Mobiliar Asset Management erklärts.

Gold hat sich in den letzten Jahren als eine gefragte Anlage etabliert. Seit Anfang 2025 stieg der Goldpreis nochmals rasant an. Während viele Finanzexperten das Edelmetall als überbewertet erachten, investieren Anleger trotz Preisanstieg massenhaft weiter.

Die Grafik zeigt den starken Anstieg des Goldpreises seit anfangs 2024. Lag der Goldpreis anfangs 2024 noch bei rund 1730 Franken je Unze, liegt er zu Ende des zweiten Quartals 2025 bei rund 2620 Franken. Dies entspricht einer Wertsteigerung von leicht über 50%.

Interessant dabei: Die steigende Nachfrage nach Gold ist nicht etwa primär auf private Anleger oder den Schmucksektor zurückzuführen, sondern auf die Zentralbanken. Letztere haben laut jüngster Umfrage des World Gold Council (WGC) in den vergangenen drei Jahren über 1000 Tonnen Gold pro Jahr erworben. Das ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu durchschnittlich 400 bis 500 Tonnen pro Jahr im vorangegangenen Jahrzehnt. Für die Zentralbanken ist Gold eine strategische Anlage: Sie ist ein Inflationsschutz, eine Krisenwährung und ein Diversifikationsinstrument.

Vertrauen in Gold wächst

In der WGC-Umfrage gaben die Zentralbanken an, dass Sanktionen wie der Ausschluss Russlands aus dem Swift-Bankensystem nicht ausschlaggebend für eine Goldinvestition sind. Dennoch erhöhte sich der Anteil der Zentralbanken, die Goldreserven im eigenen Land lagern, von 41 Prozent im Jahr 2024 auf 59 Prozent im Jahr 2025 deutlich. Dies zeigt, dass die instabile Geopolitik und die fehlende finanzielle Stabilität das Vertrauen in Gold stärkt. 

Viele Zentralbanken gehen zudem davon aus, dass der Anteil des US-Dollars als Reservewährung in den nächsten fünf Jahren sinken und der Goldanteil steigen wird. Warum ist das so?

In der Vergangenheit galt die US-Wirtschaft als stabil und vertrauenswürdig, und der US-Dollar sowie US-Staatsanleihen wurden als sicherer Hafen betrachtet. Doch mit aktuell mehr als 36 000 Milliarden US-Dollar Schulden und einer jährlichen Zinslast von über 900 Milliarden US-Dollar sehen sich Kapitalanleger zunehmend einem steigenden Kreditrisiko gegenüber und fordern höhere Risikoprämien.

Geopolitische Ereignisse haben in der Regel keinen signifikanten Einfluss auf die langfristige Marktperformance. Es sei denn, sie beeinflussen makroökonomische Variablen wie Wachstum und Inflation. Eine erneute Eskalation im Konflikt zwischen den USA, Israel und Iran, könnte die Lage verändern. Wäre eine wichtige Verkehrsroute wie die Strasse von Hormus betroffen, könnte der Ölpreis stark ansteigen. Dies wiederum würde die Inflation und mit ihr, die Zinsen anheizen. Es entstünde zusätzlicher Druck auf die bereits bestehende Verschuldung und der Goldpreis würde weiter steigen.

Gold als sicherer Hafen

Deshalb bleibt die Nachfrage nach Gold stabil. Die anhaltenden geopolitischen Spannungen, die steigenden Schulden, die Inflationsrisiken, sowie die Aussicht auf weitere Zinssenkungen in den USA, verstärken das Interesse an Gold als Diversifikationsstrategie für Zentralbanken. In einem zunehmend diversen internationalen Umfeld mit vielen einflussreichen Staaten und unsicherer Weltwirtschaft wird Gold weiterhin als sicherer Hafen und strategische Anlage geschätzt.

Insgesamt deutet alles darauf hin, dass Gold auch in den kommenden Jahren eine zentrale Rolle im Portfolio von Anlegern und Zentralbanken spielen wird, ungeachtet der möglichen hohen Bewertung.

Obligationen

Liniendiagramm, das die Zinsentwicklung von zehnjährigen Staatsanleihen der Schweiz, Deutschland und den USA zeigt. Aktuell beträgt die Rendite auf Schweizer Staatsanleihen rund 0.4 Prozent, die Rendite auf deutsche Staatsanleihen 2.6 Prozent und auf Staatsanleihen der USA erhält man 4.3 Prozent.

Während der 10-jährige Schweizer Swapsatz im März noch den diesjährigen Höchststand von 0.88 Prozent auswies, ist seit Ende März eine Talfahrt der Zinsen an der Tagesordnung. Anfang Mai hat der 10-jährige Schweizer Swapsatz sogar kurzfristig die Marke von 0.30 Prozent geknackt. Denn mit den angekündigten Handelshemmnissen am amerikanischen Liberation Day gingen die Märkte von einer abnehmenden Wirtschaftsdynamik aus. In Kombination mit einer Inflationsrate, welche in der Schweiz erstmals seit vier Jahren wieder den Wert von 0 Prozent erreichte, flammten Erwartungen von negativen Leitzinsen auf, welche die Swapsätze kurzfristig purzeln liessen. Die Erwartungen relativierten sich kurz darauf. Die Finanzmärkte gehen nun davon aus, dass wir uns in Bezug auf die globalen Handelskonflikte auf einem Pfad der Deeskalation befinden. Dementsprechend hat sich der 10-jährige Schweizer Swapsatz mittlerweile in einem Seitwärtsband von 0.35 Prozent bis 0.50 Prozent eingependelt. Risikoreiche Anlagen, repräsentiert durch Kreditprämien, hatten im Vergleich zu den Zinsen eine gegenteilige Entwicklung durchlebt. Sie schnellten am Liberation Day steil nach oben. Seither sinken sie stetig. Die tieferen Niveaus von Ende März wurden jedoch noch nicht wieder erreicht. Die Kombination von rückläufigen Zinsen und sich stabilisierenden Kreditprämien trug dazu bei, dass der Schweizer Anleihenmarkt im zweiten Quartal eine positive Rendite von 0.83 Prozent erzielte.

Aktien

Liniendiagramm, das die Entwicklung der Aktienmärkte in den USA, der Schweiz, Europa, Japan und der Schwellenländer im zweiten Quartal 2025 darstellt. Dazu werden auch die Magnificent 7 dargestellt. Es zeigt den Einbruch anfangs April 2025 aufgrund des «Liberation Day» und die kräftige Erholung bis Ende des zweiten Quartals. Zum Schluss des zweiten Quartals hat der Europäische Aktienmarkt die Nase vorn gefolgt vom Schweizer Aktienmarkt.

US-Präsident Donald Trump verunsicherte die globalen Aktienmärkte durch seine Zollankündigungen am «Liberation Day» vom 2. April. Auf alle Importe wird pauschal ein Zoll von 10 Prozent erhoben. Hinzu kamen länderspezifische «reziproke» Zölle. Besonders betroffen waren nicht nur asiatische Länder, sondern unerwarteterweise auch die Schweiz, die mit angedrohten 31 Prozent Importzoll stärker belastet würde als die EU mit 20 Prozent. Das Manöver löste einen heftigen Einbruch an den Aktien- und Zinsmärkten aus, was wiederum in der Trump-Administration zu einem Umdenken führte: Die reziproken Zölle wurden für alle Länder ausser China für 90 Tage ausgesetzt, um Zeit für «Deals» zu verschaffen. Obwohl konkrete Handelsvereinbarungen auf sich warten lassen, setzten die weltweiten Aktienmärkte zu einer kräftigen Erholung an. Am stärksten war sie in den Sektoren Technologie (Performance im Quartal von +23.0 Prozent), Kommunikation (+18.7) und Industrie (+14.3). Keine Erholung gab es in den Sektoren Energie (-5.8 Prozent) und Gesundheit (-4.4). Kein Wunder also, dass der Schweizer Aktienmarkt mit den schwergewichtigen Aktien Roche, Novartis und Nestlé im zweiten Quartal 2025 ebenfalls schwach abschnitt: es resultierte ein Verlust von -1.6 Prozent. Der beste Europäische Markt war der Deutsche DAX (plus 7.9 Prozent), der die globalen Präferenzen im Quartal (Technologie und Industrie) am besten abbildet. Die Performance des US-Marktes mit +10.9 Prozent in USD ist zwar sehr erfreulich, aus Schweizer Anlegersicht wird das Bild jedoch getrübt durch den Einbruch des US-Dollars (-10.3 Prozent). Woher der anhaltende Risikoappetit kommt, ist nicht so eindeutig festzustellen. Die drei wichtigsten Faktoren dürften aus unserer Sicht die folgenden sein: Erstens zeigt die US-Wirtschaft bis jetzt nur bescheidene Abkühlungstendenzen, zweitens war die Inflation weiter rückläufig und der absehbare Anstieg durch Zölle wird als verkraftbar angesehen, und drittens hat die Zuversicht bezüglich des Megathemas Künstliche Intelligenz wieder deutlich zugenommen.

Aktuelle Positionierung

Die Grafik zeigt die aktuelle Positionierung in den einzelnen Anlageklassen, welche Aktien, Obligationen, indirekte Immobilien, Gold und Liquidität einschliessen, an. Die Positionierung wird mittels Pluszeichen, Minuszeichen oder Gleichzeichen angezeigt. Die aktuelle Positionierung fällt für alle Anlageklassen neutral aus.

Aktuell sind wir über alle Anlageklassen neutral positioniert. Unsere Goldpositionierung haben wir im April neutralisiert. Nach den aktuellen Entspannungen im Nahen Osten liegt der Goldpreis am unteren Ende seines Aufwärtstrends. Trotz kleiner Korrektur scheint Gold noch überbewertet. Das Momentum sieht jedoch nach wie vor stark aus und könnte den Goldpreis weiter nach oben treiben.

Nützliches Anlagewissen

Alles auf einmal oder regelmässig investieren – welche Strategie ist die richtige?

Anlegerinnen und Anleger stehen oft vor der Frage, legen sie ihr Kapital auf einmal oder in Tranchen an? Beide Ansätze haben Vor- und Nachteile.

  1. Einmalige Investition 

Statistisch gesehen schneidet eine Einmalanlage besser ab, denn die Finanzmärkte tendieren dazu, langfristig zu steigen, sodass frühzeitige Investitionen insbesondere aufgrund des Zinseszinseffekts effektiver sind. Die psychologische Komponente spielt bei dieser Entscheidung aber eine ebenso wichtige Rolle. Die Angst davor, einen ungünstigen Zeitpunkt zu wählen, kann dazu führen, dass Sie gänzlich darauf verzichten, anzulegen. In diesen Fall kann es sinnvoll sein, den Betrag über einen festgelegten Zeitraum hinweg in mehreren Tranchen anzulegen und den Durchschnittspreiseffekt zu Ihrem Vorteil zu nutzen.

  1. Regelmässige Investitionen 

Sie sparen während zehn Jahren monatlich einen Betrag an, beispielsweise zweihundert Franken. Es stellt sich die Frage, ob Sie warten, bis Sie einen grösseren Batzen angespart haben, den sie anschliessend anlegen. Oder ob sie den monatlichen Sparbetrag sofort anlegen, um vom Durchschnittspreiseffekt zu profitieren. In diesem Fall lautet die Empfehlung klar: Beginnen Sie mit regelmässigen Investitionen. Durch diese konsequente Strategie können Sie langfristig einen attraktiven Durchschnittspreis erzielen und früher vom Zinseszinseffekt profitieren.

Die Varianten im Vergleich 

Über den Zeitraum von Anfang 2015 bis Ende 2024 erzielte eine Einmalanlage von 24 000 Franken im Schweizer Aktienmarkt (SPI) eine um rund 10 000 Franken höhere Rendite als regelmässige Investitionen von monatlich 200 Franken. Denn der Zinseszinseffekt konnte von Anfang an effektiv auf den Gesamtbetrag wirken.

Die Grafik zeigt die Entwicklung des Kapitals bei monatlichen Investitionen im Vergleich zu einer Einmalanlage im Schweizer Aktienmarkt (SPI) von 2015 bis 2024. Das Startkapital wird mit einem Betrag von CHF 24’000 angegeben. Das Endkapital bei monatlichen Investitionen liegt bei CHF 31'888, während das Endkapital bei einer Einmalanlage CHF 41'926 beträgt.

Welche Strategie ist die richtige?

Der Zinseszinseffekt macht es effektiver, einen grösseren Betrag auf einmal anzulegen. Dies erfordert jedoch Disziplin, die Fähigkeit, temporäre Rückschläge auszuhalten, sowie einen angemessenen Anlagehorizont und die nötige Liquidität, damit das investierte Kapital nicht dringlich benötigt wird. Psychologisch gesehen, kann es einfacher sein, regelmässige Investitionen zu tätigen, um vom Durchschnittspreis zu profitieren – auch wenn dies möglicherweise auf Kosten der erzielten Rendite geht.

Die Wahl der Strategie hängt somit von Ihrer persönlichen Situation ab.

Autor

Philippe Bonvin

Philippe Bonvin

Lei­ter Portfolio Management