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die Mobiliar

Versicherungen statt Koteletts

Früher Koteletts, heute Versicherungen: Spitzenschwinger Michael Bless hat seinen Berufswechsel gut verdaut.

Sonntag, 8. September 2019

Triumph in seiner Heimat: Michael Bless gewann beim Appenzeller Kantonalschwingfest in Stein AR seinen 84. Kranz.

Ein «Ver­si­che­rungs­hei­ni» woll­te Mi­cha­el Bless ei­gent­lich nie wer­den. Der Appenzeller war Fi­li­al­lei­ter ei­ner Metz­ge­rei in Gais, muss­te sei­nen Job aber vor sechs Jah­ren we­gen Ar­thro­se in den Fin­gern an den Na­gel hän­gen. In sei­ner Stamm­beiz leg­te er dann un­ver­hofft die Ba­sis zu sei­nem Be­rufs­wech­sel: Ein Ver­si­che­rungs­be­ra­ter der Mo­bi­li­ar mach­te ihm eine Art Schnup­per­wo­che auf der Generalagentur AusserRhoden schmack­haft. Bless sag­te zu. «Ich muss­te die Kli­schées rasch re­vi­die­ren», er­zählt der 33-Jäh­ri­ge heu­te. «Die Ar­beit ist sehr ab­wechs­lungs­reich und in­ter­es­sant.» Und weil die Che­mie zwi­schen ihm und Ge­ne­ral­agent Adri­an Künz­li auf An­hieb stimm­te, war der Ent­schluss schnell ge­fasst. Mi­cha­el Bless hat­te ei­nen neu­en Job. 

Sonn­tags­bra­ten und Ver­si­che­rungs­fra­gen

Seit über fünf Jah­ren ver­kauft Bless sei­nen Kun­den Ver­si­che­run­gen statt Ko­te­letts. Die Um­stel­lung fiel ihm zu Be­ginn schwer. «Ich stand mir auch selbst im Weg. Ich hat­te zu­nächst Be­den­ken, dass die Leu­te im­mer noch den Metz­ger in mir se­hen. Die Kom­pe­tenz­ver­mu­tung war halt eine an­de­re.» Frü­her habe er zu Sonn­tags­bra­ten be­ra­ten, nun plötz­lich in Ver­si­che­rungs­fra­gen. «Ich habe aber schnell ver­ges­sen, dass ich ein­mal Metz­ger war.» Sei­ne Kun­den auch. Bless über­zeug­te sie rasch von sei­nen neu­en Kom­pe­ten­zen.

Der 86­fa­che Kranz­ge­win­ner ist ei­nes der Aus­hän­ge­schil­der der Ap­pen­zel­ler Schwin­ger­sze­ne. Sei­ne Be­kannt­heit sei be­ruf­lich zwar kein Nach­teil. «Ich kom­me schnel­ler mit den Leu­ten ins Ge­spräch, weil man mich im Dorf halt schon kennt.» Ei­nen Pro­mi-Bo­nus gebe es aber nicht. «Es ist nicht so, dass mich die Leu­te an­ru­fen und un­be­dingt eine Ver­si­che­rung von mir wol­len.»

Weniger Feste, mehr Erholung

Das Nebeneinander von Spitzensport, Beruf und Familie verlangt ein straffes Zeitma­nagement. Michael Bless arbeitet auch im Jahr des «Eidgenössischen» vollzeit. So kommt es vor, dass er um 8 Uhr bereits ein Krafttraining hinter sich hat. 2019 ist für Bless besonders dicht befrachtet. Ende Januar kam sein zweites Kind zur Welt, vor kurzem stand die Prüfung zum Finanzplaner an.

Um das Fuder nicht zu überladen, beschränkt sich Bless dieses Jahr auf 12 bis 15 Feste. «So bleibt mehr Zeit für die Regeneration», erklärt der 33-Jährige, der seinem Körper heute mehr Erholung gönnen muss als früher.

Tattoos und Nasenrümpfer

Michael Bless sorgt auf dem Schwingplatz nicht nur mit guten Leistungen für Aufse­hen. Auch seine Tätowierungen fallen auf. Sein Faible für Körperkunst kommt nicht überall gleich gut an. Konservative Kreise im Eidgenössischen Schwingerverband rümpfen die Nase und haben ihn auch schon öffentlich dafür kritisiert. «Wenn der Verband keine anderen Sorgen hat, geht es ihm wirklich gut», meint Bless, den sol­che Kritik kalt lässt. «Meine Tattoos sind eine Art Tagebuch. Sie erinnern mich an Geschichten aus meinem Leben.» Der Säntis, das Aus­serrhoder Kantonswappen und die winzigen Fussabdrücke seiner Kinder sind nur einige Sujets, die seinen muskulösen Körper zieren.

Der ehemalige Metzger verkauft seinen Kunden heute Versicherungen statt Koteletts.