Der Herr der Schwingerhosen

Paul Eggimann – Emmentaler Sattlermeister und Kunde der Mobiliar

Mittwoch, 24. August 2016

Die Hosen des Emmentaler Sattlermeisters und Mobiliar Kunden Paul Eggimann gehören zum «Eidgenössischen», wie der Siegermuni und der Gabentempel. Sein Name ist in der Schwingszene zu einem Gütesiegel geworden.

Das Schweizer Fernsehen war kürzlich bei ihm zu Gast, und auch ausländische TV-Stationen interessierten sich schon für sein spezielles Handwerk. Der 60-jährige Emmentaler Sattlermeister Paul Eggimann ist für ein wichtiges Accessoire im Sägemehlring zuständig: Er ist der Herr der Schwingerhosen. Mitte März hat er den Verantwortlichen des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests in Estavayer (26. bis 28. August 2016) die 100 Paar Hosen in drei Grössen übergeben, die sie vor einem Jahr bei ihm bestellt hatten. Je 50 helle und dunkle, damit die Zuschauer die Sportler im Zweikampf auseinander halten können.

Überschaubare Konkurrenz

Seit beinahe 20 Jahren klopfen die Organisatoren des «Eidgenössischen» ausschliesslich an Eggimanns Türe in Grünen, einem Weiler in der Gemeinde Sumiswald BE. Sein Name ist in der Schwingszene über die Jahre zu einem Gütesiegel geworden. Rund 20 Schwingklubs aus der ganzen Schweiz gehören zu seinen Kunden. «Ich habe aber kein Monopol», sagt Eggimann, der kein Problem damit hätte, wenn die Schwingerhosen für das «Eidgenössische» auch mal anderswo hergestellt würden. Die Konkurrenz ist allerdings überschaubar: In der Schweiz gibt es nur drei Hersteller solcher Textilien. Rund ein Viertel seiner Arbeitszeit verwendet Eggimann auf sein Spezialgebiet. Pro Jahr entstehen unter seinen Händen 150 bis 200 Paar Hosen aus dickem Leinenstoff.

Eigenproduktion von A bis Z

Die Hosen – inklusive Gürtel – fertigt Eggimann von A bis Z selber an: Vom Zuschneiden des Stoffs bis zum letzten Fadenstich. Über zwei Stunden braucht er für ein Paar. Bei den heiklen Stellen fährt er mit seiner Nähmaschine bis zu sechs Mal hin und her. Schliesslich müssen Schwinghosen einiges aushalten. «Mit meinen Hosen könnte man einen Lastwagen abschleppen», sagt der Emmentaler nicht ohne Stolz.

Eggimann sieht seine Hosen auch regelmässig im Einsatz. Er zeigt sich nicht nur gerne an Schwingfesten, sondern besucht auch oft Trainings in der Region. Und betreibt so nebenbei auch etwas Marketing in eigener Sache. «Auf diese Weise bin ich schon zum einen oder anderen Auftrag gekommen.»

In der Werkstatt aufgewachsen

Den Betrieb hat Paul Eggimann von seinem Vater übernommen, der die Sattlerei 1945 gegründet hatte. Mit der Werkstatt gingen auch die Schnittmuster für die Schwingerhosen in die Hände des Sohnes über. Paul war seinem Vater schon als Schulbub oft zur Hand gegangen. «Ich bin quasi in der Werkstatt aufgewachsen.» Der Berufsweg war früh vorgezeichnet. Ein Berufsweg, den heute praktisch keine Jungen mehr einschlagen. Die Aufträge für einen Sattler sind rar geworden.

Diese Erfahrung musste auch der Familienbetrieb in Grünen machen. «Die Armee war lange der wichtigste Auftraggeber», erzählt Eggimann. «Früher bestand grosser Bedarf an Lederwaren: Brotsäcke, Rucksäcke, Gürtel oder edle Fourier-Mappen.» Anfang der Nullerjahre seien diese Aufträge allerdings drastisch zurückgegangen. Auch Pferdegeschirr und Ledersättel – in den 50er und 60erJahren eine wichtige Einnahmequelle – sind heute nicht mehr so gefragt.

Erfolgreich umgesattelt

Paul Eggimann musste umsatteln und spezialisierte sich auf Schwingerhosen. Aber auch viele kunstvoll gestickte Riemen für Glocken und Treicheln in den Gabentempeln an Schwingfesten landauf landab stammen aus seiner Hand. Ausserdem restauriert der Sattler Kunstledersitze für alte Jeeps oder polstert alte Möbel und haucht ihnen damit neues Leben ein.

Eggimann ist sich bewusst, dass seine Berufsgattung vom Aussterben bedroht ist. «Viele Sattler haben bereits aufgehört.» Auch was seine eigene Nachfolge betrifft, macht sich der 60-jährige Junggeselle nichts vor. «In einigen Jahren wird es meinen Betrieb wohl nicht mehr geben», sagt er etwas wehmütig. Mit 65 werde aber bestimmt noch nicht Schluss sein. Es dürfen sich also noch einige «Eidgenössische» auf Schwingerhosen der Marke Eggimann freuen.