Unkenntnis schützt nicht vor Schaden bei verspäteter IV Anmeldung

Freitag, 18. März 2016

Mit der 5. IV-Revision ist die Invalidenversicherung (IV) wesentlich aktiver geworden. Der Versicherte kann bereits nach wenigen Wochen Unterstützung erhalten. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die IV ihre Leistungen nicht rückwirkend gewährt.

Wir stellen fest, dass sich Versicherte häufig sehr spät, zum Teil erst Jahre nach Beginn der Arbeitsunfähigkeit, bei der IV anmelden. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass eine Unterlassung der Meldung Konsequenzen haben kann.

Der Anspruch auf Renten besteht bereits nach einem Jahr Arbeitsunfähigkeit. Weil aber die IV frühestens sechs Monate nach der Anmeldung erste Rentenleistungen bezahlt, muss sich der Versicherte spätestens sechs Monate nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit bei der IV anmelden. Das gilt auch bei einer teilweisen Arbeitsunfähigkeit (ab 20%) und selbst dann, wenn eine Wiedereingliederung unmöglich ist.

Unterlässt der Versicherte die rechtzeitige Anmeldung, hat er die folgenden Nachteile zu tragen:

  • Die Renten werden sechs Monate nach Anmeldung gewährt. Entsprechend hat der Versicherte erst später einen Anspruch darauf (Art. 29 Abs. 1 IVG)
  • Analog dem Vorgehen der IV kann auch die Vorsorgeeinrichtung Renten erst später gewähren (BGer 9C_351/2014)

In der Regel kann sich der Versicherte nicht darauf berufen, keine Kenntnis von der fristgerechten Meldepflicht gehabt zu haben. Eine sehr seltene Ausnahme beschreibt Ziffer 2028 Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung, KSIH.

Daniel Andris, Leiter Koordination & Analyse