Wohnwelt

Umbauen mit kleinem Budget

Mit klaren Prioritäten, einer guten Planung, etwas Eigenleistung und geschickt ausgewählten Alternativen lässt sich viel Geld sparen.

KOSTEN
19.01.2022
4 MIN. LESEZEIT

Wie kann ich meine Umbauträume verwirklichen, ohne mich gleich in Unkosten zu stürzen? Diese Frage stellen sich viele Eigenheimbesitzer, wenn es darum geht, sich in seinen eigenen vier Wänden zu verändern. Dabei müssen hochwertiges Umbauen und tiefe Kosten nicht unbedingt ein Widerspruch sein.

 

Erstellen Sie eine Prioritätenliste

Auch wenn es weh tut: Wollen Sie die Kosten tief halten, müssen Sie als erstes vermutlich Ihre Wunschliste kürzen. Erstellen Sie dazu am besten eine Tabelle mit verschiedenen Kategorien für die einzelnen Wünsche. Die Wichtigste ist sicher die Notwendigkeit (wo besteht dringender Renovierungsbedarf?). Fügen Sie ganz individuell weitere Faktoren hinzu wie Nachhaltigkeit, Optik, Wohlfühleffekt oder langfristige Einsparungen. Geben Sie den einzelnen Umbauwünschen dann in jeder Kategorie Punkte.

Nun müssen Sie entscheiden, wie Sie die Kategorien gewichten wollen. Dafür müssen Sie keine Excel-Tabelle erstellen. Als erste Entscheidungsgrundlage reicht es, wenn Sie Punkte der wichtigsten Kategorie verdoppeln und jene in den unwichtigen Kategorien halbieren. Zählen Sie alle Punkte pro Umbauwunsch nun zusammen.

Fügen Sie eine weitere Spalte für die Kosten hinzu. Schätzungen dazu erhalten Sie am besten durch Gespräche mit anderen Bauherr:innen, Architekt:innen oder Handwerker:innen.

Vergleichen Sie die Gesamtpunkte pro Wunsch nun mit dessen groben Kosten. Sie erhalten so ein Preis-Leistungsverhältnis für Ihre Low-Budget-Sanierung und können streichen, was abfällt. Wobei streichen hier das falsche Verb ist: Reden Sie lieber von verschieben.

 

Mehr Raum auf demselben Platz

Ein Eingriff in die Gebäudestruktur ist meist aufwändig und teuer. So sind eine neue Treppe oder ein Anbau sofort grosse Kostenfaktoren. Oft steht dahinter der Wunsch, mehr Platz und grössere Räume zu schaffen. Dafür muss aber nicht immer gleich die Gebäudehülle verändert werden. Eine offene Raumgestaltung – beispielsweise durch die Zusammenführung von Küche und Wohnzimmer – schafft ein komplett neues Raumgefühl, ohne dass Sie in die Grundstruktur Ihres Hauses oder Ihrer Wohnung eingreifen. Ein sehr günstiger und wirkungsvoller Effekt für optischen Raumgewinn sind auch Schiebetüren. Ersetzen Sie nicht-tragende Wände durch Schiebetüren, verbinden diese verschiedene Räume und sind flexibel. Haben Sie Gäste, können Sie die Zimmer zum Beispiel öffnen, sind mehrere Familienmitglieder daheim, können Sie die Räume zum Lesen, Essen oder Fernsehen trennen.

Ist ein Eingriff in die Gebäudestruktur unumgänglich, lohnt es sich, modulare Lösungen mit vorgefertigten Einzelteilen zu prüfen. Im Allgemeinen kann ein hoher Vorfertigungsgrad zu grossen Zeit- und Kosteneinsparungen führen.

 

Prüfen Sie Alternativen

Bei der Wahl von Baustoffen und Material sind Ästhetik, Nachhaltigkeit und Praktikabilität entscheidende Faktoren. Produkte, welche allen Ansprüchen gerecht werden möchten, sind tendenziell kostspielig. Prüfen Sie hier unbedingt neue, unkonventionelle und oft auch günstigere Alternativen auf dem Markt. So erfüllen beispielsweile Hobelspäne als Dämmmaterial oder Alutrapezblech als Dachverkleidung praktische und ästhetische Ansprüche. Fragen Sie Ihre Handwerker:innen explizit nach Alternativen und Rohstoffen aus der Natur. Vorsicht ist jedoch bei Billigprodukten geboten. Nicht selten weisen diese qualitative Mängel auf und erfordern nach nur kurzer Einsatzdauer kostspielige Reparaturen. Seien Sie kritisch und wagen Sie keine Experimente mit unerprobten oder auffällig günstigen Baustoffen von Discountern oder aus dem Baumarkt.

 

Arbeitsstunden gehen ins Geld

Wer ein begrenztes Budget zu Verfügung hat, muss sich bei der Planung besonders viel Zeit nehmen. Ein grosser Kostentreiber sind die Handwerker:innen. Es ist deshalb erstmal entscheidend, dass Sie verschiedene Offerten einholen. Ganz wichtig ist danach die sorgfältige Planung des Umbaus: Wenn Sie es schaffen, die Bauzeit kurz und die Abläufe reibungslos zu halten, haben die Handwerker wenig Leerzeiten und es stehen am Ende weniger Arbeitsstunden auf der Rechnung. Ein Faktor, welcher das schmale Budget zusätzlich schont, ist ein hohes Mass an Eigenleistung. So können auch ungeübte Laien beispielsweise Malerarbeiten übernehmen und damit die Personalkosten senken. Für handwerklich Geübte stehen die Möglichkeiten des Do-it-yourself beim Umbau weit offen und reichen bis hin zu ganzen Zimmern selbst renovieren. Wichtig ist dabei, dass Sie die eigenen Fähigkeiten realistisch abschätzen und nur jene Arbeitsschritte selbst ausführen, die Sie wirklich in der gewünschten Qualität umsetzen können und die keine Risiken bergen.

 

Planen Sie langfristig

Bei der Beurteilung der Kosten dürfen Sie nicht nur an die unmittelbare Umbauabrechnung denken. Der Wert einer Investition zeigt sich meist erst nach Jahren. Das beste Beispiel sind alle Investitionen in Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. So verursacht der Bau einer Photovoltaikanlage zwar auf den ersten Blick hohe Kosten, doch langfristig sparen Sie durch den eigenen Strom Geld ein. Je nach Energieverbrauch und Dämmung kann eine Solaranlage nach 5 bis 15 Jahren amortisiert sein. Zudem werden energetische Sanierungen finanziell belohnt. Bereits der Ersatz von fossilen oder konventionell-elektrischen Heizsystemen oder eine neue, nachhaltige Wärmedämmung der Gebäudehülle werden in vielen Kantonen mit Förderbeiträgen honoriert. Achten Sie bei Ihren Umbauplänen also nicht nur auf das Preisschild, rechnen Sie langfristig und schonen Sie damit nicht nur die Umwelt, sondern auch Ihr Portemonnaie.