Wohnwelt

Wie die neue Küche gleichzeitig gestylt und praktisch wird

Eine Küche hält 15 bis 25 Jahre. Mit unseren Tipps entscheiden Sie bei Design, Ergonomie und Effizienz so, dass die Freude möglichst lange anhält.

INSPIRATION
22.02.2022
5 MIN. LESEZEIT

Die Küche gilt als das Herz eines Zuhauses. Sie ist Arbeitsort, Treffpunkt und Stehbar. Sie ist Status und Statement, mit ihr zeigen Sie Geschmack und Leidenschaft. Und darum denken die meisten beim Planen der neuen Küche sofort an Designs oder an Highend-Geräte wie einen ins Kochfeld integrierten Abzug oder eine moderne Grillplatte. Das ist in der Tat wichtig für die perfekte Wohlfühlküche und professionelle Köche. Zuallererst muss die Küche allerdings praktisch sein.

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In einer gut geplanten Küche legt eine Durchschnittsperson pro Jahr 75 Kilometer zurück. In einer schlecht Geplanten sind es mit 189 Kilometern mehr als doppelt so viele. Darum geht es in einem ersten Schritt vor allem um Effizienz.

Das zeigt das Beispiel der einfachsten (und vielleicht besten) Tomatensauce der Welt nach Küchenkönigin Marcella Hazan. Es braucht dazu Pelati, Butter, Zwiebeln, Salz. So kurz das Rezept, so lang der Weg zur Sauce. Die Schritte: Pfannenschublade, Vorratsschrank, Kühlschrank, Besteckschublade, Zwiebeldose, Arbeitsfläche, Kompostkübel, Gewürzfach, Abwaschbecken. In der selbst geplanten Küche des Autors bedeutet das inklusive Abwaschen und Aufräumen: 11 Türen öffnen und wieder schliessen, mindestens 24 Meter laufen, zweimal Bücken und zweimal Strecken. In einer gut geplanten Küche legt eine Durchschnittsperson pro Jahr 75 Kilometer zurück. In einer schlecht Geplanten sind es mit 189 Kilometern mehr als doppelt so viele. Darum geht es in einem ersten Schritt vor allem um Effizienz. Diese beginnt beim Grundriss.

 

Der Grundriss der Küche

Bei Umbauten und Renovationen von Küchen sind die Platzverhältnisse oft vorgegeben. Stellen Sie sich trotzdem die Grundsatzfrage: Reicht mir der Platz für die Küche? Will und kann ich sie vergrössern, etwa durch das Rausbrechen von Wänden? Danach geht es um die Form der Küche. Die Faustregel: Haben Sie wenig Platz (bis 12 m²), müssen sie diesen optimal nutzen. Geeignet sind Küchen mit nur einer Küchenzeile, zwei Küchenzeilen oder in L-Form. Für mehr Arbeitsflächen bietet sich Unter- und Oberschränke an.

Haben Sie mehr Platz oder eine offene Küche, kommen Küchen in U- und G-Form sowie Kochinseln infrage. Viel Platz ist aber nicht per se besser. Achten Sie auf das sogenannte magische Küchendreieck: Kühlschrank, Abwaschbecken und Kochfeld sollen so angeordnet sein, dass Sie schnell hin und her wechseln können – idealerweise mit weniger als 1,5 Meter Abstand – und keine Hindernisse den Weg versperren.

 

Die Planung

Viele Anbieter haben Software, die Ihnen bei der Küchenplanung hilft. Diese ist meist relativ intuitiv zu bedienen. Noch einfacher ist es, wenn Sie direkt zum Küchenbauer gehen und er mit Ihnen die Küche plant. Das ist zwar teurer, dafür müssen Sie sich nicht mit Normmassen, Höhe der Arbeitsfläche und Gangbreiten rumschlagen oder sich am Ende über Details ärgern wie Türen, die auf die falsche Seite aufgehen.

Gewusst wie: Ein erstes Raumgefühl können Sie sich ganz simpel verschaffen. Zeichnen Sie den Grundriss der Küche zum Beispiel im Massstab 1:10 auf ein Blatt Papier. Skizzieren Sie dann die wichtigsten Elemente als kleine Rechtecke. Als Mindestmasse gelten:

  • Kochinsel: mind. 175x80 cm
  • Kühlschrank: mind. 50 cm breit
  • Schränke: 30-120 cm
  • Geschirrspüler: 45-60 cm
  • Spüle: mind. 60 cm

Schneiden Sie die Elemente aus. Sie können sie nun frei im Grundriss arrangieren und sehen so sofort, was überhaupt Platz hat. Lassen Sie dabei überall einen Durchgang von 70-90 cm frei. Das verschafft ein gutes erstes Gefühl für den geeigneten Grundriss.

 

Küche modernisieren

Geht es Ihnen ums Modernisieren der Küche in der bestehenden Form, müssen Sie entscheiden, was Sie alles neu machen wollen. Grundsätzlich lohnt es sich, möglichst viel auf einmal zu modernisieren – man hat so nur einmal eine Baustelle und kann die Kosten tiefer halten. Oft reicht aber auch ein «Facelifting» aus, um sich in der Küche wieder wohlzufühlen. Indem Sie die Küchenrückwand neu plätteln oder Griffe und Fronten austauschen, erhalten Sie schon ein neues Küchengefühl. Aufwändiger wird es, wenn Sie die Arbeitsplatte abschleifen oder austauschen möchten. Hier müssen nur schon die Dichtungen neu gemacht werden. Beim Austausch müssen auch die Aussparungen für Spüle oder Kochfeld exakt zugeschnitten werden. Da moderne Arbeitsplatten oft dünn und aus Kunststein sind, sollte hier ein Profi ans Werk.

Wollen Sie Geräte installieren, müssen diese genau vermessen werden. Sie sind oft normiert, was den Austausch vereinfacht. Bei Elektrogeräten wird es für den Laien trotzdem heikel: Zwar sieht das Anschliessen eines Herdes, Backofens oder einer Abzugshaube auf den ersten Blick nicht allzu anspruchsvoll aus, aber Fehler stellen hier ein hohes Sicherheitsrisiko dar. Fachleute montieren Ihnen die Geräte sicher und passgenau.

 

Design-Trends

Haben Sie sich entschieden, was Sie umbauen wollen, geht es ans Design. Küchen sind dabei klaren Trends unterworfen. In den letzten Jahren waren unter anderem grifflos, Weiss, Schwarz, Hochglanz, Holz- und Betonoptik die Schlagworte. Beliebt ist aktuell auch der Industrial Style: Minimalistische Küchen in kühlen Farben, die bewusst robust und nicht perfekt sind. Hier kann man gut auch selbst Hand anlegen und zum Beispiel die alte Arbeitsplatte zu einem Do-it-yourself-Regal umfunktionieren. Der vielleicht grösste Vorteil des Industrial Style zeigt sich indes erst im Gebrauch: Da die Oberflächen absichtlich mit kleinen Schönheitsfehlern durchsetzt sind, sieht man nicht jeden Fleck, Hick oder Kratzer sofort. Das befreit beim Kochen ungemein.

Auch bei den Geräten gibt es laufend neue Trends und Erfindungen. Dazu gehören zum Beispiel Abzüge, die in die Herdplatte integriert sind. Diese haben grosse Fortschritte gemacht und funktionieren heute für fast alle Anwendungen tadellos. Es ist deshalb keine Funktions-, sondern vor allem eine Designfrage, für welche Lösung Sie sich entscheiden.

Zu beachten sind bei integrierten Abzügen zwei Dinge: Der Abzug macht die Herdplatte breiter und schmälert so die Arbeitsfläche. Das spielt vor allem bei Kücheninseln eine Rolle. Zweitens muss die abgesogene Luft irgendwohin. Bei einem Umbau ist es oft nicht möglich oder aufwändig, das bestehende Abzugsrohr durch Boden und Wand bis zum Herd zu verlängern. Die Alternative sind Aktivkohlefilter, die den Küchendampf reinigen und ins Innere blasen.

Beim erwähnten Rezept von Marcella Hazan müssen Sie den Abzug übrigens nicht einmal anstellen. Wenn die Küche verführerisch nach Zwiebeln und Tomaten duftet, wird einem richtig wohl ums Herz.