Bestimmungen für den Vorsorgeausgleich bei Scheidung

Was gilt es zu beachten?

Montag, 3. Oktober 2016

Bei einer Scheidung oder bei der Auflösung einer eingetragenen Partnerschaft werden die Vorsorgeansprüche aus der beruflichen Vorsorge unter den Ehegatten künftig gerechter aufgeteilt. Die neuen Gesetzesbestimmungen und die entsprechenden Verordnungsänderungen treten per 1. Januar 2017 in Kraft.

Grundsätzlich gilt immer noch, dass die während der Ehe erworbene Austrittsleistung hälftig geteilt wird. Als massgebender Zeitpunkt für die Berechnung gilt aber neu die Einleitung und nicht mehr das Ende des Scheidungsverfahrens. Neu wird die Teilung auch dann vollzogen, wenn ein Ehegatte zu diesem Zeitpunkt bereits pensioniert oder invalid ist. Je nach den Umständen beruht die Berechnung dann auf einer hypothetischen Austrittsleistung oder es wird die vorhandene Rente geteilt und in eine lebenslange Rente für den berechtigten Ehegatten umgerechnet.

Teilung einer Altersrente

Das folgende Rechenbeispiel soll den Sachverhalt veranschaulichen: Vom Richter zugesprochener Rententeil 10‘000 Franken, die Frau (60) ist jünger als der Mann (70).

 

Rente pro Jahr

Deckungskapital

 

vor Scheidung

nach Scheidung

vor Scheidung

nach Scheidung

Mann (70)

48’000

38’000

755’131

597’812

Frau (60)

-

8’242

-

157’319

Total

48’000

46’242

755’131

755’131

Die umgerechnete lebenslange Rente der 60-jährigen Frau von 8‘242 Franken ist deutlich kleiner als der zugesprochene Rentenanteil von 10‘000 Franken. Die Differenz von 1‘758 Franken erklärt sich durch die unterschiedlichen Lebenserwartungen. Wäre die Frau älter (80 Jahre), würde es sich genau umgekehrt verhalten. Deshalb wäre die umgerechnete Rente in diesem Fall deutlich höher als der zugesprochene Rentenanteil.

Die Vorsorgeeinrichtungen und Einrichtungen, welche Freizügigkeitskonten oder -policen führen (dazu gehört auch die Mobiliar), werden verpflichtet, der Zentralstelle 2. Säule jährlich alle Inhaber von Vorsorgeguthaben zu melden.

So können die Scheidungsgerichte kontrollieren, dass keine Vorsorgeguthaben der Teilung entzogen werden. Weitere Bestimmungen stellen sicher, dass während der Ehe kein Vorsorgeguthaben ohne das Wissen des Ehegatten ausgezahlt wird und bei einem Vorsorgeausgleich ein fairer Anteil an obligatorischem BVG-Altersguthaben übertragen wird. Wer bei einer Scheidung ein Vorsorgeguthaben erhält, selber aber keiner Vorsorgeeinrichtung angeschlossen ist, kann es neu an die Auffangeinrichtung BVG überweisen und später in eine Rente umwandeln lassen.

Als Übergangsregel können bestehende Renten aus bisherigen Scheidungsurteilen unter bestimmten Voraussetzungen innerhalb eines Jahres in Vorsorgerenten nach neuem Recht umgewandelt werden.

Besserstellung führt zu Mehraufwand

Die neuen Bestimmungen führen zu einem besseren Vorsorgeausgleich, insbesondere für nichterwerbstätige Personen. Sie erhöhen jedoch auch den administrativen Aufwand der Vorsorgeeinrichtungen. Gründe dafür sind insbesondere die Verwaltung der lebenslänglichen Renten von Personen, die nicht bei der Vorsorgeeinrichtung versichert sind, der Einfluss auf die Schattenrechnung sowie die Meldepflicht an die Zentralstelle 2. Säule.

Die Änderungen im Überblick

Änderungen

Vor 1. Januar 2017

Ab 1. Januar 2017

Zeitpunkt der Teilung

Ende des Scheidungsverfahrens

Einleitung des Scheidungsverfahrens

Ein Ehegatte bereits pensioniert oder invalid

Entscheid des Richters

Teilung der Rente gemäss Formel

Schattenrechnung

kein Einfluss

Anpassung ist nötig

Meldepflicht (Vorsorgeeinrichtungen)

keine Meldepflicht

Jährliche Meldung an die Zentralstelle 2. Säule

Falls Sie zu diesem sehr komplexen Thema Fragen haben oder Unterstützung in Anspruch nehmen möchten, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.