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Kurzarbeit während der Corona-Krise

Der Coronavirus beeinflusst nicht nur das alltägliche Leben, sondern auch die Wirtschaft stark. Deshalb hat der Bund im Rahmen der COVID-19-Verordnung die Regelung zur Kurzarbeit angepasst. Wir geben Antworten auf folgende Fragen:

Was heisst Kurzarbeit?

Kurzarbeit ist eine wirtschaftlich bedingte, unvermeidbare und vorübergehende Reduktion der vertraglichen Arbeitszeit um mind. 10% für alle, oder Gruppen von Arbeitnehmern in einem Unternehmen. Zweck der Kurzarbeit ist die Erhaltung der Arbeitsplätze. Kurzarbeit kann unterschiedliche Ausmasse annehmen: Von der linearen Kürzung der täglichen Arbeitszeit bis hin zur monatelangen Schliessung des Betriebes oder einzelner Abteilungen, ist alles möglich. Der Arbeitsausfall muss kontrollierbar sein. Der Betrieb muss also über eine individuelle Arbeitszeiterfassung verfügen.

Ein Arbeitsausfall, der zum üblichen Betriebsrisiko gehört oder durch typische saisonale Schwankungen verursacht wird, ist keine Kurzarbeit.

Umfang der Entschädigung

Per 1. September 2020 wurde die Höchstbezugsdauer für Kurzarbeitsentschädigung von ursprünglich 12 auf 18 Monate verlängert. Die Entschädigung beträgt 80% des versicherten Verdienstausfalls (von max. 12 350 Franken pro Monat; Stand 2020).

Wer hat Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung?

Mit wenigen Ausnahmen haben alle von Kurzarbeit betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Anspruch auf Entschädigung der Arbeitslosenversicherung.

Wenn Sie von Kurzarbeit betroffen sind, haben Sie Anspruch auf Leistungen aus der ALV selbst dann, wenn Sie die 12 Monate Beitragszeit an die ALV nicht erfüllt haben.

Keinen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung haben folgende Personen:

  • Angestellte, die bereits eine AHV-Rente beziehen
  • Aushilfen, die auf Abruf eingesetzt werden und deren Pensum um mehr als 20 Prozent im Jahr schwankt
  • Personen in gekündigtem Arbeitsverhältnis (sie können dem Arbeitgeber gegenüber auf dem vollen Lohn beharren)
  • Personen mit arbeitgeberähnlicher Stellung im Unternehmen und deren Ehegatten, die auch im gleichen Betrieb arbeiten
  • Lernende (sie dürfen nicht auf Kurzarbeit gesetzt werden)
  • Temporärangestellte
  • Angestellte mit einem befristeten Arbeitsvertrag, der nicht vorzeitig kündbar ist

Als Arbeitnehmer haben Sie das Recht, Kurzarbeit zu verweigern. Sie haben dann Anspruch auf den vollen Lohn, müssen aber ev. mit einer Kündigung rechnen.

Was sind die Rechte und Pflichten bei Kurzarbeit?

Im Rahmen der Corona-Massnahmen des Bundes wurden verschiedene normalerweise bei Kurzarbeit geltende Pflichten vorübergehend bis Ende Dezember 2020 gelockert, andere wieder eingeführt:

Rechte und Pflichten der Arbeitgeber

  • Voranmeldung: Bis Ende Mai 2020 konnten Arbeitgeber sofort Kurzarbeit beantragen. Seit 1. Juni gilt wieder die übliche Voranmeldefrist von mindestens 10 Tagen.
  • Bewilligungsdauer: Seit 1. September gilt wieder eine maximale Bewilligungsdauer von 3 anstatt von 6 Monaten. Eine neue Voranmeldung muss eingereicht werden, wenn Arbeitgeber eine Bewilligung haben, die ab 1. September älter ist als 3 Monate ist.
  • Karenzzeit: Bis Ende August 2020 entfiel vorübergehend die Karenzzeit und Arbeitnehmer wurden sofort von der Arbeitslosenkasse entschädigt. Per 1. September 2020 bis Ende Dezember 2020 müssen Arbeitgeber die Lohnkosten wieder für einen Tag selbst tragen. Vor der Corona-Krise galt eine Karenzzeit von 2-3 Tagen.
  • Abrechnung: Nachdem die Kurzarbeit bewilligt wurde, muss der Arbeitgeber innert drei Monaten nach Beendigung jeder Abrechnungsperiode das Formular "Antrag und Abrechnung der Kurzarbeitsentschädigung" bei der Arbeitslosenkasse einreichen. Wird das Formular verspätet eingereicht, erlischt der Leistungsanspruch.
  • Sozialversicherungsbeiträge: Arbeitgeber müssen die vollen Sozialversicherungsbeiträge (AHV/IV/EO/ALV) auf 100 Prozent des Lohns (entsprechend der normalen, vereinbarten Arbeitszeit) an die Arbeitnehmer entrichten. Die Arbeitgeberanteile dieser Beiträge werden dem Arbeitgeber jedoch aktuell von der Arbeitslosenkasse für die Ausfallzeiten via Kurzarbeitsentschädigung rückvergütet. Wenn nichts anderes vereinbart wurde, können die Beitragsanteile der Angestellten auf Basis des 100 Prozent-Lohns abgezogen werden.

Auch während der Corona-Massnahmen gilt:

  • Zeitpunkt Auszahlung und Vorschuss: Arbeitgeber müssen 80 Prozent des Verdienstausfalls fristgerecht auf Ende Monat als Lohn an die Angestellten auszahlen, obwohl sie die Kurzarbeitsentschädigung von der Arbeitslosenversicherung erst im Folgemonat erhalten. Hierfür können Arbeitgeber, die mit Liquiditätsengpässen zu kämpfen haben, bei der Arbeitslosenkasse Vorschüsse beantragen.

Rechte und Pflichten der Arbeitnehmer

Arbeitnehmer, die von längerem Arbeitsausfall betroffen sind, müssen eine ihnen zugewiesene zumutbare Zwischenbeschäftigung annehmen und gegebenenfalls auch aktiv nach einer Zwischenbeschäftigung suchen. Eine Weigerung kann mit Abzügen bei der Kurzarbeitsentschädigung bestraft werden. 

Arbeitnehmende können die Kurzarbeitsentschädigung ablehnen. Nicht restlos geklärt ist die Frage, ob Angestellte in der Corona-Ausnahmesituation nach einer Ablehnung der Kurzarbeit Lohn vom Arbeitgeber zugute haben oder nicht. Zudem besteht für sie ein erhöhtes Risiko, die Kündigung zu erhalten. Während der Corona-Krise kann der Arbeitgeber selber in der Voranmeldung bestätigen, dass die gemeldeten Arbeitnehmenden mit der Kurzarbeit einverstanden sind.   

Kurzarbeit kann mit Weiterbildung verbunden werden, sofern die Kurse nicht nur im Interesse des Arbeitgebers liegen, sondern den Angestellten auch bei einem Stellenwechsel nützlich sind. 

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