Cyrill Blülle: Flexibel und mobil dank wenig Besitz

Cyrill Blülle startet bereits mit 25 Jahren beruflich nochmals neu. Um flexibel zu bleiben, lebt der angehende Zollfachmann mit wenig Besitz in einem Kleinhaus.

Flexibel bleiben: Cyrill Blülle vor dem gemieteten Kleinhaus.

Die Einrichtung im Kleinhaus ist minimalistisch: keine Bilder oder Fotos an den Wänden, keine Teppiche am Boden, kaum Möbel. Einziger Blickfang ist eine über zwei Meter grosse schwarze Wanduhr im Entrée. «Ich achte darauf, das zu besitzen, was ich wirklich brauche», kommentiert Cyrill Blülle die Einrichtung.

Der 25­-Jährige ist gelernter Lebensmitteltechnologe. Nach seiner dreijährigen Ausbildung macht Cyrill Blülle als Durchdiener im Militär den Rettungsunteroffizier. Zwei Jahre später beendet er seine Ausbildung im Detailhandel und erlangt zeitgleich das höhere Wirtschaftsdiplom. Seine Zukunft sieht der junge Mann aber nicht im Detailhandel.

Vom stellvertretenden Marktleiter zum Zollfachmann

Anfang August entscheidet sich der Aargauer, der bis dato stellvertretender Marktleiter der Migros Fislisbach (AG) war, für eine berufliche Neuorientierung: Cyrill Blülle hofft auf neue Karrierechancen und macht die Berufsausbildung zum Zollfachmann. «Diese Neuorientierung bringt ihre Hürden mit sich, das weiss ich. Die Ausbildung beinhaltet sehr viel Lernstoff.»

Gestartet wird mit 7 von insgesamt 31 Wochen Schule in Liestal (BL). Danach fängt der praktische Teil auf der Zollstelle St. Jakob an. Dort wird er 73 Wochen stationiert sein. In seiner Funktion kontrolliert er die Handelsware, die in die Schweiz kommt. Er prüft, ob die eingeführten Güter korrekt angemeldet sind, und setzt die Abgaben fest.

Weil die eidgenössische Zollverwaltung ein Transformationsprogramm durchläuft, ist nicht klar, wie Cyrill Blülles Job in ein paar Jahren aussehen wird. Das findet er spannend: «Mir stehen viele Wege offen, etwa Zollexperte, die Spezialisierung auf einem Gebiet oder auch, in einer anderen Sprachregion zu arbeiten.»

Aufgewachsen ist der 25­-Jährige auf dem Mutschellen (AG), das sind 22 Kilometer Entfernung von seinem jetzigen Wohnort in Lenzburg. Ausser dem Gebimmel der Schaf­ glöckchen und etwas Mäh und Bäh hört man in der Umgebung praktisch nichts. Das passt: Cyrill Blülle ist ein Mensch, der gerne seine Ruhe hat und abschalten will.

Rezept fürs Ausmisten

Weil er nicht weiss, was im Job auf ihn zukommt, muss er flexibel und mobil sein. Mit wenig Besitz geht es am einfachsten, den Wohnort möglichst effizient zu wechseln. Als er aus seinem Elternhaus auszieht, nimmt er deshalb nur wenige Sachen mit. Wenn er mal ausmisten muss, hat er ein einfaches System: «Ich nehme den Gegen­ stand in die Hand und frage mich, ob ich diesen in den letzten paar Jahren gebraucht habe.» Wenn das nicht der Fall ist, gibt er ihn weiter – oder wirft ihn weg.

Zu seinem minimalistischen Lebensstil passt das im Erstbezug gemietete Minergie Haus mit vier Meter Breite und 11,65 Meter Länge. Trotz 75 Quadratmeter Wohnfläche sieht das Haus von draussen aber eng aus. Ein Velo hätte keinen Platz. Einen Abstell­ raum oder Keller gibt es nicht.

Im Moment passt aber alles so wie es ist: «Ich bin viel unterwegs.»