Davide Russo, welche Cyberangriffe treffen KMU im Moment am häufigsten – und wie führt das zu Betriebsunterbrüchen?
Am häufigsten sehen wir Kontokompromittierungen, vor allem bei Microsoft-365-Konten und Mail-Postfächern. Diese werden genutzt, um weitere M365-Konten zu kompromittieren oder Rechnungen zu manipulieren. Auch Ransomware-Fälle kommen häufig vor: Daten werden verschlüsselt, Systeme lahmgelegt – und der Betrieb steht still, obwohl gar kein sichtbarer Sachschaden entstanden ist.
Welche drei Massnahmen kann ein KMU treffen, um Cyberschäden und Betriebsunterbrüche zu verhindern?
Erstens: Multi-Faktor-Authentifizierung bei allen Online-Diensten einrichten. Zweitens: regelmässige Schulungen für Mitarbeitende zu Cyberrisiken durchführen. Drittens: ein funktionierendes, periodisch getestetes Backup etablieren, das auch offline gespeichert ist, um im Ernstfall Daten schnell wiederherstellen zu können.
Davide Russo - Schadeninspektor Cyber
Davide Russo - Schadeninspektor Cyber
Wenn ein KMU meldet «Wir wurden gehackt»: Was klären Sie als Erstes ab?
Zunächst möchten wir verstehen, was genau passiert ist. Oft wird der Begriff «gehackt» sehr allgemein verwendet, deshalb fragen wir nach, wie der Vorfall festgestellt wurde und welche Auswirkungen er auf den Geschäftsbetrieb hat.
Dabei ist besonders wichtig zu klären, ob und wie stark der Betrieb bereits unterbrochen ist oder ob ein Betriebsunterbruch droht. Zudem erkundigen wir uns, ob bereits Experten oder IT-Dienstleistende involviert sind und wo Unterstützung benötigt wird, damit wir mit unserem Partnernetzwerk gezielt helfen können.
Richtig versichert
Wir lassen Sie mit den Folgen eines Betriebsunterbruchs nicht allein. Egal, ob ein Cyberangriff oder ein Brand, Wasser- oder Sturmschaden dahintersteckt, mit den Versicherungen der Mobiliar sind Sie vor den finanziellen Folgen geschützt.
Welche Sofortmassnahmen sind nach einem Cyberangriff immer sinnvoll, unabhängig von der Art des Angriffs?
So schnell wie möglich IT-Spezialisten hinzuziehen, um den Schaden zu analysieren und einzudämmen. Das Netzwerk vom Internet trennen, um weitere Schäden zu verhindern. Und Backups sichern, damit der Betrieb möglichst rasch wieder aufgenommen werden kann.
Ab wann wird ein Cyberereignis für ein KMU existenzbedrohend – und welche Rolle spielt dabei die Vorbereitung?
Kritisch wird es, wenn der Betrieb längere Zeit stillsteht und keine Daten mehr verfügbar sind. Besonders heikel ist es, wenn Cloud-Anbieter ausfallen und kein Plan B vorhanden ist. Entscheidend ist, ob es getestete Backups und klare Prozesse gibt. Mit guter Vorbereitung kann ein Betrieb oft innerhalb weniger Tage wieder starten. Ohne Vorbereitung kann es Wochen dauern – und dann wird es schnell existenzbedrohend.
Davide Russo ist seit 2022 bei der Mobiliar und seit Juni 2023 als Schadeninspektor Cyber tätig. Er unterstützt KMU dabei, nach einem Cybervorfall schnell wieder handlungsfähig zu sein.

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