Blick in ein Büro. An einem Tisch sitzen drei Personen und besprechen etwas.
Psychische Gesundheit im Unternehmen

So beugen KMU Ausfällen vor

Psychische Belastungen früh erkennen, Mitarbeitende stärken und längere Ausfälle vermeiden

Die Projektleiterin fehlt schon zum zweiten Mal innert weniger Wochen. Im Team häufen sich Überstunden und wichtige Aufgaben bleiben liegen. Solche Situationen können jedes KMU treffen. Umso wichtiger ist es, die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden zu stärken und Belastungen früh zu erkennen.

  • Lesezeit: 5 Minuten
  • Letztes Update: September 2026
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Ob hoher Zeitdruck, Konflikte im Team oder private Belastungen: Viele Faktoren beeinflussen die psychische Gesundheit. Besonders relevant für Unternehmen sind Konflikte am Arbeitsplatz. Eine SWICA-WorkMed-Studie von 2022 zeigt: 57 Prozent der untersuchten psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeiten wurden durch eskalierende Probleme am Arbeitsplatz ausgelöst.

Psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeiten dauerten in dieser Studie im Durchschnitt 218 Tage; 95 Prozent begannen als Vollzeit-Krankschreibung. Für KMU können solche Ausfälle besonders herausfordernd sein: Aufgaben müssen umverteilt, Kundenanliegen aufgefangen und zusätzliche Ressourcen organisiert werden.

Prävention lohnt sich deshalb mehrfach: für die Gesundheit der Mitarbeitenden und für die Stabilität des Betriebs und der Krankentaggeld Prämie.

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Psychische Belastungen entstehen meist nicht von heute auf morgen. Oft gibt es frühzeitig Anzeichen. Wer hinschaut und das Gespräch sucht, kann viel bewirken.
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Mario Cotichini - Teamleiter BGM bei der Mobiliar

Welche Belastungen am Arbeitsplatz eine Rolle spielen können

Psychische Belastungen entstehen selten durch einen einzelnen Auslöser. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen Belastungen und verfügbaren Ressourcen. Auch körperliche Anforderungen wie Lärm, schwere Arbeit oder ungünstige Arbeitszeiten können die Belastung verstärken. Prävention sollte deshalb Arbeitsorganisation, Zusammenarbeit und körperliche Arbeitsbedingungen gemeinsam betrachten. 

Warum Führungskräfte eine Schlüsselrolle spielen

Führungskräfte nehmen Veränderungen häufig früh wahr. Ihre Aufgabe ist nicht, Diagnosen zu stellen. Sie können Beobachtungen ansprechen, zuhören und gemeinsam nach nächsten Schritten suchen.

Besonders wichtig ist ein früher und konstruktiver Umgang mit Konflikten. Je nach Situation können eine Moderation, angepasste Aufgaben oder ein vorübergehender Wechsel des Arbeitsumfelds helfen. 

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Mitarbeitende erwarten nicht, dass ihre Führungskraft eine therapeutische Lösung bietet. Oft hilft es bereits, zuzuhören und gemeinsam nach nächsten Schritten zu suchen.
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Christian Hügli - Teamleiter Case Management bei der Mobiliar

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Psychische Gesundheit wird im Arbeitsalltag häufig erst dann sichtbar, wenn bereits Probleme entstanden sind. Prävention beginnt deutlich früher.
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Andrea Aldous - Leiterin Case Management und BGM bei der Mobiliar

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Eine vertrauensvolle Unternehmenskultur ist einer der wichtigsten Schutzfaktoren gegen langfristige Belastungen.
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Mario Cotichini - Teamleiter BGM bei der Mobiliar

So kann Betriebliches Gesundheitsmanagement unterstützen

Psychische Gesundheit ist ein wichtiger Bestandteil eines nachhaltigen Betrieblichen Gesundheitsmanagements.

Unternehmen, die Gesundheit systematisch fördern, schaffen bessere Voraussetzungen für motivierte Mitarbeitende, stabile Teams und eine langfristig gesunde Unternehmenskultur.

Die Mobiliar unterstützt Unternehmen mit Angeboten im Bereich Betriebliches Gesundheitsmanagement dabei, gesundheitliche Risiken frühzeitig anzugehen und die Gesundheit der Mitarbeitenden langfristig zu stärken.

Warnsignale früh erkennen

Je früher Belastungen erkannt werden, desto grösser sind die Chancen, einer längeren Arbeitsunfähigkeit vorzubeugen.

Bei einzelnen Mitarbeitenden

Achten Sie auf Veränderungen wie:

  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Häufige Fehler
  • Rückzug aus dem Team
  • Gereiztheit oder erhöhte Empfindlichkeit
  • Sinkende Motivation
  • Wiederholte Kurzabsenzen

Im Team

Auch Entwicklungen im Team können Hinweise auf Belastungen sein:

  • Zunehmende Konflikte
  • Höhere Fluktuation
  • Sinkende Zusammenarbeit
  • Mehr Fehlzeiten
  • Spürbarer Motivationsverlust

Ein einzelnes Signal muss noch kein Grund zur Sorge sein. Treten mehrere Anzeichen über längere Zeit auf, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Was KMU konkret tun können

Viele wirksame Präventionsmassnahmen lassen sich auch in kleineren Unternehmen umsetzen.

1. Das Gespräch suchen

Führungskräfte müssen keine Diagnosen stellen. Sprechen Sie konkrete Beobachtungen an, hören Sie wertschätzend zu und klären Sie gemeinsam, welche Unterstützung möglich ist. 

Praxisbeispiel: Ein regelmässiges Standortgespräch muss nicht lange dauern. Bereits die Frage «Wie geht es Ihnen aktuell mit Ihrer Arbeitsbelastung?» kann wertvolle Hinweise liefern.

2. Führungskräfte sensibilisieren

Vorgesetzte sind häufig die ersten Personen, die Veränderungen wahrnehmen. Entsprechend wichtig ist es, sie für psychische Belastungen zu sensibilisieren.

Praxisfrage für KMU: Wissen Ihre Führungskräfte, wie sie reagieren können, wenn Mitarbeitende überlastet wirken?

3. Arbeitsbedingungen regelmässig überprüfen

Prüfen Sie nicht nur einzelne Massnahmen, sondern das Zusammenspiel von Belastungen und Ressourcen. Dazu gehören: 

  • realistische Arbeitslasten und gute Planbarkeit 
  • klare Rollen und Verantwortlichkeiten 
  • offene Kommunikation und früher Umgang mit Konflikten 
  • passende körperliche Arbeitsbedingungen 
  • genügend Handlungsspielraum und Unterstützung im Team 

4. Betriebliches Gesundheitsmanagement nutzen

Viele Unternehmen setzen bereits einzelne Massnahmen zur Gesundheitsförderung um, ohne diese als Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) zu bezeichnen.

Ein systematischer Ansatz hilft dabei, Belastungen frühzeitig zu erkennen, Risiken zu reduzieren und die Gesundheit der Mitarbeitenden langfristig zu fördern.

5. Flexible Lösungen ermöglichen

Flexible Arbeitszeiten, vorübergehend angepasste Aufgaben oder ein reduziertes Pensum können entlasten. Besteht bereits eine Arbeitsunfähigkeit, kann auch eine ärztlich abgestützte Teilzeitarbeitsfähigkeit geprüft werden. Ziel ist eine tragfähige Lösung, die zur verbleibenden Leistungsfähigkeit und zur Tätigkeit passt. 

Wie gut ist Ihr Unternehmen aufgestellt?

Viele Unternehmen setzen einzelne dieser Massnahmen bereits um, oft ohne sich dessen bewusst zu sein. Gleichzeitig zeigt die Praxis, dass gerade bei der Prävention oft noch ungenutztes Potenzial besteht. Wie gut ist Ihr Unternehmen heute aufgestellt? Die folgenden Punkte liefern eine erste Orientierung.

Führungskräfte kennen typische Warnsignale psychischer Belastungen.

Mitarbeitende wissen, an wen sie sich bei Belastungen wenden können.

Belastungen und Gesundheit werden in Gesprächen regelmässig thematisiert.

Konflikte werden früh angesprochen.

Bei längeren oder komplexen Fällen werden Versicherer oder Case Management früh einbezogen.

Arbeitslasten werden regelmässig überprüft.

Es gibt klare Prozesse für die Rückkehr nach längeren Absenzen.

Bei der Rückkehr werden Aufgaben, Pensum und mögliche Anpassungen konkret geklärt.

Das Unternehmen beschäftigt sich aktiv mit betrieblicher Gesundheitsförderung.

Was tun, wenn bereits eine Belastung besteht?

Nicht jede gesundheitliche Herausforderung lässt sich verhindern. Umso wichtiger ist es, früh und koordiniert zu handeln.

Folgende Schritte können helfen:

  • Das Gespräch suchen und konkrete Beobachtungen ansprechen.
  • Arbeitsbedingungen, Aufgaben und Pensum prüfen.
  • Mit Einverständnis der betroffenen Person klären, welche Tätigkeiten weiterhin möglich sind.
  • Versicherer oder Case Management früh beiziehen, besonders bei komplexen oder länger dauernden Fällen.
  • Den Kontakt während der Absenz aufrechterhalten und die Rückkehr früh planen.

Ein vollständiger Ausfall ist nicht immer die einzige Option. Eine Teilzeitarbeitsfähigkeit oder schrittweise Rückkehr kann sinnvoll sein, wenn sie medizinisch abgestützt ist und zum Arbeitsplatz passt. 

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Die Rückkehr an den Arbeitsplatz beginnt nicht am ersten Arbeitstag. Sie beginnt bereits während der Absenz mit einer guten Planung und regelmässigem Austausch.
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Andrea Aldous - Leiterin Case Management und BGM bei der Mobiliar

Fragen und Antworten

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