Innovation: Beim Duschen Energie sparen

Mittwoch, 6. April 2016

Warmwasser ist der zweitgrösste Energiefresser im Haushalt. Gundula Heinatz Bürki und Verena Tiefenbeck forschen am Mobiliar Lab für Analytik an der ETH Zürich, wie sich der Verbrauch senken lässt.

Sind Herr und Frau Schweizer gute Energiesparer?
Verena Tiefenbeck: Im Vergleich mit den USA verbrauchen wir weniger Energie. Vergleichen wir uns aber mit ärmeren Ländern, liegt unser Verbrauch deutlich höher. In der Schweiz ist das Umweltbewusstsein hoch und die Bereitschaft zum Energiesparen ist vorhanden. Jedoch hapert es bei der Umsetzung.

Wie kann Energiesparen noch effizienter werden?
Tiefenbeck: Etwa mit Wissen. Der Fokus soll gezielt auf Bereichen liegen, in denen sich Energiesparen lohnt. So spart man beim Runterdrehen der Heizung beispielsweise viel mehr Energie, als wenn man über die Ferien den Stecker des Fernsehers zieht.

Was raten Sie Personen, die mit wenig Aufwand viel Energie sparen möchten?
Tiefenbeck: Man kann mit einfachen Massnahmen Energie sparen. Bei langfristigen Anschaffungen wie Auto, Kühlschrank oder Baumaterialien bestimmt man den Energieverbrauch über viele Jahre massgeblich.
Heinatz: Auch eine gute Hausisolation trägt zum Energiesparen bei. Man kann heute zum Beispiel die Heizung aus der Ferne via Smartphone regulieren.

Das ETH-Spinoff hat eine Duschanzeige entwickelt. Lohnt es sich, beim Duschen Energie zu sparen?
Gundula Heinatz: Ja, denn Warmwasser ist der zweitgrösste Energiefresser im durchschnittlichen Schweizer Haushalt.

Wie funktioniert die intelligente Duschanzeige?
Tiefenbeck: Man schraubt das Gerät einfach zwischen Duschschlauch und Brause. Im Gegensatz zu Sparbrausen reduziert es nicht automatisch die Wassermenge. Die Anzeige schafft lediglich das Bewusstsein für den Wasser- und Energieverbrauch. Die meisten sind ob dem eigenen Verbrauch erstaunt, duschen künftig weniger lange und sparen so Energie und Geld.

800 Mitarbeitende der Mobiliar haben die Duschanzeige getestet. Was ist dabei herausgekommen?
Heinatz: Mit jedem Gerät konnte durchschnittlich eine kWh pro Tag gespart werden. Das entspricht etwa dem Energieverbrauch eines grossen Kühlschranks. Im Durchschnitt haben die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer ihren Energieverbrauch um 22% reduziert.

Angenommen, die Menschen ändern nichts an ihrem Energieverbrauch. Wo führt das Ihrer Meinung nach hin?
Tiefenbeck: Ich bin zwar keine Klimaforscherin, aber ich kann mir gut vorstellen, dass der hohe Energieverbrauch die Erderwärmung vorantreibt. Der Rückgang der Gletscher ist eine Konsequenz davon. Für die Menschen sind jedoch die Folgen noch sehr weit weg. Heute sehen wir oft nur die positiven Effekte des Energieverbrauchs, wie der Komfort. Die langfristigen Folgen blenden wir aus. Zudem kann der hohe Wasserverbrauch in wasserarmen Ländern zu Abhängigkeit führen, was vorhandene Ressourcen zum Politikum macht.

Was denken Sie, wie die Menschen in Zukunft Energie sparen werden?
Tiefenbeck: Trotz technischer Verbesserungen in der Autobranche oder der Bauindustrie hat der Energieverbrauch in den letzten Jahren nicht abgenommen. Wir kompensieren die Energieeinsparung durch noch grössere Häuser und mehr Autofahrten. Nun stellt sich die Frage, ob das so weitergeht. Klar ist aber, dass auf Energieeffizienzebene viel passieren muss. Damit erneuerbare Energien eines Tages unsere Ansprüche decken können.

Die Mobiliar forscht zusammen mit der ETH Zürich. Weshalb?
Heinatz: Weil das zur Mobiliar passt. Wir investieren in die Forschung, um die Zukunft nachhaltig mitgestalten zu können. Das Thema Energiesparen wollen wir vorantreiben. Jeder dritte Haushalt ist bei der Mobiliar versichert. Dies birgt grosses Potenzial. Und wenn wir mit unserem Engagement etwas bewirken können, ist das hervorragend.

Sparen Sie privat auch Energie?
Tiefenbeck: Ja, ich fahre kein Auto. Zu Terminen komme ich mit dem Velo oder dem Zug. Zudem kaufe ich regionale Produkte, bei denen keine hohen Transportkosten entstehen und lüfte in den kalten Monaten nicht länger als nötig.
Heinatz: Ich dusche mit der Duschanzeige und stelle die Heizung im Winter auf eine niedrige Temperatur. So kam es, dass ich bereits eineinhalb Jahre in einer Wohnung lebte und nicht gemerkt hatte, dass die Heizung kaputt war. Mein Mann und ich lachen noch heute darüber.

Sie arbeiten den ganzen Tag am Computer, der mit Strom läuft. Passt das mit Ihrer Einstellung zum Energieverbrauch überein?
Tiefenbeck: Der energieverbrauch von Laptops ist im Vergleich zur Warmwasseraufbereitung oder zur Heizenergie klein. Zudem ermöglicht der Laptop durch Internetzugang auch Energieeinsparungen, so entfällt wegen einer Skype-Konferenz eine Reise. Deshalb ist es schwierig, den Energieverbrauch in den verschiedenen Bereichen miteinander zu verrechnen.

Dr. Verena Tiefenbeck (31) hat ursprünglich Maschinenbau studiert. Sie leitet das Bits to Energy Lab an der ETH Zürich und lebt in Zürich. bitstoenergy.ch

Dr. Gundula Heinatz Bürki (46) hat Informatik studiert und leitet das Mobiliar Lab für Analytik, welches das Potenzial von grossen Datenmengen im Versicherungskontext erforscht. Sie lebt in Thun. mobi-lab.ch

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