Droht der Handelskonflikt zu eskalieren?

Das Wechselbad der Gefühle konnte in den letzten Wochen kaum grösser sein. Macht der US-Präsident ernst mit seinen Drohungen, Zölle auf weitere Importprodukte einzuführen und zu erhöhen? Werden die betroffenen Länder Gegenmassnahmen ergreifen? Eskaliert der Konflikt in einen Handelskrieg? Diese Fragen beschäftigen und verunsichern die Investoren zunehmend.

Wie sich die Handelsbeziehungen, insbesondere mit den USA, weiterentwickeln werden, ist schwer einzuschätzen. Selbst auf das Regelwerk der Welthandelsorganisation (WTO) scheint kein Verlass zu sein. Denn, hält sich die grösste Volkswirtschaft der Welt nicht mehr daran, verlieren multilaterale Verträge deutlich an Stellenwert. Im Zentrum steht insbesondere das Prinzip der Gleichbehandlung. Aber genau hier gibt es auch Konstellationen, in denen die USA benachteiligt sind. So werden etwa Autos, die aus der EU in die USA importiert werden, mit geringeren Zöllen belastet, als beim Handel in die andere Richtung. Es ist nachvollziehbar, dass die US-Regierung in diesem Bereich «Verhandlungserfolge» erreichen will. Liegt doch diese Industrie in einem Gebiet der USA, in dem der Präsident im November 2016 viele Wählerstimmen geholt hat und bereits im November stehen wieder Zwischenwahlen an.

Importverbote wären verheerend

Wir sind überzeugt: Die US-Regierung weiss, dass ein grossflächiger Handelskrieg auch negative Folgen für die USA hätte. Zahlreiche Produkte würden verteuert, was letztlich Trumps Wählerschaft am stärksten treffen würde. Noch verheerender wären Importverbote. Die internationalen Lieferungs- und Produktionsprozesse sind so miteinander verkettet, dass Importverbote zu einem Zusammenbruch der Produktion führen könnten.

Dies verdeutlicht die stetige Zunahme des internationalen Handels (siehe Grafik Verlauf der weltweiten Exporte). Auch die Geschichte zeigt, dass Protektionismus die wirtschaftliche Entwicklung belastet. Das erfuhr die USA bereits in den 1930er-Jahren. Alle diese Punkte sprechen unseres Erachtens gegen eine Eskalation des Handelskonflikts.

Situation bleibt unberechenbar

Trotzdem bleibt die Situation unberechenbar. Insbesondere ist uns die Verhaltensweise des US-Präsidenten nicht vertraut. Wieviel seiner Rhetorik ist ernst zu nehmen, wieviel davon ist reine Verhandlungstaktik? Mit der Einführung von weiteren punktuellen Strafzöllen müssen wir rechnen. Zusätzlich baut sich in einigen Regionen der Welt die Konjunkturdynamik etwas ab und die Bewertungen von verschieden Anlagekategorien, wie zum Beispiel Aktien , sind nach wie vor relativ hoch. Diese Entwicklungen haben wir zum Anlass genommen, etwas vorsichtiger zu agieren und die Risiken in den Portfolios zu reduzieren. Dazu haben wir das Übergewicht in Aktien abgebaut. Zwar rechnen wir nicht mit einer Eskalation des Handelskonflikts, gehen jedoch davon aus, dass die nächsten Monate nicht viel Potenzial für den Aktienmarkt bergen und die Risiken zunehmen.

Obligationen

Zinsen 

Bei den Zinsen beobachten wir seit Anfang Jahr ein Auf und Ab. In den letzten Monaten haben die Bewegungen weiter zugenommen. Die meisten Marktteilnehmer gehen von höheren Zinsen per Ende 2018 aus. Wir sind der Meinung, dass die Zinsen in den USA am kurzen Ende weiter steigen, am langen Ende jedoch nicht viel passieren wird. Auch die Europäische Zentralbank wird die Zinsen bis sicher Ende Sommer 2019 unverändert belassen. Die Schweizerische Nationalbank muss ihre Zinsen somit noch für längere Zeit sehr tief halten, da der Frankenkurs von der Zinsdifferenz zur Eurozone abhängt.

Spreads

Die Kreditprämien (Spreads) handeln nicht mehr so stabil auf tiefem Niveau wie Anfang Jahr. Die politischen Unsicherheiten in Italien verunsichern die Kreditmärkte. Obwohl die neue italienische Regierung keinen EU-Austritt will, scheinen die Märkte wieder vermehrt auf die Schuldenproblematik europäischer Länder zu fokussieren. Zudem sind die Drohgebärden des US-Präsidenten für gemeinsame Lösungen nicht sehr förderlich. Der von ihm angezettelte Handelskonflikt wird Auswirkungen auf die Kreditmärkte haben. Deshalb ist uns eine hohe Diversifikation und qualitative Beurteilung bei der Schuldnerauswahl sehr wichtig.

Global

Der synchrone Konjunkturaufschwung droht durch die Handelskonflikte zwischen den USA und China/Europa abgewürgt zu werden. Treffen würde die Einführung von Zöllen viele Unternehmen, die in letzter Zeit zu steigenden Aktienmärkten beitrugen. Die Märkte reagieren auf die Unsicherheit mit Nervosität und Abschlägen. Die Ängste, dass die protektionistischen Massnahmen eskalieren, werden andauern. Von der US-Notenbank (FED), die zwei weitere Zinsschritte signalisiert, ist keine Hilfe zu erwarten. Ihre expansive Geldpolitik ist Vergangenheit. Es wird toleriert, dass die anziehende Inflation kurzfristig überschiesst. In Europa und der Schweiz sind für 2018 keine Zinserhöhungen zu erwarten. Die amerikanischen Aktienmärkte konnten kürzlich den Rest der Welt überflügeln.

Schweiz

Schweizer Aktien haben in diesem Jahr unterdurchschnittlich abgeschnitten. Gründe dafür sind ein, wegen der politischen Krise in Italien, wieder erstarkter Schweizer Franken gegenüber dem Euro und die Schwäche der grosskapitalisierten Pharmawerte Roche und Novartis. Steigende Rohstoffkosten behindern Nestle, ein weiteres defensives Schwergewicht im Schweizer Index SMI. Die hohe Bewertung des Schweizer Aktienmarktes hat sich im Laufe des Jahres sukzessive abgebaut. Sollte sich die Weltwirtschaft merklich abkühlen und die Suche nach defensiver Qualität begünstigen, könnte der Schweizer Aktienmarkt wieder besser abschneiden.