Heinz Aeschlimann: Wie Gussasphalt verbindet

Heinz Aeschlimann baut Brücken – nicht nur im herkömmlichen Sinn. Das nimmermüde Multitalent ermöglicht mittellosen internationalen Künstlern einen Neuanfang.

Künstler und Unternehmer Heinz Aeschlimann: «Das eine geht nicht ohne das andere.»

Heinz Aeschlimann ist ein Tausendsassa. Unternehmer, Künstler, Tüftler. Der 71­Jährige sprüht vor Tatendrang. Als Unternehmer und Künstler gleichermassen. «Das eine geht nicht ohne das andere», sagt der gebürtige Berner. Seine Leidenschaften haben ein verbindendes Element: den Gussasphalt. Er entwickelte eine eigene Mischung, die es ermöglicht, auch Skulpturen daraus zu kreieren. Als Künstler arbeitet Aeschlimann ausserdem hauptsächlich mit Stahl und experimentiert mit nahezu allen Materialien.

Der Gussasphalt-Guru

Mit der Aeschlimann Strassenbau AG, 1936 von seinem Vater in Zofingen gegründet, hat alles angefangen. Die Firma erarbeitete sich rasch einen internationalen Ruf. Seit über 40 Jahren konzipiert Aeschlimann spezielle Belagskonstruktionen für Brücken und Tunnel. Auch der Gubristtunnel­Belag ist made by Aeschlimann.

Projekte überall auf der Welt

12 Patente laufen auf Aeschlimanns Namen. Nach dem Verkauf des Familienunternehmens vor acht Jahren spezialisierte er sich auf die Entwicklung von dünnem Gussasphalt im Brückenbau. Er ist eine Art Guru auf dem Gebiet, sein Rat weltweit gefragt. Im Sommer wurde die grösste Meeresbrücke der Welt fertiggestellt. Das 30 Kilometer lange Bauwerk verbindet Hongkong mit Zhuhai und Macau. Der spezielle Brückenbelag: von Heinz Aeschlimann entwickelt. Die nächsten Projekte warten schon – in Polen, der Ukraine, China.

Brückenbauer der Kunst

Heinz Aeschlimann ist auch im übertragenen Sinn ein Brückenbauer und steht für viele Neuanfänge. 2005 rettete er die ehemalige Psychiatrie neben dem Kloster im luzernischen St. Urban vor dem Abriss und erweckte sie zu neuem Leben. Seither beherbergt das Gebäude das Zentrum für Kunst und Kultur «art­st­urban» mit vielfältigen Ausstellungen internationaler Künstler – und ein Förderprogramm für Jungkünstler.

Förderung von jungen Künstlern

In diesem Projekt steckt besonders viel Herzblut. Seit 15 Jahren ermöglichen Heinz Aeschlimann und seine Frau Gertrud jungen, begabten internationalen Studentinnen und Studenten der Kunst eine einzigartige Plattform, um als eigenständige Künstler zu reüssieren. Die meisten haben bereits einen Bachelor oder einen Master in der Tasche. Doch die Herstellung von Skulpturen ist teuer. «Weil ihnen das Geld fehlt, stehen sie nach dem Studium meist vor dem Nichts», sagt Aeschlimann. Bisher profitierten 62 junge Menschen im Alter zwischen 22 und 28 Jahren von dieser Starthilfe. Viele von ihnen schafften danach in ihrer Heimat den Durchbruch und können heute von ihrer Kunst leben. Der Kontakt bleibt, viele kommen immer wieder zurück in die ländliche Idylle St. Urbans. «Sie sind so etwas wie unsere Kinder. Wir werden zu ihren Hochzeiten eingeladen.»

Völkerverständigung inklusive

Zweimal pro Jahr beherbergen und coachen die Aeschlimanns während acht Wochen hoffnungsvolle Nachwuchskünstler – immer eine Frau und einen Mann. Motto: «Ost trifft West»; zum Beispiel ein Amerikaner und eine Chinesin oder eine Russin und ein Südafrikaner.

Mit neuen Materialien experimentieren

Unter Aeschlimanns Obhut lernen die jungen Menschen, mit neuen Materialien zu experimentieren. Etwa Industriegummi, Bitumen, Bergbahnseil und natürlich: Gussasphalt! Dem Material, mit dem er es zu weltweitem Renommee gebracht hat. Als Künstler und Unternehmer. Seine eigenen Skulpturen stehen rund um den Globus. In Peking, Vancouver, New York, Dubai oder Chicago.

«Ein global denkender und innovativer Menschenfreund»

Anders sein. Das ist Heinz Aeschlimanns Leitmotiv. Diese Botschaft vermittelt er auch seinen Kunststudenten. Eine Widmung auf einem Geschenk zu seinem 70. Geburtstag bringt seine Persönlichkeit auf den Punkt: Er sei ein «global denkender und innovativer Menschenfreund», steht zu lesen.