Momos werden hergestellt.
Ratgeber

Jungunternehmer verpackt tibetische Kultur in Momos

Als Kind flüchtet Tenzin Tibatsang aus dem chinesisch besetzten Tibet in die Schweiz. Heute leitet der Mobiliar Kunde ein erfolgreiches KMU mit Momos, der Nationalspeise Tibets. 

Momos fehlen heute in der Schweiz an kaum einem Festival. Dabei sind die gefüllten, gedämpften Teigtaschen alles andere als typischer Streetfood. Ihre Herstellung ist aufwendig. Traditionell werden sie für Gäste gekocht – als Zeichen der Wertschätzung.  

So war es auch bei Tenzin Tibatsang (32) – oder Tenz, wie ihn alle nennen. «Momos kochen ist für tibetische Familien ein Event und dauert fast den ganzen Tag. Man kommt zusammen, hört Musik oder singt. Jedes Familienmitglied übernimmt eine spezifische Aufgabe.» Tenz rollte meistens den Teig aus. «Ich verbinde viele schöne Erinnerungen mit Momos», erzählt er. Traditionell werden Momos mit Yak-Fleisch gefüllt, in der Schweiz mit Rindfleisch. Es gibt aber auch unzählige vegetarische Varianten. «Jede Familie hat ihr eigenes Rezept.»

Flucht via Indien in die Schweiz

Als Tenz fünf Jahre alt ist, flüchten seine Eltern mit ihm und seiner kleinen Schwester nach Nepal. Tenz lebt fortan vier Jahre lang in einem tibetischen SOS-Kinderdorf in Indien, getrennt von der Familie. Diese migriert unterdessen in die Schweiz. Mit dem Familiennachzug folgt Tenz mit neuneinhalb Jahren in die Schweiz.  

Anfangs fühlt er sich fremd hier, versteht die Sprache nicht. «Meine Eltern stellten aber klar, dass wir in der Schweiz bleiben werden. Nach der Schule mussten wir jeweils noch drei Stunden lernen, um die Sprache zu beherrschen.» Tenz lernt rasch Deutsch und erzielt bald gute Noten. Wegen seines Akzents und seines Aussehens wird er aber oft unterschätzt oder muss sich rassistische Bemerkungen anhören – sogar von Lehrpersonen.

Tenz lässt sich aber nicht unterkriegen. «Ich war ein widerspenstiges Kind.» Seine Widerstandskraft macht ihn auch stark. Innert Kürze integriert er sich in der neuen Heimat. Zum Glück erkennt eine Lehrerin sein kreativ-gestalterisches Talent und fördert ihn. «Ich bin ihr noch heute dankbar. Es macht in einem Leben einen enormen Unterschied, wenn jemand an dich glaubt.» Schliesslich macht Tenz eine Lehre als Hochbauzeichner, bildet sich zum Grafiker weiter und arbeitet mehrere Jahre bei einer grossen Werbeagentur in Zürich.

Porträt Tenzin Tibatsang

Die Geburtsstunde von Tenz Momo

Je mehr Fuss Tenz fasst, desto mehr droht er den Bezug zu seinen tibetischen Wurzeln und der Sprache zu verlieren. Er beginnt, sich für die tibetische Geschichte zu interessieren, engagiert sich ehrenamtlich im Verein Tibeter Jugend in Europa (VTJE). Tenz besinnt sich auch auf die tibetische Küche und beginnt, Momos zu kochen – zuerst für Freunde, bald an tibetischen Anlässen. 2014 bietet er die Teigtaschen am ersten Zürcher Streetfood Festival an. Es sollte die Geburtsstunde seines Unternehmens Tenz Momo werden. Viele weitere Festivals folgen. Heute betreibt Tenz Momo zwei Restaurants in Zürich, eines in Bern und Takeaways in mehreren Schweizer Städten, darunter ein Takeaway am Bahnhof Winterthur. Die Teigtaschen werden von Hand gefaltet. «Momos falten ist wie Geschenke verpacken – das sollen unsere Gäste spüren.» Zusätzlich produziert Tenz Momo für Migros, Felfel, Farmy.ch und weitere Anbieter.

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Es macht einen enormen Unterschied, wenn jemand an dich glaubt.
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Tenzin Tibatsang

Es geht um mehr als Momos

Tenz Momo hat inzwischen über 120 Mitarbeitende, rund 70 weitere stossen derzeit für neue Bahnhofsfilialen hinzu. Viele sind Exil-Tibeterinnen und -Tibeter. Das KMU ist auch eine Integrationsstätte. «Um eine gesunde Integration zu fördern, setzen wir bei der Rekrutierung der Mitarbeitenden auf eine gesunde Mischung und fördern diese mit sprachlichen und berufsbezogenen Weiterbildungen», erzählt Tenz. Einen Teil des Gewinns spendet Tenz für Vereine und Institutionen, die sich für die Erhaltung der tibetischen Kultur einsetzen. 

Tenz geht es mit den Momos um weit mehr als um das Business. «Ich will den Menschen unsere Kultur näherbringen und auf die Situation Tibets aufmerksam machen.» Wäre Tenz in Tibet geblieben, wäre er als ältester Sohn in ein Kloster geschickt worden und Mönch geworden. Doch sein Leben hat eine andere Wendung genommen. Tenz ist nicht nur Unternehmer – er hat auch eine Familie gegründet. Seit Januar ist er Vater. 

Neue Plattform für Gründerinnen und Gründer

Der Weg in die Selbstständigkeit bringt viele Unsicherheiten mit sich. In Versicherungsfragen zählt Tenzin Tibatsang auf die Mobiliar. «Bei solch einem rasant wachsenden Unternehmen ist es wichtig, den Versicherungsschutz stets zeitnah den aktuellen Risiken anzupassen», sagt Max Suter, Generalagent in Bülach.   

Um Gründerinnen und Gründer noch effizienter unterstützen zu können, hat die Mobiliar die digitale Gründungsplattform Foundera lanciert. Die neue Tochtergesellschaft begleitet Gründerinnen und Gründer ab der ersten Geschäftsidee und unterstützt bei allen nötigen Schritten im Zusammenhang mit der Gründung. Sie können auf der Plattform ganz einfach das passende Starter-Paket auswählen und werden dann Schritt für Schritt begleitet. Auch nach der Gründung finden Unternehmen bei Foundera Angebote, Tipps und Tricks, die ihre tägliche Arbeit vereinfachen und sie erfolgreicher machen.

Foundera - Neue Plattform für Gründerinnen und Gründer 

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