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Kurzarbeit während der Corona-Krise

Der Coronavirus beeinflusst nicht nur das alltägliche Leben, sondern auch die Wirtschaft stark. Deshalb hat der Bund im Rahmen der COVID-19-Verordnung die Regelung zur Kurzarbeit angepasst. Wir geben Antworten auf folgende Fragen:

Was heisst Kurzarbeit?

Kurzarbeit ist eine wirtschaftlich bedingte, unvermeidbare und vorübergehende Reduktion der vertraglichen Arbeitszeit um mind. 10% für alle, oder Gruppen von Arbeitnehmern in einem Unternehmen. Zweck der Kurzarbeit ist die Erhaltung der Arbeitsplätze. Kurzarbeit kann unterschiedliche Ausmasse annehmen: Von der linearen Kürzung der täglichen Arbeitszeit bis hin zur monatelangen Schliessung des Betriebes oder einzelner Abteilungen, ist alles möglich. Der Arbeitsausfall muss kontrollierbar sein. Der Betrieb muss also über eine individuelle Arbeitszeiterfassung verfügen.

Ein Arbeitsausfall, der zum üblichen Betriebsrisiko gehört oder durch typische saisonale Schwankungen verursacht wird, ist keine Kurzarbeit.

Umfang der Entschädigung

Per 1. September 2020 wurde die Höchstbezugsdauer für Kurzarbeitsentschädigung von ursprünglich 12 auf 18 Monate verlängert. Am 12. Mai 2021 kündigte der Bundesrat an, die Höchstbezugsdauer noch einmal von 18 auf 24 Monate zu erhöhen. Die Bezugsdauer gilt nun bis am 28. Februar 2022. Die Entschädigung beträgt grundsätzlich 80% des versicherten Verdienstausfalls (von max. CHF 12 350 pro Monat; Stand 2020). Personen mit einem tiefen Einkommen bis zu CHF 3 470 erhalten rückwirkend ab dem 1. Dezember 2020 eine Entschädigung zu 100%. Bei vollständigem Verdienstausfall erhält ebenfalls den gleichen Betrag, wer zwischen CHF 3 470 und CHF 4 340 verdient. Teilweise Verdienstausfälle werden anteilig berechnet. Die Einstufung von Teilzeitlöhnen findet anhand des auf ein Vollzeitpensum hochgerechneten Lohnes statt. Wer über CHF 4‘340 verdient, erhält wie bis anhin 80% des versicherten Verdienstausfalls. Diese Regelung für Geringverdienende gilt befristet bis zum 30. Juni 2021.

Wer hat Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung?

Mit wenigen Ausnahmen haben alle von Kurzarbeit betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Anspruch auf Entschädigung der Arbeitslosenversicherung.

Wenn Sie von Kurzarbeit betroffen sind, haben Sie Anspruch auf Leistungen aus der ALV selbst dann, wenn Sie die 12 Monate Beitragszeit an die ALV nicht erfüllt haben.

Keinen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung haben folgende Personen:

  • Angestellte, die bereits eine AHV-Rente beziehen
  • Personen in gekündigtem Arbeitsverhältnis (sie können dem Arbeitgeber gegenüber auf dem vollen Lohn beharren)
  • Personen mit arbeitgeberähnlicher Stellung im Unternehmen und deren Ehegatten, die auch im gleichen Betrieb arbeiten
  • Temporärangestellte

Folgende Personen haben vorübergehend bis zum 30. September 2021 Anspruch auf Kurzarbeit:

  • Rückwirkend per 1. September 2020: Arbeitnehmende auf Abruf, die seit mindestens 6 Monaten im Betrieb tätig und unbefristet oder befristet mit einer vertraglichen Kündigungsmöglichkeit angestellt sind, wenn die betriebliche Tätigkeit wegen der behördlich angeordneten Massnahmen weiterhin erheblich eingeschränkt ist. 
  • Befristet Angestellte:
    • Rückwirkend per 1. Januar 2021: Angestellte mit einem befristeten Arbeitsvertrag, der nicht vorzeitig kündbar ist („echt befristet“), wenn die betriebliche Tätigkeit wegen der behördlich angeordneten Massnahmen weiterhin erheblich eingeschränkt ist. Diese Personen hatten auch vom 1. März 2020 bis 31. August 2020 Anspruch auf Kurzarbeit. Für September bis Dezember 2020 bestand kein Anspruch. 
    • Angestellte mit einem befristeten Arbeitsvertrag, der vorzeitig kündbar ist („unecht befristet“) haben auch ohne Spezialregelungen aufgrund der Corona-Krise Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung. Also auch über den 30. September 2021 hinaus.
  • Rückwirkend per 1. Januar 2021: Lernende, subsidiär zu anderen finanziellen Unterstützungsleistungen, sofern die Fortsetzung der Ausbildung gewährleistet ist.

Als Arbeitnehmer haben Sie das Recht, Kurzarbeit zu verweigern. Sie haben dann Anspruch auf den vollen Lohn, müssen aber ev. mit einer Kündigung rechnen.

Was sind die Rechte und Pflichten bei Kurzarbeit?

Im Rahmen der Corona-Massnahmen des Bundes wurden einige sonst geltende Pflichten vorübergehend gelockert: 

Rechte und Pflichten der Arbeitgeber

  • Voranmeldung: Die übliche Voranmeldefrist von mindestens 10 Tagen entfällt bis zum 31. Dezember 2021. Eine Voranmeldung trotzdem nötig.
  • Bewilligungsdauer: Per 1. September 2020 gilt rückwirkend erneut eine maximale Bewilligungsdauer von 6 anstatt von 3 Monaten. Neue Bewilligungen ab 1. Juli 2021 werden maximal bis 31. Dezember 2021 erteilt. Ab 1. Oktober 2021 gelten Bewilligungen wieder für maximal 3 Monate.
  • Karenzzeit: Die Karenzfrist (Selbstbehalt für Arbeitgeber) ist für die Abrechnungsperioden März 2020 bis Juni 2021 vollständig aufgehoben. Ab dem 1. Juli 2021 gilt wieder eine Karenzfrist von 1 Tag. Die Arbeitslosenversicherung hat alle zwischenzeitlich von September bis November 2020 belasteten Karenztage im Februar 2021 an die Betriebe nachbezahlt. Vor der Corona-Krise galt eine übliche Karenzzeit von 2-3 Tagen.
  • Abrechnung: Nachdem die Kurzarbeit bewilligt wurde, muss der Arbeitgeber innert 3 Monaten nach Beendigung jeder Abrechnungsperiode das Formular «Antrag und Abrechnung der Kurzarbeitsentschädigung» bei der Arbeitslosenkasse einreichen. Wird das Formular verspätet eingereicht, erlischt der Leistungsanspruch. 
  • Sozialversicherungsbeiträge: Arbeitgeber müssen die vollen Sozialversicherungsbeiträge (AHV/IV/EO/ALV) auf 100 Prozent des Lohns (entsprechend der normalen, vereinbarten Arbeitszeit) an die Arbeitnehmer entrichten. Die Arbeitgeberanteile dieser Beiträge werden dem Arbeitgeber jedoch aktuell von der Arbeitslosenkasse für die Ausfallzeiten via Kurzarbeitsentschädigung rückvergütet. Wenn nichts anderes vereinbart wurde, können die Beitragsanteile der Angestellten auf Basis des 100 Prozent-Lohns abgezogen werden.

Auch während der Corona-Massnahmen gilt:

  • Zeitpunkt Auszahlung und Vorschuss: Arbeitgeber müssen 80 Prozent des Verdienstausfalls fristgerecht auf Ende Monat als Lohn an die Angestellten auszahlen, obwohl sie die Kurzarbeitsentschädigung von der Arbeitslosenversicherung erst im Folgemonat erhalten. Hierfür können Arbeitgeber, die mit Liquiditätsengpässen zu kämpfen haben, bei der Arbeitslosenkasse Vorschüsse beantragen.

Rechte und Pflichten der Arbeitnehmer

Seit dem 1. Juli 2021 müssen Angestellte in Kurzarbeit keine Zwischenbeschäftigung mehr suchen. Auch nicht bei länger andauernder Kurzarbeit. Dies wurde vor der Covid-Pandemie entschieden und gilt somit unabhängig allfälliger Covid-Massnahmen. Wenn eine Person freiwillig eine Zwischenbeschäftigung ausführt, hat sie Anspruch auf die volle Kurzarbeitsentschädigung – also ohne Abzug des Einkommens von der Zwischenbeschäftigung. 

Arbeitnehmende können die Kurzarbeitsentschädigung ablehnen. Nicht restlos geklärt ist die Frage, ob Angestellte in der Corona-Ausnahmesituation nach einer Ablehnung der Kurzarbeit Lohn vom Arbeitgeber zugute haben oder nicht. Zudem besteht für sie ein erhöhtes Risiko, die Kündigung zu erhalten. Während der Corona-Krise kann der Arbeitgeber selber in der Voranmeldung bestätigen, dass die gemeldeten Arbeitnehmenden mit der Kurzarbeit einverstanden sind.   

Kurzarbeit kann mit Weiterbildung verbunden werden, sofern die Kurse nicht nur im Interesse des Arbeitgebers liegen, sondern den Angestellten auch bei einem Stellenwechsel nützlich sind. 

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