Ein Vater mit zwei Kindern am Tablet
Ratgeber

Balanceakt zwischen Arbeit und Privatleben

Die Arbeitswelt entwickelt sich rasant. In Zeiten von hybridem Arbeiten und New Work, um nur zwei der neueren Begriffe zu erwähnen, gewinnt das Balancieren zwischen verschiedenen Lebensbereichen an Bedeutung. Boundary Management lautet hier das Gebot.

Die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben verwischen zunehmend. Das kann sich negativ auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit auswirken. Deshalb ist die passgenaue Abstimmung zwischen den verschiedenen Lebensbereichen enorm wichtig.

Cartoon zum Thema Work-Life-Balance

Bewusst Grenzen ziehen

Boundary Management bedeutet, für sich persönlich stimmige Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben zu ziehen. Diese Grenzen gilt es immer wieder auszuloten, neu zu kreieren, aufrecht zu erhalten oder zu verändern. Abhängig von den persönlichen Abgrenzungspräferenzen lassen sich Menschen einem von drei Boundary Typen zuweisen:

  • Segmentierer (strikte Trennung von Arbeit und Privatleben)
  • Integrierer (starke Vermischung der beiden Lebensbereiche)
  • Mischtypen (Arbeit und Privatleben werden situativ stärker getrennt oder vermischt)

Beispielhafte Merkmale der drei Typen

Pointiert formuliert, wünschen Segmentierer geregelte Arbeitszeiten und sind in der übrigen Zeit strikt offline. Während sie einen klar strukturierten Arbeitstag schätzen, kann für sie die Arbeit im Home Office eine Herausforderung darstellen, falls andere Familienangehörige ebenfalls zu Hause sind.

Menschen vom Typus Integrierer benötigen vergleichsweise wenig Struktur, um sich wohlzufühlen. Sie arbeiten, wo und wann es ihnen sinnvoll erscheint. Sie sind fast permanent online und bauen sich spontane Erholungszeiten in den Tagesablauf ein. Für Integrierer kann es jedoch herausfordernd sein, den Überblick über die Arbeitszeit zu behalten.

Mischtypen trennen Arbeit und Privates nach Gutdünken. Doch diese Flexibilität im Verhalten hat auch eine Kehrseite. Denn Mischtypen sind gefordert, wenn es darum geht, sich persönliche Freiräume zu schaffen und diese für sich zu nutzen.

Die hier erwähnten Beispiele zeigen, dass Grenzen je nach Typus, respektive von Mensch zu Mensch, eine unterschiedliche Stärke oder Durchlässigkeit haben können. Für alle gilt jedoch: Werden Grenzen verletzt, kann sich das negativ auf das persönliche Wohlbefinden und das Umfeld auswirken.

Einflussbereich von Unternehmen

Unternehmen können ihre Mitarbeitenden dabei unterstützen und stärken, einen möglichst guten Umgang mit den individuellen Grenzpräferenzen zu finden. Beispielsweise, indem das Thema aktiv aufgegriffen und mit den Mitarbeitenden im persönlichen Gespräch diskutiert wird. So können Erwartungen formuliert und Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Drei Tipps für Ihr persönliches Boundary Management

  1. Pflegen Sie Rituale. Rituale sind kleine Helfer für den Alltag. Ein paar Beispiele: Stellen Sie einen Wecker auf die Zeit, wenn der Arbeitstag beginnen oder enden soll. Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie jeweils am Ende des Arbeitstages eine priorisierte To-do-Liste für den folgenden Tag erstellen. Arbeitsbezogene Gedanken, die nach dem Feierabend aufkommen, parkieren Sie schriftlich auf einem Gedankenparkplatz, wo sie bleiben und nicht vergessen gehen. Finden Sie heraus, was zu Ihnen passt. Trainieren Sie das Ritual täglich, damit sich daraus eine Routine entwickeln kann.

     

  2. Nehmen Sie Ihr eigenes Befinden und Ihre eigenen Bedürfnisse ernst, indem Sie sich regelmässig zehn Minuten Zeit nehmen und sich Gedanken machen zu Fragen wie: Wann ist es mir besonders wichtig, mich abzugrenzen? Wo kann ich profitieren, wenn ich mehr integriere? Was tut mir gut? Wo finde ich Ausgleich und Ruhe? Was gibt mir Kraft? Antworten auf diese Fragen können helfen, den inneren Kompass auszurichten.

     

  3. Thematisieren und kommunizieren Sie Ihre Grenzen. Ob Sie nun ein Mischtyp, eine Segmentiererin oder ein Integrierer sind: Kein Boundary Typ ist besser als der andere. Vielmehr geht es um individuelle Präferenzen. Kommunizieren und diskutieren Sie diese im Team oder mit der Familie. Definieren Sie Zeiten der Erreichbarkeit und wann Sie nicht erreichbar sind. Machen Sie das sichtbar, beispielsweise im gemeinsamen Kalender. Denn: Der konstruktive Austausch kann das gegenseitige Verständnis für das Verhalten und die Bedürfnisse fördern.

Autor

Remo Rüegger
Fachspezialist Betriebliches Gesundheitsmanagement, die Mobiliar, Bern

remo.rueegger@mobiliar.ch
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