Neuer Schub für Schweizer Hagelforschung

Dienstag, 19. Mai 2015

Forscher des Mobiliar Labs für Naturrisiken und von MeteoSchweiz haben eine Karte zur Hagelwahrscheinlichkeit in der Schweiz erstellt. Hagelbeobachtungen aus der Bevölkerung sollen dazu beitragen, die Forschung weiter zu verbessern.

Der Hagel ist unberechenbar und schwer vorhersagbar. Das Mobiliar Lab für Naturrisiken am Oeschger-Zentrum für Klimaforschung der Universität Bern möchte das ändern und hat der Schweizer Hagelforschung neuen Schub verliehen.

Die Forschungsinitiative trägt nun erste Früchte: In Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz entstand eine Karte, welche die Hagelwahrscheinlichkeit in der Schweiz aufzeigt. Dazu wurden Radardaten der letzten 13 Jahre ausgewertet und mit Schadendaten der Mobiliar verglichen. «Wir wollten wissen, wie oft der Hagel am Boden auch zu Schäden geführt hat», erklärt Professorin Olivia Romppainen, Co-Leiterin des Mobiliar Labs. Besonders häufig von Hagel betroffen sind das Emmental, die Voralpen und das Südtessin. Auch im Jura kommt es überdurchschnittlich oft zu Hagelereignissen.

Die Mobiliar hat alleine in den letzten fünf Jahren über 260 Millionen Franken für Hagelschäden bezahlt.

Herr und Frau Schweizer forschen mit

Die Vorhersage bereitet der Forschung nach wie vor Kopfzerbrechen. «Wir versuchen herauszufinden, wo Hagelzellen entstehen, wie weit sie ziehen und wo sie sich wieder auflösen. Und welche Prozesse in der Atmosphäre dazu geführt haben», sagt Olivia Romppainen. Längerfristig sollen diese Erkenntnisse auch zu einer Verbesserung der Hagelprognose führen.

Weil Hagel von Sensoren am Boden kaum erfasst werden kann und ein automatisches Messnetz an den Hagel-Hotspots erst im Aufbau ist, gehen die Forscher neue Wege und beziehen die Bevölkerung mit ein: Ab sofort können Herr und Frau Schweizer über die Smartphone-App der Mobiliar Hagelbeobachtungen melden und somit einen Beitrag an die Hagelforschung leisten.

Pilotversuch für Hagelwarnung

Im Sommer führen das Mobiliar Lab und MeteoSchweiz ausserdem einen Pilotversuch für eine kurzfristige Hagelwarnung durch. An der Studie nehmen mehrere hundert Personen teil, die jeweils kurz vor einem erwarteten Hagelschlag eine Warnung per SMS erhalten. Die Probanden melden danach, ob es tatsächlich gehagelt hat, was den Forschern ermöglicht, die Qualität der Warnungen zu verifizieren.

Kontakt

Mobiliar Lab für Naturrisiken: Jürg Thalmann, media@mobiliar.ch, 031 389 88 44
MeteoSchweiz: Barbara Galliker, media@meteoswiss.ch, 058 460 97 00

Die Gruppe Mobiliar

Jeder dritte Haushalt in der Schweiz ist bei der Mobiliar versichert. Der Allbranchenversicherer weist per 31. Dezember 2016 ein Prämienvolumen von 3.630 Mia. Franken auf. 79 Unternehmer-Generalagenturen mit eigenem Schadendienst garantieren an rund 160 Standorten Nähe zu den 1.7 Millionen Kunden. Die Schweizerische Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG ist in Bern, die Schweizerische Mobiliar Lebensversicherungs-Gesellschaft AG in Nyon domiziliert. Zur Gruppe gehören ferner die Schweizerische Mobiliar Asset Management AG, die Protekta Rechtsschutz-Versicherung AG, die Protekta Risiko-Beratungs-AG, die Mobi24 Call-Service-Center AG und die XpertCenter AG, alle mit Sitz in Bern sowie Trianon AG mit Sitz in Renens und SC, SwissCaution SA mit Sitz in Bussigny.

Die Mobiliar beschäftigt in den Heimmärkten Schweiz und Fürstentum Liechtenstein mehr als 4900 Mitarbeitende und bietet 327 Ausbildungsplätze an. Sie ist die älteste private Versicherungsgesellschaft des Landes und seit ihrer Gründung 1826 genossenschaftlich verankert.

So entsteht Hagel

Hagel entsteht bei instabilen Wetterlagen – wenn diese meteorologischen Faktoren zusammentreffen: Feuchtwarme Luft in unteren Schichten, kalte Luft in höheren Schichten und thermische Bedingungen, welche starke Aufwinde provozieren. Entscheidend ist ebenfalls das Vorhandensein von Staubpartikeln, um die sich beim Aufsteigen der warmen Luft Wassertropfen bilden können. Beim Abkühlen in den oberen, kälteren Luftschichten gefrieren diese kleinen Tröpfchen – und fallen in wärmere Luftschichten zurück. Die Thermik trägt sie in einer Art Paternoster-Lift-Bewegung wieder hoch – durch erneutes Anlagern von Eis wachsen so die Körnchen, werden grösser und schwerer. Ist der Punkt erreicht, wo die Masse grösser ist als die Auftriebskraft der Thermik, fallen die Hagelkörner auf die Erde.

 

Wenn Kotflügel, Motorhauben und Autodächer Beulen bekommen...
Damit an Fahrzeugblechteilen sichtbare Schäden entstehen, sind Hagelkörner in der Grösse von Baumnüssen nötig. Die Intensität der Beschädigungen hängt zusätzlich davon ab, ob der Hagel «trocken» fällt – oder zusammen mit Regen; entscheidend ist auch, ob die Körner hart oder weich gefroren sind.

 

Hagelzüge sind meist sehr lokal begrenzt
Unwetter mit Hagelschlag bezeichnet man als Hagelzüge. Ihre Wirkung ist oft sehr begrenzt: Die eine Hälfte des Garten kann total verwüstet sein, während andere Beete überhaupt nicht betroffen sind. Besonders hagelgefährdet sind das Emmental, die Voralpen und das Südtessin. Auch der Jura ist häufig von Hagel betroffen.

Mobiliar Lab für Naturrisiken

Das Mobiliar Lab für Naturrisiken ist eine gemeinsame Forschungsinitiative des Oeschger-Zentrums für Klimaforschung der Universität Bern und der Mobiliar. Die Forschungsschwerpunkte sind Hochwasser, Sturm und Hagel sowie deren Schadenpotenzial. Bei der Hagelforschung arbeitet das Mobiliar Lab eng mit dem Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz zusammen.