Kunstwerk Passages

Passages – Elisa Larvego und Ishita Chakraborty

Wie steht es um unsere Solidarität? Zeigen wir uns nur unter Gleichgesinnten solidarisch? Oder zeigen wir uns auch solidarisch mit Menschen, die anders leben, anders denken als wir? Klar ist: Solidarität macht eine Gesellschaft aus. Der Begriff hat mittlerweile Konjunktur – ob in der Covid-19-Pandemie, im Hinblick auf Migration oder bei politischen Abstimmungen.

Spannend wird es beispielsweise, wenn soziale Gruppen, die für gewöhnlich nicht als hilfsbedürftig gelten, in eine Krisensituation geraten und auf die Solidarität anderer angewiesen sind. Und oft findet Solidarität gerade dort statt, wo wir sie am wenigsten erwarten. Die Ausstellung Passages lotet jene Form der Solidarität aus, die an Grenz- oder Extremorten entsteht.

Elisa Larvego und Ishita Chakraborty beschäftigen sich unter Anwendung unterschiedlicher künstlerischer Praktiken mit der Thematik. An unserem Direktionsstandort in Nyon zeigen wir Werke der beiden Künstlerinnen im Dialog.

Elisa Larvego (*1984 in Carouge, lebt und arbeitet in Genf) befasst sich in ihrer fotografischen und filmischen Arbeit mit der Verbindung von Orten und Menschen. Ihr besonderes Interesse gilt Randgruppen und Randgebieten, etwa Grenzorten. So untersucht sie die Beziehungen zwischen Freiwilligen, Aktivisten und Flüchtlingen und entdeckt dabei viel Solidarität. Am Direktionsstandort der Mobiliar in Nyon zeigen wir ihre Videoarbeit Des allers vers sowie fotografische Werke.

Ishita Chakraborty (*1989 in Westbengalen, Indien, lebt und arbeitet in Zürich und Westbengalen) zeigt unter anderem ihr feinsinniges Kunstwerk Mute tongue – eine aus Keramik geformte Tonspur. Dargestellt sind Sequenzen aus einem Erfahrungsbericht von Farid, einem Migranten aus Afghanistan auf der Suche nach dem Paradies. Die Fragilität dieser Arbeit spiegelt Sensibilität und eine tiefe Solidarität mit Menschen wider, die von der Gesellschaft übersehen werden. Diesem Thema widmet sie sich in unterschiedlichsten Medien, darunter Malerei, Installation, Zeichnung, Poesie und Sound. Ishita Chakraborty war für den Prix Mobilière 2024 nominiert.

Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit dem internationalen Dokumentarfilmfestival Visions du Réel konzipiert und wird während des Ausstellungsjahrs von einem vielfältigen Programm begleitet.