Naturgefahrenprävention

2016 konnten in der Hagelforschung und im Bereich Hochwasserschutz neue Erkenntnisse gewonnen werden.

Engagements für Präventionsprojekte

Engagement der Mobiliar

Auch im Berichtsjahr führte die Mobiliar ihr Engagement fort und finanzierte erstmals Projekte in Appenzell Innerrhoden und im Thurgau mit. Darunter auch die Region rund um die Thurgauer Gemeinde Hohentannen-Heldswil, die im Sommer 2015 schweizweit zu den am stärksten von den Unwettern betroffenen Gebieten gehörte. Den mit CHF 665000 höchsten Unterstützungsbeitrag richtete die Mobiliar 2016 für ein Hochwasserschutzprojekt im Dorfzentrum des luzernischen Buttisholz aus. Das Hochwasserschutzprojekt in Delémont, für welches wir bereits früher einen ersten Unterstützungsbeitrag leisteten, hat uns so sehr überzeugt, dass wir uns auch an der zweiten Etappe beteiligen. Dieses Generationenprojekt an der Sorne verbindet Hochwasserschutz mit Renaturierung und der Schaffung von Naherholungsgebieten und wertet nicht zuletzt auch das Stadtbild stark auf. Dank des frühen Einbezugs aller Interessengruppen gilt das Projekt als Vorbild für den modernen Wasserbau.

Das Engagement der Mobiliar im Bereich der Naturgefahrenprävention wollen wir weiterführen und stärken. In Zukunft unterstützen wir auch Massnahmen zur Minderung von Schäden durch Oberflächenabfluss. In diesem Bereich besteht grosses Potenzial, werden doch rund die Hälfte der von uns verzeichneten Überschwemmungsschäden und ein Viertel des Schadenaufwands durch Oberflächenabfluss fernab von Gewässern verursacht. Dieser tritt infolge von Starkregen auf, sobald der Boden die Wassermassen nicht mehr absorbieren kann. Die notwendigen Massnahmen zum Schutz vor Oberflächenabfluss können aufgrund der fehlenden gesetzlichen Subventionsgrundlage von Bund und Kanton nicht mitfinanziert werden. Die Mobiliar unterstützt deshalb die Gemeinden, um die ihnen auferlegte finanzielle Last zu mindern.

Mit diesen Projekten übernehmen wir eine wichtige Rolle bei der Sensibilisierung dieser noch wenig bekannten Gefahr. Um gefährdete Gebiete frühzeitig zu erkennen, untersucht zudem ein wissenschaftlicher Mitarbeiter am Mobiliar Lab für Naturrisiken der Universität Bern in seiner Doktorarbeit den Oberflächenabfluss in seiner örtlichen Entstehung und Ausprägung.

Erforschung von Klimarisiken und Naturgefahren

Auch wenn der Einfluss des Klimawandels auf die Häufigkeit oder Heftigkeit von Hagelschlägen in der Schweiz nicht abschliessend geklärt ist, zeigte eine am Mobiliar Lab für Naturrisiken der Universität Bern durchgeführte Studie deutlich, dass Hagelschläge in einem feuchteren und wärmeren Klima weitaus häufiger und stärker ausfallen. So hat beispielsweise die Zahl der Hageltage in Baden-Württemberg in den letzten 20 Jahren bereits signifikant zugenommen. Ein Zusammenhang mit dem Klimawandel ist nicht auszuschliessen.

Von den Fortschritten in der Hagelforschung profitiert auch die Hagelprognose. Denn die geografisch detaillierte Vorhersage stellt für Meteorologen eine grosse Herausforderung dar. Der 2015 von MeteoSchweiz und der Mobiliar Lab gestartete Test einer kilometergenauen Hagelwarnung wurde ausgewertet. Im Berichtsjahr wurde der Schwellenwert angepasst und die Anzahl der Test-User von 500 auf 700 Personen erhöht mit dem Ziel, die Hagelwarnungen in den nächsten Jahren zur Marktreife zu bringen und der Bevölkerung zur Verfügung zu stellen. Bis Mitte 2017 wird die Mobiliar gemeinsam mit MeteoSchweiz klären, welche Anpassungen zukünftig nötig und möglich sind, um die Trefferquote zu erhöhen.

Ein flächendeckendes Bodenmessnetz für Hagel in der Schweiz fehlt aber weiterhin, daher sind die Rückmeldungen der Bevölkerung umso wertvoller. Die im Sommer 2016 via die Smartphone-Apps der Mobiliar und MeteoSchweiz eingegangenen 13500 Hagelmeldungen wurden überprüft und ausgewertet. Die Auswertung der Daten zeigte einmal mehr, wie hoch das Potenzial zur Ergänzung und Plausibilisierung der Radarmessungen ist. Um Falscherfassungen – bewusst oder unbewusst – zu reduzieren, wird nach einer Lösung gesucht, die Erfassungsmaske in der App zu verbessern.

Im Bereich Hochwasser ermittelte das Mobiliar Lab 2016 erstmals die Standorte sowie die Anzahl Gebäude und Personen, die sich in den Flutzonen befinden – pro Kanton, Bezirk und Gemeinde. Basierend auf den offiziellen Gefahrenkarten für Hochwasser betrifft dies insgesamt über 1.1 Millionen Personen und 270000 Gebäude mit einem Neuwert von CHF 480 Mia. Die Resultate wurden am 2. November 2016 im Alpinen Museum in Bern der Öffentlichkeit vorgestellt und sind auf hochwasserrisiko.ch verfügbar. Mit diesen Resultaten sollen Regionen mit potenziell hohen Überschwemmungsschäden erkannt und Schutzmassnahmen priorisiert werden. Dies vor allem hinsichtlich der begrenzten finanziellen Mittel, welche zukünftig aufgrund der sanierungsbedürftigen Dämme, der regen Bautätigkeit und des Klimawandels möglicherweise nicht ausreichen werden, um den heutigen flächendeckenden Ausbaustandard im Hochwasserschutz zu halten.

Es ist vorgesehen, die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen der Mobiliar und der Universität Bern in den nächsten Jahren weiter auszubauen. Ein neuer Themenschwerpunkt soll die Abschätzung und Visualisierung der gesellschaftlichen Auswirkungen von Überschwemmungen bilden. Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeiten werden der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt und dienen insbesondere den Gemeinden.