
«Mit Humor geht der Umbau einfacher»
UmbauporträtJara Bissig hat ihr Schlafzimmer selbst umgebaut. Es ist genau so geworden, wie sie es wollte. Nur einmal ging etwas schief.
Lesezeit: 5 Minuten Letztes Update: November 2025
Zack. Der Strom war weg. Als sie die Wand rausbrachen, haben Jara Bissig und ihre Helfer mit der Trennscheibe die Stromleitung erwischt. Ein Schreckmoment, aber zum Glück der einzige.
Jara Bissig wohnt in Schattdorf UR in einem Haus mit Baujahr 1952. Schon ihre Grossmutter kam hier zur Welt. Das Haus ist in Halbstockwerke unterteilt. Oben am Bad, direkt bei Jara Bissigs Schlafzimmer, hatte es eine Nische, 283 cm breit, etwas mehr als 1 Meter hoch. Die Nische, Jara Bissig spricht vom Estrich, blieb jahrelang ungenutzt. Bis im Februar 2021.
Jara Bissig, wann sagten Sie: «Jetzt bauen wir um!»?
Es war ein Sonntagabend Ende Januar. Meine Eltern, mein Freund und ich waren beim Abendessen. Irgendwie kamen wir auf den Estrich. Wir überlegten uns, was wir daraus alles machen könnten. Man konnte ihn praktisch nur mit meinem Schlafzimmer verbinden. Also beschlossen wir spontan, dort das Bett reinzumachen.
Sie entschieden noch am selben Abend?
Ja. Wir hatten richtig Lust darauf, etwas zu machen. Wegen der Pandemie hatten wir ja mehr Zeit. Wir zeichneten schon am Sonntagabend erste Pläne. Am nächsten Tag skizzierte ich alles grob, ich mass die Höhe und Breite, zeichnete erst frontal und dann von oben. Es ist das Beste, wenn man einfach mal aufzeichnet, was man im Kopf hat.
Und dann?
Wir überlegten uns: Was brauchen wir alles, was für Handwerker braucht es, wie sieht der Zeitplan aus? Wir planten den Ablauf genau. Wann was bauen, wann was kaufen und so weiter. Mit meinem Vater ging ich dann in den Baumarkt und besorgte das Material. Das Werkzeug hatten wir schon.
Wann starteten die Bauarbeiten?
Kurz darauf, Anfang Februar. Zuerst nahmen wir die Wand raus. Das dauerte einen Tag. Dann musste die alte Dämmung raus, das war unangenehm, sie juckte an den Händen. Wir setzten die neue Dämmung ein, verkleideten alles und bauten ein Regal. Danach malten wir alles, damit es überall gleich Weiss ist. Gleichzeitig bauten wir die Treppe zum Estrich und liessen dort den Rost ein. Da merkten wir auch, dass der Lattenrost zu hoch war. Ich brauchte also einen neuen, der kam erst eine Woche nach dem Umbau.
Bauten Sie alles selbst um?
Den Boden, die Treppe und die Verkleidung aus Holz machten wir selber. Mein Vater ist gelernter Schreiner, mein Freund ist Zimmermann. Das ist ein riesiger Vorteil. Ich selbst übernahm viele kleine Arbeiten, schliff den Boden ab, ölte das Holz und trug Steine runter. Ich war auch für den Znüni, den Zmittag und das Feierabendbier verantwortlich. Auch das muss ja jemand machen. Meine Mutter hat sich um den ganzen Staub gekümmert, der sich im Haus angesammelt hat. Sie hat uns immer tatkräftig unterstützt und war sofort zur Stelle, wenn sie helfen konnte.
Wir hatten zum Glück auch viel Hilfe von Kollegen. Beim Rausbrechen der Wand arbeitete ein Maurer mit, ein Stromer machte den TV-Anschluss, die Steckdose sowie den Lichtschalter, und ein Sanitär legte ein Entlüftungsrohr um. Das hätten wir nicht gekonnt und wir wollten auch nicht riskieren, dass wir am Schluss deswegen alles wieder aufmachen müssen. Unser Nachbar hat alles gestrichen. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt keine Energie mehr.
Gab’s beim Umbau auch Pannen?
Ja, zwei, drei schon. Wir hatten keine Baupläne des Hauses und starteten mit einem gewissen Risiko. Als wir die Wand durchbrachen, erwischten wir darum die Stromleitung. Auch das Entlüftungsrohr hatten wir nicht bedacht. Wir wussten schon, dass irgendwo eins ist, aber nicht, wo es durchging. Einmal sägten wir auch eine grosse Holzplatte falsch. Wir montierten sie trotzdem. Man sieht es nur, wenn man es weiss.
Wie lange dauerte der Umbau?
Zirka acht Wochen, dann war alles fixfertig. Wir haben wegen unseren Jobs nur am Abend und am Wochenende gearbeitet, sonst wären wir in einer Woche durch gewesen. Wir waren da vielleicht ein bisschen blind. Ich hab gestaunt, wie gross die Auswirkungen der Baustelle sind. Ich musste in anderes Zimmer ziehen, lebte aus Koffern und im ganzen Haus war der Boden mit Plastik abgedeckt und hingen Staubwände. Ob man das will, muss man sich gut überlegen.
Was hat Ihr Umbau gekostet?
Zirka 2'500 bis 3'000 Franken inklusive Essen und Geschenke für die Helfer. Mit externen Firmen hätte das 10'000 bis 12'000 Franken gekostet. Sie hätten das wahrscheinlich nicht so hingebracht, wie ich mir das gewünscht hätte. Jetzt ist’s genau so, wie ich’s wollte.
Wie war die erste Nacht im neuen Schlafzimmer?
Wir haben am letzten Tag angestossen. Das war der Moment, wo ich wusste: Wir haben’s geschafft! Die erste Nacht war ungewohnt, weil die Decke relativ tief ist. Man darf also nicht zu schnell aufstehen. Aber das Gefühl war der Hammer. Ich hatte mega Freude am Zimmer und war froh, war die Baustelle im Haus endlich weg. Auch heute gehe ich noch ins Zimmer und denke: Das haben wir gemacht!
Was ist Ihr Tipp für andere Laien-Handwerker?
Unser Motto war: Mit Humor geht es einfacher. Wir hatten es immer lustig, lachten viel, auch über unsere Fehler. Das hilft sehr. Für mich war auch das Planen wichtig. Man sollte genug Zeit einrechnen. Auch für die kleinen Sachen. Man muss vorausdenken und koordinieren, wer wann helfen kommt. Ich konnte die Kollegen ja nicht erst am Mittwoch fragen, ob sie am Wochenende Zeit haben. Wer niemand hat, der ihm hilft, und auch kein grosses handwerkliches Geschick, der soll Externe beiziehen. Wir mussten extrem viel beachten, an das wir vorher nicht gedacht hatten. Ein Beispiel: Wir mussten vor dem Zuschnitt der Holzteile schon überlegen, wie genau wir sie montieren wollen, damit wir die richtigen Kanten abschrägen konnten.
Was ist Ihr nächstes Umbauprojekt?
*Lacht* Ich mache gerade eine Ausbildung. Ein konkretes Projekt gibt’s grad nicht. Aber irgendetwas kommt uns sicher bald in den Sinn. Wir wohnen ja in einem alten Haus, da gibt es immer was zu tun.
