Kunst und Nachhaltigkeit Vol. 4: Romuald Hazoumè

Montag, 20. Juli 2015

Masken, Vodoo und Plastikkanister: Romuald Hazoumè und die kulturelle Identität

Bern, 7. Juli 2015 - Aussergewöhnliche Ziele verlangen aussergewöhnliche Mittel: Romuald Hazoumè, 1962 in Porto-Novo, Benin, geborener Künstler, erscheint zu Vernissagen im Bubu, dem wallenden afrikanischen Gewand, und trägt um den Hals schwere Ketten aus Messing und Elfenbein, «damit alle sehen, was ein Afrikaner ist». Mit diesem Auftritt bereitet er den Boden für die gesellschaftspolitischen Themen, die ihn bewegen und seine Arbeit inspirieren. Die Mobiliar widmet dem international renommierten Künstler eine Einzelausstellung in ihrem Direktionsgebäude in Bern.

Die Prägung unserer Welt durch Kolonialismus, Dekolonialisierung und Neokolonialismus, die Globalisierung sowie die daraus resultierende kulturelle Gleichförmigkeit der Gesellschaften sind die Themen, mit denen sich Romuald Hazoumè auseinandersetzt.

Hazoumè möchte mit seiner Kunst der Gleichschaltung der Welt entgegenwirken. Vorurteile hebelt er aus, vorprogrammierte Haltungen durchbricht er. Kritisch hinterfragt er Rezeptionsgewohnheiten – und zwar von beiden Seiten: der afrikanischen ebenso wie der abendländischen.
Deshalb gründete er beispielsweise die Non-Profit-Organisation Beninese Solidarity with Endangered Westerners, die das Ziel hat, verarmten Menschen in Europa zu helfen. Mit dieser Umkehrung der gewohnten Verhältnisse eröffnet der Künstler erfrischend neue Perspektiven.

Romuald Hazoumès Arbeiten sind intensiv und spektakulär: Seine Gemälde zeigen rätselhafte Symbole aus der Welt des Voodoo, der spirituellen Praxis aus Westafrika. Seine Holzfiguren repräsentieren Gottheiten, und in seinen raumgreifenden Installationen aus Plastikkanistern beschäftigt er sich auf eindrückliche Weise mit dem Benzinschmuggel in seinem Land.

International bekannt wurde er vor allem durch seinen aufsehenerregenden Beitrag Dream auf der documenta 12 und durch seine Masken: «Von einem Afrikaner erwartet man, dass er Masken macht – also machte ich Masken», kommentiert er lakonisch.
Hazoumès Ziel ist es, sich mit seinen Werken auch für die Menschen seines Heimatlandes einzusetzen: Er spielt mit den Klischees des Abendlandes gegenüber dem «schwarzen Kontinent» – genauso wie er gleichzeitig sein eigenes Volk zu mehr kulturellem Selbstbewusstsein aufruft.
«Romuald Hazoumès Arbeiten packen uns frontal», sagt Dorothea Strauss, Leiterin des Bereichs Corporate Social Responsibility bei der Mobiliar. «Einmal sind sie geheimnisvoll, an anderer Stelle rütteln sie uns auf, nie lassen sie uns kalt. Seine Werke setzen Zeichen, denn für eine verantwortungsvolle und nachhaltige Entwicklung braucht es Bewusstsein. Kulturelle Differenzen, Klischees und Wertvorstellungen gehen uns alle an.»

Die Ausstellung bildet das vierte Kapitel in einer Reihe von Werkschauen, die die Themen Kunst und Nachhaltigkeit zusammenbringen, um eine Diskussion darüber zu entfachen, zu nähren und in neue Dimensionen zu tragen.

Vernissage