Anlegen in unsicheren Zeiten (1/2025)

Donald Trumps disruptive und unkonventionelle Diplomatie sorgt für Unsicherheit und Volatilität an den Finanzmärkten – eine anspruchsvolle Situation für Vermögensverwalter. Das Mobiliar Asset Management erklärt, worauf es in turbulenten Börsenzeiten ankommt.
Zölle, Handelsbeschränkungen, unkonventionelle diplomatische Initiativen – es bleibt schwer abzuschätzen, wie lange die Massnahmen der amerikanischen Regierung dauern. Sind sie kurzfristig, um die Verhandlungsposition der USA zu stärken? Oder führen sie zu einem langen Handelskonflikt, der das globale Wachstum verlangsamt und einige Länder in eine Rezession stürzt?
In Zeiten hoher Unsicherheit ist es für Anlegerinnen und Anleger von entscheidender Bedeutung, eine klare Anlagephilosophie zu verfolgen und so durch diesen Rauch und das Feuer hindurchzusehen.
Die Anlagephilosophie ist das Fundament für erfolgreiches Anlegen. Jeder von uns handelt in seinem Leben nach bestimmten Werten, die seine Einstellungen und Verhaltensweisen beeinflussen. Auch beim Anlegen spielen Werte und Überzeugungen eine zentrale Rolle. Diese sind in unserer Anlagephilosophie verankert und prägen unsere Anlagen entscheidend – insbesondere in der Art und Weise wie wir Risiken einschätzen und Chancen wahrnehmen.
Die Mobiliar Anlagephilosophie
Wir setzen auf 'Sicherheit vor Rendite', auf “aktives und verantwortungsvolles Anlegen”, “Fokus auf Qualität” und ein “proaktives Risiko Management”. Doch was bedeutet das konkret?

Sicherheit vor Rendite
Wir sind überzeugt, dass ein langfristiger Anlageerfolg nur erreicht werden kann, wenn wir Sicherheit über das Streben nach kurzfristigen Renditen stellen. Durch die Konstruktion stabiler Portfolios und die Vermeidung unüberlegter Risiken, können wir erhebliche Kursverluste verhindern und langfristig einen Mehrwert für unsere Kundinnen und Kunden erzielen. In einigen Fällen bedeutet dies, dass wir auf vermeintlich attraktive Anlageopportunitäten verzichten, wenn die Risiken zu hoch sind. So verzichten wir beispielsweise auf Kryptowährungen. Diese versprechen zwar hohe Renditen, bergen aber signifikante Risiken.
Aktives & verantwortungsvolles Anlegen
Unsere Portfolios werden aktiv entlang des Wirtschaftszyklus verwaltet. Euphorie und Panik bieten Opportunitäten an den Finanzmärkten. Diese gehen wir nur ein, wenn das Risiko verhältnismässig ist und es einen Mehrwert verspricht.
Ebenso legen wir grossen Wert auf verantwortungsvolles Anlegen. So berücksichtigen wir in unserem Selektionsprozess Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien, führen Ausschlusslisten und fokussieren uns auf Unternehmen, die ihre C02-Emissionen über die Zeit senken. Auch nehmen wir unsere Stimmrechte wahr und setzen uns aktiv für gute Unternehmensführung ein.
Fokus auf Qualität
Innerhalb unseres Anlageuniversum sind wir zudem wählerisch. Wir setzen auf Qualität, was ein weiterer Grundpfeiler unserer Anlagephilosophie ist. Wir wählen Anlagen, wie Aktien, Obligationen und Immobilien aus, die unsere Qualitätsansprüche erfüllen.
Das aktive Risikomanagement umfasst ein proaktives Steuern und Verwalten von Risiken. Durch frühzeitiges Erkennen und Einschätzen von Risiken können wir signifikante Verluste teilweise reduzieren.
Eine klare Anlagephilosophie ist in bewegten Finanzmärkten unerlässlich. Sie ermöglicht es uns, auch in turbulenten Zeiten besonnen zu handeln und langfristige Erfolge zu erzielen. Dies bestätigt auch die erneute Auszeichnung mit insgesamt fünf Lipper Fund Awards für 2025. Eine besondere Anerkennung ist die Auszeichnung als bester kleiner Asset Manager in der Schweiz. Diese Preise bestärken uns, dass wir über die letzten Jahre mit unserer Anlagephilosophie erkennbaren Mehrwert für unsere Kundinnen und Kunden geschaffen haben. Wir sind somit bestens gerüstet, um die Herausforderungen der Märkte zu meistern – unabhängig davon, wer gerade Präsident in welchem Land ist.
Obligationen

Mit dem Jahreswechsel und dem neuen amerikanischen Präsidenten kam es im ersten Quartal in Europa und der Schweiz zu einer deutlichen Gegenbewegung in den Zinsen. Grund dafür war, dass die USA höhere Militärausgaben von den NATO-Mitgliedern forderten. Um diese Ausgaben zu finanzieren, müssten deutlich mehr Staatsanleihen ausgegeben werden, als die Märkte bisher erwartet hatten. Dementsprechend schnellten die Zinsen in die Höhe. In der Schweiz stiegen die Zinsen von 10-jährigen Staatanleihen seit Jahresbeginn um rund +0.25 Prozentpunkte und in Europa, repräsentiert durch Deutschland, um rund +0.36 Prozentpunkte. Vor diesem Hintergrund ist es wenig erstaunlich, dass der Schweizer Anleihenmarkt im ersten Quartal einen Rückschlag von -1.30 Prozentpunkte verkraften musste. Anders sah die Zinsentwicklung in den USA aus. Hier verlangsamte sich die Konjunktur, sodass wieder leichte Zinssenkungsfantasien aufflammten. Daher sanken in den USA die Zinsen von 10-jährigen Staatanleihen im ersten Quartal um rund -0.36 Prozentpunkte. Schliesslich tagten im Januar und im März auch die jeweiligen Nationalbanken. Die Europäische Zentralbank senkte ihre Leitzinsen im Rahmen der Erwartungen zweimal um je -0.25 Prozentpunkte. Die Schweizerische Nationalbank reduzierte den Leitzins im März wie erwartet um -0.25 Prozentpunkte. Währenddie amerikanische Notenbank FED im ersten Quartal keine Leitzinssenkungen umsetzte. In Bezug auf die Kreditprämien entwickelte sich die Schweiz gegensätzlich zu den USA und Europa. Während sich bei letzteren beiden die Kreditprämien weiter reduzierten, war in der Schweiz eine Seitwärtsbewegung zu beobachten. Mittlerweile weisen Schweizer Unternehmensanleihen gar die höchsten Kreditprämien auf im Vergleich zu Europa und den USA. Dies ist insofern überraschend, als dass risikoreichere Anlagen in Form von Aktien in der Schweiz ein sehr starkes erstes Quartal erzielen konnten.
Aktien

An den Aktienmärkten überraschte das erste Quartal 2025: Europäische Aktien (inklusive Schweizer Aktien), die im Vorjahr kaum vom Fleck kamen, waren mit einem Mal gesucht. Amerikanische Aktien, vor allem die schwergewichtigen Technologie- und Kommunikationswerte wie Alphabet, Nvidia oder Apple, bekannt als die Magnificent 7, verloren die Gunst der Anleger. Dies lag nicht etwa an schlechten Geschäftsresultaten, denn diese waren mit Ausnahme von Tesla sehr zufriedenstellend. Vielmehr verbreiteten sich nach der Veröffentlichung des günstigen und leistungsfähigen chinesischen KI-Modells DeepSeek Zweifel, ob die Vormachtstellung der grossen US-Technologiefirmen nicht schon bald unter Druck kommen könnte. Und ob der Investitionsbedarf bei Datencentern vielleicht doch nicht so gross sein wird, wie bis anhin prognostiziert. Der ganze Technologiesektor steht unter erheblichem Druck, die Magnificent 7 verloren im ersten Quartal 18.2 Prozent und zogen den ganzen US-Markt nach unten (minus 6.8 Prozent).
Generell gingen Anlegerinnen und Anleger zu Beginn des Jahres davon aus, dass sich das gute Umfeld für US-Aktien fortsetzen würde, unterstützt durch Steuersenkungen, weniger Vorschriften und staatlichen Hilfen. Stattdessen begann ein Handelskonflikt mit unklaren Folgen. Es gibt weniger staatliche Ausgaben, unter anderem durch Entlassungen im öffentlichen Sektor (Stichwort DOGE) und allgemein mehr Unsicherheit über die zukünftige Politik in den USA.
Das Kapital, das aus den USA abfloss, wurde offensichtlich in Europa investiert. In Deutschland wurde nach den Wahlen die Schuldenbremse ausgehebelt. Das erfreute die europäischen Aktienmärkte ausserordentlich, da sich die Gewinnaussichten vieler Unternehmen mit den riesigen Infrastruktur- und Rüstungspaketen klar verbessern. Europäische Aktien gewannen 7.6 Prozent im ersten Quartal, Schweizer Aktien sogar 8.6 Prozent.
Ausblick und Positionierung
Die Einführung umfangreicher Zölle durch die Trump-Administration hat weitreichende Konsequenzen für die globale Wirtschaft und die Finanzmärkte. Die Auswirkungen sind zurzeit jedoch noch schwer abzuschätzen. Die Zölle stellen eine erhebliche Belastung für das Wachstum dar, heizen die Inflation an und verstärken die Unsicherheit an den Finanzmärkten. Je nach Dauer und Ausprägung des Handelskonfliktes wird dieser Einfluss auf Wachstum, Investitionsausgaben, Konsum, Inflation und Geldpolitik haben und dementsprechend stärker oder schwächer ausfallen.
Für die nächsten drei bis sechs Monate gehen wir in unserem Basisszenario davon aus, dass die Unsicherheit bezüglich der Zölle die Investitions- und Konsumbereitschaft schwächen wird. In diesem Umfeld erwarten wir, dass das globale Wirtschaftswachstum bei einem schwerwiegenden Handelskonflikt tiefer ausfallen wird als erwartet, jedoch mit regionalen Unterschieden. Besonders betroffen sind asiatische Volkswirtschaften wie China und Vietnam, aber auch die USA selbst.
Die angekündigten Zölle könnten die Inflation anheizen, da sie die Importpreise erhöhen. Die Inflationsraten dürften sich daher in diesem Umfeld global als hartnäckiger erweisen und kurzfristig tendenziell steigen. Besonders die Kerninflation in den USA, der Eurozone, Japan und Grossbritannien liegt weiterhin über den Zielen der Zentralbanken. Ausnahmen sind die Schweiz, die eine Inflation am unteren Ende des Zielbandes hat und China, wo die Inflation unter dem Ziel der Zentralbank liegt.
Die eingeläuteten Zinssenkungszyklen der führenden Zentralbanken werden stark vom Handelskonfliktbeeinflusst. Bei einem erheblichen Rückgang der Wirtschaftsdynamik sind weitere Leitzinssenkungen zu erwarten. Die Währungshüter stehen somit vor einem schwierigen Balanceakt.
Angesichts der hohen Unsicherheit bezüglich der Zölle und deren Auswirkungen auf die zukünftige Wirtschafts- und Inflationsentwicklung erwarten wir kurzfristig eine fragile Phase an den Aktienmärkten, die zu hohen Kursschwankungen führen könnte. Aufgrund dieser hohen Unsicherheit haben wir uns entschieden, unser leichtes Übergewicht in Aktien zu reduzieren, sprich zu neutralisieren. Sollte sich eine Schwächung des Wirtschaftswachstums abzeichnen, erwarten wir einen deutlichen Rückgang der globalen Zinsen. Aufgrund des starken Anstiegs des Goldpreises seit Jahresbeginn in einem für Gold schwierigen Umfeld erachten wir Gold weiterhin als überbewertet, sodass wir in den kommenden Monaten fallende Kurse erwarten. Daher halten wir zurzeit an unserer taktisch leicht reduzierten Goldposition zu Gunsten von Liquidität fest.

Nützliches Anlagewissen
Wann ist der ideale Zeitpunkt zum Investieren?
Den perfekten Moment beim Anlegen zu finden ist eine Kunst, die viele Anleger:innen fasziniert. Markt Timing beschreibt die Strategie, den optimalen Zeitpunkt für den Kauf oder Verkauf von Wertpapieren zu finden. In der Theorie klingt es einfach: günstig kaufen und teuer verkaufen. In der Praxis gestaltet sich dies jedoch schwierig, da die Finanzmärkte komplex und dynamisch sind. Kurzfristige Schwankungen werden häufig durch Faktoren wie geopolitische Ereignisse und Emotionen beeinflusst. Und beim Blick zurück wird oft verpassten Gelegenheiten nachgetrauert: „Hätte ich doch Aktien der Firma X gekauft, dann wäre ich heute reich.“
„Time in the market beats timing the market“, besagt ein gängiges Sprichwort in der Finanzwelt. Das bedeutet, dass langfristiges Investieren vorteilhafter ist als der Versuch, den besten Zeitpunkt für Käufe oder Verkäufe zu finden.
Kaufen und halten
Viele Anlageexperten setzen daher auf die Buy-and-Hold-Strategie – auf Deutsch: kaufen und halten. Bei dieser werden Wertpapiere über möglichst viele Jahre hinweg gehalten. Diese langfristige Herangehensweise reduziert das Verlustrisiko, erfordert jedoch Geduld, Disziplin und eine klare Anlagestrategie. Es können dadurch aber Zeit, Geld und Nerven gespart werden. Denn das ständige Beobachten des Markts kostet Zeit und Nerven, das regelmässige Kaufen und Verkaufen kostet Geld– etwa in Form von Transaktionskosten.
Anlagehorizont entscheidend
Anlegerinnen und Anleger sollten sich also nicht fragen: „Wann ist der ideale Zeitpunkt für den Einstieg?“, sondern „Wie lange kann ich anlegen?“. Die historische Entwicklung des Schweizer Aktienmarkts zeigt, dass die durchschnittliche Rendite ab einem Anlagehorizont von zehn Jahren mit einer Wahrscheinlichkeit von über 90 Prozent positiv ausfällt.
Wenn man zum Beispiel im Jahr 2000 Anfang Januar 10 000 Franken in den Schweizer Aktienmarkt (SPI) investiert hat, konnte man sich Ende 2024 über einen Portfoliowert von 30 800 Franken freuen. Die Leidenszeit war allerdings lang, denn in den ersten rund 10 Jahren, hat sich die Wertentwicklung des Portfolios aufgrund grösserer Krisen an den Finanzmärkten in Grenzen gehalten. In den darauffolgenden 15 Jahren sah das anders aus, trotz erneuter Rückschläge.

Idealer Investitionszeitpunkt schwer zu finden
Die Entwicklung der Finanzmärkte ist kaum vorhersehbar, was es nahezu unmöglich macht, den besten Zeitpunkt für den Einstieg zu bestimmen. Während man auf diesen idealen Moment wartet, bleibt das Geld auf dem Bankkonto, wodurch wertvolle Chancen an den Finanzmärkten ungenutzt bleiben. Daher gibt es keinen idealen Zeitpunkt, um mit dem Anlegen zu beginnen – der beste Zeitpunkt ist immer „jetzt“.
Autor:
Philippe Bonvin
Leiter Portfolio Management, Schweizerische Mobiliar Asset Management AG


