Ein Funken Hoffnung in der Mietwohnung

Wie die Familie Ebinger trotz schwerem Schicksalsschlag die Hoffnung nicht verliert

Das Unwetter im Raum Zofingen zerstört das Haus von Brigitta und Peter Ebinger fast vollständig. Mehrere Monate leben sie in einer Übergangswohnung. Das Paar durchlebt schwierige Zeiten – nicht nur wegen ihrem Haus.

Das Ehepaar Ebinger mit Hündin Joya kämpft darum, bald wieder in die eigenen vier Wände zu ziehen.

Die gespendeten Handtücher im Badezimmer stapeln sich in zwei Reihen säuberlich in einem Mobiliar Umzugskarton. Im kleinen Vorratsraum sind ein paar Lebensmittel verstaut, teilweise ebenfalls in Umzugskisten. «Wir wollen sofort bereit sein, wenn wir wieder in unser Haus dürfen», erklärt Brigitta Ebinger.

Am 8. Juli 2017 ist das Zuhause von Brigitta und Peter Ebinger in Mühlethal AG stark zerstört worden. Seitdem wohnt das Ehepaar mit ihrer Hündin Joya in einer Mietwohnung in der Nähe ihres Hauses. Die Kosten für die Miete bezahlt die Mobiliar. «Wir sind froh, dass eine Bekannte eine 3½-Zimmer-Wohnung in ihrem Bauernhof-Haus frei hatte. Ein Bett und das Sofa schenkten uns ebenfalls Bekannte. Vieles hat uns der Schlamm kaputt gemacht.»

Das Unwetter war nicht der einzige Schicksalsschlag für das Ehepaar Ebinger: Ihr einziges Kind verloren sie im vergangenen Jahr 28-jährig durch eine schwere Krankheit. «Die Fotos, das Zimmer unserer Tochter im zweiten Stock, die Zeichnungen, das konnte uns das Unwetter zum Glück nicht nehmen.»

Das Paar war machtlos gegen die enormen Schlamm- und Wassermassen, verursacht durch rekordverdächtige Regenfälle in der Region Zofingen. Ein Baumstamm raste ungebremst durch die dicke Betonmauer. Das grosse Loch im Badezimmer ist behelfsmässig abgedeckt. Mithilfe eines Besens wird die von draussen angebrachte Styroporscheibe fixiert.

Die zentimeterhohe Schlammschicht sieht man nur noch auf Fotos. Sichtbar ist der zerstörte Parkettboden, der vom Ehepaar eigens verlegt wurde. «Wir haben viel Liebe und Kraft in dieses Haus gesteckt, das wir vor 35 Jahren gekauft haben. Wir haben eigenhändig renoviert und umgebaut. Hier stecken die Erinnerungen an unser Leben, an unsere geliebte Tochter.»

Die beiden wollen ihre Zuversicht behalten. «Wir haben einander und das ist das Wichtigste.» Peter Ebinger lächelt plötzlich: «Zum Glück ist unser Hausrat anständig versichert. Die erste Frage von der Mobiliar war, wie viel Vorschuss wir brauchen. Ohne grosses Drumherum-Gerede.»

Eine Rückkehr ins eigene Haus bis Weihnachten ist laut Gutachtern ausgeschlossen: Mindestens bis Februar bleibt das Paar in der Übergangswohnung. Hündin Joya legt sich neben das Paar. Jetzt lächelt auch Brigitta Ebinger ein wenig. «Sie ist unser Star und freut sich immer über Besuch, auch in unserer Mietwohnung.»

Autorin: Leilah Ruppen
Fotografin: Iris Stutz

Ungebremst donnerte ein Baumstamm ins Bad. Ein Totalschaden.